Stand: 24.06.2015 14:26 Uhr

Kieler Woche: Viel Jubel, aber auch Kritik

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Laser-Sieger in Kiel: Tobias Schadewaldt.

Die deutschen Segler haben bei der diesjährigen Kieler Woche in den olympischen und paralympischen Klassen vier Gesamtsiege verbucht. Tobias Schadewaldt sicherte sich am letzten Regatta-Tag der olympischen Klassen am Mittwoch Rang eins in der Laser-Konkurrenz. Der 30 Jahre alte Oldenburger verwies Michael Hansen (Dänemark) und den Polen Tadeusz Kubiak auf die Plätze zwei und drei. "Das war eine richtig klasse Woche, irre, dass ich auch noch das Medaillenrennen gewonnen habe", freute sich Schadewaldt, für den es nach zwei Siegen im 49er (2011/2012) der dritte Erfolg bei der Kieler Woche war. Anschließend holten sich das 49er-Duo Justus Schmidt/Max Böhme (Kiel) den Gesamtsieg. Die Favoriten Erik Heil/Thomas Plößel aus Kiel mussten sich mit Rang zwei begnügen. Ebenfalls erfolgreich war Lokalmatador Heiko Kröger in der paralympischen 2.4mR-Klasse. Kröger bewies im Finale starke Nerven und zog noch am Norweger Björnar Erikstad vorbei.

Nacra 17-Titel geht an Kohlhoff/Werner

Bereits am Dienstag hatten sich Paul Kohlhoff und Carolina Werner im Nacra 17-Katamaran vorzeitig den Sieg gesichert. Das Duo aus Kiel gewann den Mixed-Titel in der neuen Olympiaklasse bereits einen Tag vor den Medaillenrennen. Schon nach elf Wettfahrten war den Hoffnungsträgern der Sieg nicht mehr zu nehmen. "Wir freuen uns, bleiben aber trotzdem auf dem Boden und konzentrieren uns jetzt auf unseren Saisonhöhepunkt", erklärte Steuermann Kohlhoff. Bei der Nacra-17-Weltmeisterschaft ab 4. Juli im dänischen Aarhus wollen die Norddeutschen den noch nicht gesicherten Nationenstartplatz für Deutschland für die Olympischen Spiele 2016 holen.

Geringe Teilnehmerzahlen und Mangel an Stars

Resultate
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Die Ergebnisse der olympischen Klassen

Alle Resultate der olympischen Klassen bei der Kieler Woche im Überblick. extern

In den Jubel über die deutschen Siege mischte sich in Kiel aber auch Kritik. Das Teilnehmerfeld in acht olympischen Disziplinen und einer paralympischen Klasse entsprach mit nur 269 Teams weder quantitativ noch qualitativ den Führungsansprüchen der Veranstalter. Der Verlust des Weltcup-Status vor drei Jahren sowie die zeitliche Nähe von internationalen Meisterschaften hatten die Mehrheit der Top-Athleten an der 121. Kieler Woche vorbeisegeln lassen. "Der Verlust des Weltcup-Status birgt die echte Gefahr, in die Zweitklassigkeit abzurutschen. Es muss alles daran gesetzt werden, wieder Weltcup zu werden", sagte Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Es gelte an der Seite Hamburgs, "den nächsten großen Schritt zu schaffen. Wer meint, nur auf Tradition bauen zu können, wird sich täuschen." Kiel sei aber im Sinne der Nachhaltigkeit der richtige Standort für olympische Segel-Wettbewerbe in Deutschland.

Lob von den Siegern

Der neue Organisationsleiter Dirk Ramhost versprach Veränderungen. Er kündigte eine "intensive Analyse verschiedener Zukunftsszenarien für die Kieler Woche" und eine "proaktive Positionierung" im internationalen Konzert von Segelgroßereignissen an. Um die Attraktivität zu erhöhen, wurden schon diesmal erstmals Preisgelder in einer Gesamthöhe von 54.000 Euro an die Erstplatzierten ausgeschüttet. Von den Siegern gab es demonstrativ Lob für die Organisatoren. "Die Kieler Woche ist eine der prestigereichsten Regatten der Welt. Das Regattamanagement war erstklassig", sagte Schadewaldt.

Segelstandort Kiel soll gestärkt werden

Der Deutsche Segler-Verband (DSV) hat unterdessen bekannt gegeben, dass der Standort Kiel im Rahmen der Olympia-Bewerbung für die Spiele 2024 aufgewertet werden soll. Mittelfristig sollen die Bereiche Wettsegeln, Technik und Jugend nach Kiel umziehen. "Wir wollen als Dachverband alles in unserer Macht Stehende tun, um die deutsche Olympia-Bewerbung zu unterstützen", sagte DSV-Präsident Andreas Lochbrunner. Der Zeitplan für den Umzug der drei Bereiche von Hamburg nach Kiel soll demnächst festgelegt werden.

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