Stand: 30.01.2016 15:13 Uhr

Sieg in Melbourne - Kerber im Tennis-Himmel

Kurz flossen die Tränen bei Angelique Kerber. Doch bei der Siegerehrung hatte sie ihre Gefühle so gut es ging schon wieder im Griff. "Ich fühle mich so geehrt, ich bin Grand-Slam-Siegerin, das ist so verrückt, so unglaublich", freute sich die Kieler Tennis-Spielerin nach dem größten Triumph ihrer Karriere. Kerber hat tatsächlich die Australian Open in Melbourne gewonnen. Mit 6:4, 3:6, 6:4 besiegte sie am Sonnabend im Finale die große Favoritin und Weltranglisten-Erste Serena Williams aus den USA. "Ich habe mein ganzes Leben lang so hart gearbeitet, und jetzt ist mein Traum in Erfüllung gegangen", so Kerber nach einem tollen Match, das erst nach 2:09 Stunden entschieden war.

Angelique Kerber bei den Australian Open in Melbourne © picture alliance / dpa Fotograf: Lukas Coch

Kerber: "Noch besser als in meinen Träumen"

Angelique Kerber ist der große Triumph gelungen. Die Kielerin hat die Australian Open gewonnen. Grand-Slam-Turniersiegerin, wie fühlt sich das an? Kerber im Interview.

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Auch die Bundeskanzlerin gratuliert

"Das war fast unmenschlich", sagte Kerbers Trainer Torben Beltz: "Sie hat gegen die beste Spielerin der Welt gespielt, aber keine Angst gezeigt. Von so einem Moment träumt man - auch als Trainer." Die 28-Jährige kündigte an, ihren Erfolg ausgiebig zu feiern, inklusive des obligatorischen Sprungs in den Yarra River am Sonntagmorgen. Den großen Erfolg hatte sie auch eine Stunde nach dem Matchball noch nicht verarbeitet. "Ich bin jetzt schon ganz fertig, dabei will ich doch die Nacht durchfeiern." Wach hielten Kerber wohl allein die vielen Glückwünsche, die sie von überallher erreichten - selbst aus dem Kanzleramt. "Mit diesem Sieg haben Sie nicht nur Ihren großen Traum erfüllt, sondern 17 Jahre nach Steffi Graf auch wieder einmal die Hoffnungen von Millionen von Tennisfans auf den Sieg einer Deutschen bei einem Grand Slam-Turnier", schrieb ihr Bundeskanzlerin Angela Merkel. "Es war faszinierend, wie unerschrocken und nervenstark Sie sich im Finale gegen die wohl beste Spielerin der Welt durchgesetzt haben." Sobald Kerber Zeit hat, soll sie sich ins Goldene Buch der Stadt Kiel eintragen.

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Williams eine faire Verliererin

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Williams zeigte sich als faire Verliererin, nahm Kerber in den Arm und lobte die Norddeutsche: "Du bist die verdiente Siegerin. Ich freue mich wirklich sehr für Dich." Kerber ist seit Steffi Graf (1999 in Paris) die erste deutsche Tennis-Spielerin, die bei einem Grand-Slam-Turnier den Titel holen konnte. In der Weltrangliste wird sie am kommenden Montag hinter Williams auf Position zwei geführt werden. Kerbers Auftritt im Endspiel von Melbourne war bemerkenswert. Gegen die zuletzt alles dominierende Spielerin auf der Tour hatte sie ihre Nerven jederzeit im Griff, ganz anders als Williams. Während die Außenseiterin aus Schleswig-Holstein hochkonzentriert agierte und der US-Amerikanerin gleich zweimal den gefürchteten Aufschlag abnahm, spielte Williams ungewohnt fahrig und haderte lautstark mit sich selbst. 23 leichte Fehler leistete sich die Nummer eins der Weltrangliste im ersten Durchgang. Kerber holte sich nach 39 Minuten den ersten Satz verdient mit 6:4.

Entscheidendes Break zum 1:4

Doch Williams steigerte sich und minimierte ihre Fehlerquote. Das Match war ausgeglichen, Kerber zeigte weiterhin gutes Tennis und hatte auch ihren manchmal etwas wackeligen Aufschlag gut im Griff. Dennoch musste die Kielerin das entscheidende Break zum 1:4 hinnehmen und verlor den zweiten Durchgang mit 3:6.

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Spektakulärer dritter Satz

Unbeeindruckt spielte die Norddeutsche weiter und wurde wieder aktiver. Beim Stand von 1:0 erarbeitete sie sich mit dem bis dato spektakulärsten Ballwechsel der Partie drei Breakchancen und nutzte gleich die erste. Doch Williams‘ Konter folgte prompt. Es war ein großartiges Match, das hin und her wogte und immer wieder sensationelle Ballwechsel bot. Kerber gelang nach zuvor vier vergebenen Chancen das Break zum 4:2 und der Spielgewinn zum 5:2. Doch Williams kämpfte sich wieder zurück und verkürzte auf 4:5. Aber der Aufschlag der Nummer eins kam nicht wie gewohnt. Kerber holte sich den Matchball, und Williams setzte einen Volley ins Aus - der Sieg für die Kielerin, die umgerechnet 2,2 Millionen Euro Preisgeld kassierte und dafür sorgte, dass Williams ihren 22. Grand-Slam-Sieg verpasste und somit in der ewigen Bestenliste noch immer einen Titel hinter Steffi Graf liegt.