Stand: 30.03.2012 13:41 Uhr

Eigentor-Festival: Ein 96-Tag zum Vergessen

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Was für ein Spiel: Nach drei Eigentoren verloren die Hannoveraner mit 3:5.

Mehr als 800 Spiele hat Hannover 96 in der Fußball-Bundesliga absolviert - knapp 350 Niederlagen mussten die "Roten" dabei schlucken. Eine Pleite wie am 16. Spieltag der Saison 2009/2010 bei Borussia Mönchengladbach hat es in der gesamten Bundesliga-Historie allerdings kein zweites Mal gegeben. "Heute war ein Spiel, das man so schnell nicht mehr vergessen wird", mutmaßte Trainer Andreas Bergmann nach der Partie am 12. Dezember 2009 und fügte hinzu: "Wir schießen sechs Tore und verlieren trotzdem." 96 unterlag am Niederrhein mit 3:5 (1:2) und die Niedersachsen trugen mit gleich drei Eigentoren zum Erfolg der "Fohlen" bei - ein historischer Rekord, mit dem es die Hannoveraner in die Geschichtsbücher geschafft haben.

Erster Streich schon in der Anfangsphase

Borussia Mönchengladbach - Hannover 96 5:3 (2:1)

Torfolge: 1:0 Haggui (15., Eigentor), 2:0 Friend (22.), 2:1 Ya Konan (36.), 3:1 Djakpa (58., Eigentor), 4:1 Bradley (68.), 4:2 Ya Konan (69.), 4:3 C. Schulz (87.), 5:3 Haggui (90.+3, Eigentor)
Gelb-Rote Karte: Ya Konan (84.)
Gladbach: Bailly - Levels, Brouwers, Dante, Jaures - Marx, Bradley - Reus, Arango (90. Kleine) - Matmour (85. Neuville), Friend (85. Colautti)
96: Fromlowitz - Cherundolo (70. Schlaudraff), Haggui, C. Schulz, Rausch (58. Hanke) - Balitsch, Pinto, Rosenthal (23. Djakpa), Bruggink - Stajner, Ya Konan

Bereits in der 15. Minute musste 96-Keeper Florian Fromlowitz das erste Mal hinter sich greifen. Bei einem Laufduell zwischen Karim Haggui und Gladbachs Marco Reus drängte der Tunesier seinen Gegenspieler gekonnt ab und machte Platz für seinen Torhüter. Fromlowitz versuchte, den Ball per Grätsche zu klären. Sein Schuss kam aber nicht weit, sondern prallte direkt an das Bein von Haggui - von dort trudelte der Ball zum 0:1 in den Kasten. Die Hannoveraner ließen sich nicht hängen. Zwar baute Rob Friend acht Minuten später per Kopf die Führung der Hausherren aus, doch Didier Ya Konan traf noch vor der Pause zum Anschluss (36.).

Nach der Pause nimmt der Wahnsinn seinen Lauf

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Auch 96-Trainer Andreas Bergmann konnte das Geschehen nicht fassen.

Selbst die Hannover-Fans, die das erste Eigentor noch schulterzuckend hingenommen hatten, kamen nach knapp einer Stunde nicht umhin, sich an den Kopf zu fassen. Ein harmloser Rückpass landete bei 96-Außenverteidiger Constant Djakpa, der nach 23. Minuten für den verletzten Jan Rosenthal eingewechselt worden war. 25 Meter vor dem Tor versuchte der Ivorer mit seinem schwachen rechten Fuß einen Querpass. Der misslang dem damals 23-Jährigen allerdings völlig: Das Leder rutschte ihm über den Spann und segelte in einer unwirklichen Flugkurve am weit vor seinem Kasten stehenden Fromlowitz, der noch verzweifelt hinter dem Ball herhechtete, vorbei zum 1:3 in die Maschen.

Die Trainer von Hannover 96

Hannover steckt nicht auf

Der US-Amerikaner Michael Bradley erhöhte zehn Minuten später auf 4:1 für die Gastgeber. Doch 96 bewies wahrlich Moral. Auf Vorlage von Sergio Pinto stellte Ya Konan postwendend den alten Abstand wieder her (68.). Und selbst nachdem der 96-Stürmer nach einem harten Einsteigen gegen Gladbach-Keeper Logan Bailly Gelb-Rot gesehen hatte (84.), steckten die Gäste nicht auf. Christian Schulz besorgte in Unterzahl den Anschlusstreffer (87.) und die Hannoveraner drängten sogar noch auf den Ausgleich.

"Wenn es nicht so traurig wäre..."

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Hannovers Sergio Pinto am Boden zerstört.

Daraus wurde aber bekanntlich nichts - im Gegenteil. Gladbach setzte in der 93. Minute zum letzten Konter an, Reus spielte einen Steilpass auf Joker Oliver Neuville. Das Anspiel verhinderte Haggui, der 25 Meter vor dem Tor noch mit der Fußspitze an den Ball kam. Fromlowitz war bereits einige Meter aus seinem Tor gekommen und wurde auf dem falschen Fuß erwischt. Der Torwart versuchte seinerseits mit einer Grätsche zu klären. Anders als seinem 1,90 Meter großen Vordermann fehlten dem 1,85-Meter-Keeper aber die entscheidenden Zentimeter. An ihm vorbei trudelte der Ball zum dritten Eigentor des Tages über die Linie. Schulz versuchte, das Dilemma mit Humor zu nehmen: "Ich war heute einer der wenigen, die es nicht geschafft haben, ins eigene Tor zu treffen." Sein Innenverteidiger-Kollege Haggui war für Scherze allerdings zu sehr bedient: "Wenn es nicht so traurig wäre, könnte ich auch drüber lachen."

Dieses Thema im Programm:

NDR 2 Sport | 12.12.2009 | 22:40 Uhr

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