Stand: 18.09.2015 19:16 Uhr

Dustin Brown: So lang man Träume noch leben kann

Dustin Brown debütierte mit 30 Jahren im deutschen Davis-Cup-Team.

Vieles deutete an diesem 20. August darauf hin, dass Dustin Brown seiner Favoritenrolle gerecht werden würde. Mühelos hatte der Tennis-Profi aus Winsen/Aller den ersten Satz seiner Achtelfinal-Partie beim Challenger-Turnier in Meerbusch gegen den Tschechen Marek Michalicka mit 6:2 gewonnen. Hernach jedoch wurden die Handvoll anwesender Zuschauer Zeugen eines unerklärlichen Leistungseinbruchs des 30-Jährigen. Sang- und klanglos verlor der Mann mit den schmalen Armen, dünnen Beinen und den Dreadlocks die folgenden Durchgänge gegen die Nummer 249 der Weltrangliste 3:6, 1:6. Auftritte wie dieser ziehen sich wie ein roter Faden durch die Karriere des in Celle geborenen Sportlers. Sein Spiel schwanke zwischen "gut und dumm", sagt Brown selbst.

Nur 36 Siege auf der ATP-Tour

Der Sohn eines Jamaikaners und einer deutschen Mutter hat in seiner langen Laufbahn selten Konstanz in seine Leistungen bekommen. Gerade einmal 36 Einzelspiele hat der 30-Jährige seit 2003 auf der ATP-Tour gewonnen. Seinen Lebensunterhalt verdiente der Niedersachse primär bei den zweitklassigen Challengerveranstaltungen sowie im Doppel. Stünde es nicht so schlecht um das deutsche Herren-Tennis, würde Brown am Wochenende das Relegationsmatch des Davis-Cup-Teams in Santo Domingo gegen Gastgeber Dominikanische Republik ziemlich sicher vor dem Fernseher oder in einem Internet-Livestream anschauen müssen. Weil Youngster Alexander Zverev jedoch verletzt ist und Routinier Tommy Haas nicht zur Verfügung steht, ruhen nun sogar die Hoffnungen auf dem Paradiesvogel.

"Mein Spiel hat eine große Spanne"

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Häufig zwischen Genie und Wahnsinn: Dustin Brown.

"An guten Tagen kann er jeden schlagen", sagt Teamchef Michael Kohlmann über seinen Debütanten. Mit den "guten Tagen" ist es nun aber so eine Sache bei Brown. Die schlechten Tage überwogen in seiner Karriere. Auf einen Einzeltitel auf der ATP-Tour wartet der Deutsch-Jamaikaner bis heute. Seine größten Erfolge feierte er im Doppel. "Ich muss akzeptieren, dass mein Spiel eine große Spanne hat", sagte der 30-Jährige einst. Sensationssiegen wie dem in diesem Jahr in Wimbledon gegen Rafael Nadal folgten häufig kaum zu erklärende Pleiten wie die gegen Michalicka in Meerbusch.

Kein Geld für einen festen Trainer

Die Herzen des Publikums eroberte das "Stehaufmännchen" aber eigentlich überall auf der Welt. Nicht nur wegen seines authentischen Auftretens und seines Äußeren, sondern auch ob seines unkonventionellen Spielstils. Kaum ein anderer Profi agiert so wild, so unberechenbar, so wenig nachvollziehbar. Asse, gefühlvolle Stopps und tolle Netzangriffe wechseln sich mit Schlägen ab, die mehr an Baseball denn Tennis erinnern. Zuweilen hat es den Anschein, als stehe da ein kleiner Junge auf dem Platz, der einfach nur unbeschwert diesen gelben Filzball ins Nirgendwo dreschen möchte. Seine mangelnde Technik gründet aber keineswegs auf nicht vorhandenem Talent. Brown fehlte jahrelang schlichtweg das Geld, mit einem Trainer an seinem Spiel zu feilen. Hätte der "Rastamann" auf seinem beschwerlichen Weg einen Coach an seiner Seite gehabt, wäre er heute vielleicht ein Top-50-Spieler. So aber rangiert der 30-Jährige aktuell nur auf Platz 86.

Einsatz im ersten Einzel

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Brown überraschte in diesem Jahr in Wimbledon mit dem Sieg gegen Rafael Nadal.

In Anbetracht der vielen bestens ausgebildeten Talente wie Zverev, die derzeit auf die Tour drängen, ist es zumindest zweifelhaft, dass der Winsener noch einmal einen großen Sprung im ATP-Klassement machen kann. Mit der Nominierung für das Davis-Cup-Team aber hat sich sein "Traum" nun auch bereits erfüllt. "Darauf habe ich meine ganze Karriere lang hingearbeitet", sagte Brown. Bundestrainer Kohlmann nominierte ursprünglich Benjamin Becker neben Philipp Kohlschreiber als Einzel-Spieler. Doch Becker musste sein Match kurzfristig wegen einer Krankheit absagen, sodass Brown schon im ersten Einzel zum Einsatz kam. Das Debüt verlief unglücklich: Gegen Victor Estrella Burgos gab es eine Niederlage.

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