Stand: 20.08.2017 22:24 Uhr

DBB-Team in Hamburg mit Licht und Schatten

von Christian Jess, NDR.de
NBA-Star Dennis Schröder (M.) war beim Supercup in Hamburg bester deutscher Spieler.

Auch ein Küsschen für seinen kleinen Neffen Malick vor Spielbeginn brachte kein Glück: NBA-Star Dennis Schröder (Atlanta Hawks) hat mit Deutschlands Nationalmannschaft zum Abschluss des Basketball-Supercups in Hamburg eine derbe Abfuhr kassiert. 56:87 (34:44) hieß es am Ende gegen Turniersieger Serbien. NBA-Neuling Daniel Theis (Boston Celtics) fehlte wegen seiner vorzeitigen Abreise in die USA, Schröder blieb im Gegensatz zu seinen ersten beiden Auftritten ohne entscheidende Wirkung. "Wir müssen auf jeden Fall noch besser werden, deswegen sind wir hier", betonte der 23-jährige Aufbauspieler mit Blick auf die bevorstehende EM. Für Gastgeber Deutschland reichte es bei der zweiten Supercup-Ausgabe in der Hansestadt mit einem Sieg und zwei Niederlagen nur zu Platz drei, hinter Polen und vor dem sieglosen Russland.

Coach Fleming: Turnier hat "großen Wert"

Bundestrainer Chris Fleming zeigte sich in seiner Analyse nach der Pleite gegen den Vizeweltmeister gewohnt realistisch: "Serbien hat heute extrem physisch gespielt. Am Ende sind wir zurecht unter die Räder gekommen. Das ist der Ist-Zustand unserer Mannschaft derzeit", sagte der 47-Jährige. Es gebe Nachholbedarf für sein Team, der bis zum Beginn der Europameisterschaft in Finnland, Israel, Rumänien und der Türkei am 31. August aber noch aufholbar sei, so der US-Amerikaner. Angesichts dieser wichtigen Erkenntnisse habe das Turnier in der Inselparkhalle "großen Wert" gehabt, so Fleming, der früher erfolgreich die Artland Dragons aus Quakenbrück und die Baskets Bamberg betreute.

Superstar Schröder erst überragend, dann müde

Vor allem die gute Integration von Schröder und Theis - beide waren einst in Braunschweig Teamkollegen und erst kurz vor dem Turnier zum Team gestoßen - machte dem Coach nach eigenen Worten Hoffnung. "Beide haben sich gut eingefügt, es herrscht eine gute Chemie in der Mannschaft", sagte Fleming. Spielerisch war davon auf dem Feld jedoch nur selten etwas zu spüren. Schröder führte zwar am ersten Tag das DBB-Team mit 28 Punkten gegen Russland fast allein zum 79:76-Sieg, auch gegen Polen (75:80) war er mit 26 Zählern bester deutscher Werfer. Manchmal aber, so schien es, war der pfeilschnelle Guard zu schnell und zu eifrig für seine eigenen Mitspieler. Zudem verließen sich diese offenbar zu oft auf die Künste des Ausnahmekönners. Ein Umstand, der im letzten Spiel mitentscheidend war - Schröder kam nur auf 16 Punkte und leistete sich zudem sechs Ballverluste. Schon zuvor hatte Fleming erkannt, dass sein Topstar nach einer Pause wegen einer Entzündung zwischen den Zehen "müde" aussah. Doch ohne Schröder geht es nicht. "Ich glaube nicht, dass wir die Last, die er tragen muss, groß umverteilen können", sagte der Coach.

Viele personelle Fragezeichen vor EM

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DBB-Coach Chris Fleming war wegen vieler Absagen zum Improvisieren gezwungen.

Wäre Fleming weniger Realist und mehr Träumer, könnte er sich theoretisch auch diese deutsche Mannschaft mit Medaillenchancen bei der EM vorstellen: Neben Schröder und Theis die weiteren NBA-Profis Paul Zipser (Chicago Bulls), Dirk Nowitzki und Maximilian Kleber (Dallas Mavericks), dazu mit Tibor Pleiß (Valencia) und Maik Zirbes (Bayern München) zwei wuchtige Center und mit Niels Giffey (Alba Berlin) und Heiko Schaffartzik (Nanterre/Frankreich) zwei wurfstarke Aufbau- und Flügelspieler. Die sieben Letztgenannten fehlen jedoch aus diversen Gründen, zudem sind die beiden Spanien-Legionäre Johannes Voigtmann (Vitoria) und Kapitän Robin Benzing (Saragossa) angeschlagen. Benzing verletzte sich gleich im ersten Supercup-Spiel am Knie, sein EM-Einsatz ist fraglich. So muss Fleming bei seinem letzten großen Turnier als Bundestrainer mit der Realität klarkommen und hoffen, dass seine jungen Spieler schnell genug Erfahrung sammeln. Immerhin gab es neben Schröder mit dem 23-jährigen Johannes Thiemann (Ludwigsburg), dem erst 19 Jahre alten Riesentalent Isaiah Hartenstein (früher Quakenbrück, jetzt gedraftet vom NBA-Club Houston Rockets) und dem 22-jährigen Lokalmatadoren Ismet Akpinar (spielt jetzt für Ulm) weitere Lichtblicke in Hamburg.

"Hamburg ist eine Basketball-Stadt"

Trotz des mäßigen Abschneidens des eigenen Teams darf der Deutsche Basketball-Bund, der den Supercup für zwei Jahre fest nach Hamburg vergeben hat, das Turnier insgesamt als Erfolg werten. Gut 8.500 Zuschauer sahen an drei Tagen teilweise hochklassigen Basketball, auch wenn mit Milos Teodosic (Los Angeles Clippers) bei Serbien und Marcin Gortat (Washington Wizards) bei Polen zwei NBA-Stars fehlten. Daneben sorgten das Dance Team von Hausherr Hamburg Towers, diverse Einlagespiele und DBB-Adler-Maskottchen "Arnold" als Dauer-Spaßvogel für Stimmung in der Halle. Auch organisatorisch lief nach anfänglichen Schwierigkeiten am Freitag alles reibungslos. Noch-Bundestrainer Fleming würde sich nach eigener Aussage freuen, wenn hochklassiger Basketball in der Hansestadt auf Dauer Fuß fassen würde: "Hamburg ist eine Basketball-Stadt, das habe ich schon während meiner aktiven Karriere gemerkt." Wer im kommenden Jahr in der Inselparkhalle auf Korbjagd geht, steht nach DBB-Angaben noch nicht fest.

Dennis Schröder: Aus Braunschweig in die NBA

Dieses Thema im Programm:

Sportplatz | 20.08.2017 | 18:05 Uhr

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