Stand: 05.12.2016 12:26 Uhr

Der Fall Gutknecht: Tragisch oder fahrlässig?

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Profiboxer Eduard Gutknecht (l.) im Kampf mit George Groves .

Der Fall Eduard Gutknecht: Tragisches oder fahrlässig in Kauf genommenes Unglück? Diese Frage stellen sich viele, seit der Gifhorner Boxprofi nach seinem Kampf am 18. November in London gegen den Briten George Groves ins Krankenhaus gebracht wurde. Die Ärzte stellten eine schwere Hirnverletzung fest und versetzten den 34-Jährigen in ein künstliches Koma. "Der Zustand von Eddi ist stabil. Er ist jetzt nach Deutschland transportiert worden, liegt immer noch im Koma", berichtet Gutknechts Manager Winfried Spiering dem NDR. "Wir hoffen alles das Beste, aber wir müssen abwarten." Gutknecht liegt in Hannover im Krankenhaus.

Ringarzt Goetz: Nach dem Cut "mehr Opfer als Gegner"

Musste es soweit kommen? Hätte der Kampf, in dem Gutknecht nach seiner Cut-Verletzung am rechten Auge aus der neunten Runde heillos unterlegen war, vom Ringrichter oder Trainer abgebrochen werden müssen? "Ein Abbruch wäre zumindest gerechtfertigt gewesen", sagt Dr. Christoph Goetz. Der Hamburger Neurochirurg und Ringarzt hat sich den Kampf angesehen. "Der Cut hat seine Situation dramatisch verschlechtert. Er hat praktisch überhaupt nicht mehr reagiert und war dann mehr Opfer als Gegner." Gutknecht hielt allerdings über die volle Distanz durch, verlor klar nach Punkten. "Er war in jeder Runde ansprechbar. Wir haben hinterher noch im Ring und in der Kabine gesprochen, da hat er gesagt: 'Mensch, in der zehnten Runde habe ich mich noch so super gefühlt'", so Spiering.

"Man kann niemandem einen Vorwurf machen"

Die tragischen Folgen seien nicht abzusehen gewesen, sagt Goetz. "Man hatte zu keinem Zeitpunkt den Eindruck, dass er angeschlagen war. Beim besten Willen denkt man nicht, dass sich da eine schwere Hirnverletzung anbahnt", so der 56 Jahre alte Chefarzt der Asklepios Klinik Harburg. "Man kann niemandem einen Vorwurf machen. Am Ende bleibt Boxen eine gefährliche Sportart."

Noch einmal die Weltspitze knacken

Gutknecht, den alle Weggefährten als äußerst ehrgeizigen Boxer beschreiben, hätte einen vorzeitigen Abbruch wohl als Allerletzter gewollt. Der Kampf gegen Grove um den internationalen WBA-Titel im Supermittelgewicht war für den Gifhorner so etwas wie die letzte Chance. "Es war ein Traum für ihn, nochmal die Weltspitze zu knacken. Er wollte den Kampf unbedingt", sagt Spiering, hält inne und fügt hinzu: "Leider hat es nicht geklappt."

Erstversorgung, Klinikbehandlung und die Überführung nach Deutschland sind versichert. Aber wie es mit den Kosten für eine mögliche Weiterversorgung aussieht, ist derzeit völlig unklar. Klar ist lediglich, dass der Vater von drei Kindern nie wieder Boxen wird.

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 04.12.2016 | 22:50 Uhr

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