Stand: 03.05.2013 09:32 Uhr

1988: Werder holt sich den verdienten Lohn

Wie 1965 wurden die Bremer auch 1988 dank einer starken Abwehr deutscher Meister. Diesmal aber war der Titel keine Sensation, Werder gehörte seit Jahren zu den Top-Teams der Liga.

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Werder Bremens Trainer Otto Rehhagel präsentiert 1988 die Meisterschale.

Der 3. Mai 1988 ist einer der wichtigsten Tage in der Geschichte von Werder Bremen. Seinerzeit siegten die Hanseaten mit 1:0 (0:0) bei Eintracht Frankfurt und wurden bereits am 31. Spieltag zum zweiten Mal in der Vereinshistorie deutscher Meister. Ein Triumph, mit dem Werder das Image des "ewigen Zweiten" abstreifte - und der das Startsignal für die erfolgreichsten zwei Jahrzehnte der Clubgeschichte mit insgesamt neun Titeln bis 2009 bedeutete. Nur Bayern München hat in dieser Zeit mehr Trophäen gesammelt.

Zuvor drei Vizemeisterschaften in fünf Jahren

Seit dem Wiederaufstieg in die Bundesliga 1981 hatte Werder die Bundesliga bereits dreimal als Vizemeister abgeschlossen - 1983 und 1986 sogar nur aufgrund der schlechteren Tordifferenz. Ein besonderer Tiefschlag war dabei das Saisonfinale 1986, als Michael Kutzop gegen Bayern München mit einem verschossenen Elfmeter die Vorentscheidung verpasste. Und so überrascht es nicht, dass die Bremer Fans auch 1988 das Schlimmste befürchteten, obwohl Werder vier Spieltage vor Saisonende über einen komfortablen Vorsprung von sechs Punkten auf Verfolger 1. FC Köln verfügte. Schließlich mussten die Grün-Weißen unter anderem noch in Frankfurt und Köln sowie zu Hause gegen den HSV spielen.

Partystimmung am Saisonende verhindert "ewigen Rekord"

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Die Abwehrrecken mit der Meisterschale: Thomas Schaaf (v.l.), Thomas Wolter und Gunnar Sauer.

Dann sah Frank Neubarth am 31. Spieltag bei der Eintracht auch noch nach 67 Minuten die Rote Karte. Also wieder eine Zitterpartie? Doch Werder zerstreute kurz darauf die Horrorszenarien der Fans: Karl-Heinz Riedle versenkte den Ball zum Bremer Siegtreffer (70.) im Frankfurter Tornetz - der Titel war unter Dach und Fach. Bereits zum 19. Mal blieben die Norddeutschen in der laufenden Spielzeit ohne Gegentreffer. Am Saisonende hatten die Schützlinge von Meistertrainer Otto Rehhagel gerade einmal 22 Tore kassiert - sieben davon als sicherer Meister in den letzten drei Spielen. Ein Bundesligarekord, der erst 2007/08 durch Bayern München (21) gebrochen werden sollte.

Rudi Völlers Abgang durch Karl-Heinz Riedle kompensiert

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Rehhagel (M.) mit seinen Neuzugängen Uli Borowka (l.) und Karl-Heinz Riedle im Sommer 1987.

In der Defensive spielten 1987/88 mit Torhüter Oliver Reck sowie Kutzop, Thomas Schaaf, Jonny Otten, Uli Borowka, Gunnar Sauer und Rune Bratseth allesamt Spieler, die Werder über viele Jahre prägten. Aber nicht nur die Abwehr um Libero Bratseth war ein Prunkstück. Auch die Offensive hatte trotz des Abgangs von Rudi Völler für 7,5 Millionen DM zum AS Rom viel zu bieten. Im Mittelfeld zogen Günter Hermann und Norbert Meier die Fäden. Und im Angriff erwies sich der Völler-Nachfolger Riedle als Top-Verstärkung. Der kopfballstarke Mittelstürmer erzielte 18 Tore, sein Partner Frank Ordenewitz durfte 15 Mal jubeln. Rehhagel hatte eine Spitzenmannschaft geformt, die sich im Sommer 1988 den verdienten Lohn für die Arbeit der vergangenen Jahre abholte.

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 03.03.2013 | 22:45 Uhr

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