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Uwe Seeler mit HSV-Fahne © dpa
 

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Michael Westphal: Ein Schattendasein

von Johannes Freytag, NDR.de

Tennis-Profi Michael Westphal © picture-alliance Detailansicht des Bildes Michael Westphal in Höchstform: Im legendären Davis-Cup-Halbfinale 1985 ringt er Tomas Smid nieder. Ein Tennisball tanzt in Zeitlupe auf der Netzkante: Auf welche Seite wird er fallen? Wie entscheidet sich das Schicksal? Alle Optionen hängen für den Bruchteil einer Sekunde in der Schwebe. So beginnt der Kinofilm "Matchpoint" von Woody Allen. Für den deutschen Tennisprofi Michael Westphal fiel der Ball nur selten auf die richtige Seite - der am 19. Februar 1965 geborene Pinneberger wurde nur 26 Jahre alt. Die Geschichte eines viel zu kurzen Sportlerlebens.

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Tennis-Profi Michael Westphal. Aufnahme aus dem Jahr 1986 © picture-alliance
 
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Der Stern des Tennisspielers Michael Westphal ging früh auf. Eine glanzvolle Karriere blieb dem Pinneberger aber verwehrt. Im Alter von nur 26 Jahren verstarb er. Die Todesursache blieb lange geheim.

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Mit 15 Jahren Junioren-Europameister

Michael Westphal beginnt erst spät mit dem Tennissport: Im Alter von neun Jahren fängt er bei Klipper Hamburg an. Der Club spielt in der erst 1972 gegründeten Tennis-Bundesliga und hat jetzt mit Westphal eines der größten deutschen Tennis-Talente in seinen Reihen: 1980 wird der Teenager Junioren-Europameister, ein Jahr später gewinnt er das Challenger-Turnier von Travemünde. Nach der Mittleren Reife verlässt Westphal die Schule und entscheidet sich für die Profi-Tour. Um Erfahrungen zu sammeln, reist er von Turnier zu Turnier. Außerdem wechselt er seinen Verein und spielt für den mehrfachen deutschen Meister Blau Weiss Neuss. 1983 ist der Schleswig-Holsteiner die Nummer eins der deutschen Herren-Rangliste.

Becker-Boom als Karriereknick

Michael Westphal © Witters Fotograf: Witters Detailansicht des Bildes 1983 ist Michael Westphal laut nationaler Rangliste bester deutscher Tennisprofi. Es läuft weiter ganz ordentlich: In Livingston (1984) und Kitzbühel (1985) erreicht der Youngster die Endspiele, in München und Toulouse (beides 1984) jeweils das Halbfinale. Respektable Ergebnisse für einen Jungprofi aus einem Land, das zu der Zeit nicht gerade mit Tennisgrößen gesegnet ist. "Die Deutschen wollen endlich einen Weltklassespieler. Ich will ihnen den Gefallen tun", hatte der Pinneberger als 18-Jähriger selbstbewusst erklärt. Das Schicksal schlägt jedoch erbarmungslos zu und lässt erstmals den Ball auf die falsche Seite des Netzes fallen: Am 7. Juli 1985 gewinnt ein 17 Jahre alter ungesetzter Spieler als erster Deutscher und als jüngster Sieger das bedeutendste Tennisturnier der Welt in Wimbledon: Boris Becker stürmt den deutschen Tennisthron, entfacht einen Boom in Deutschland und erstickt mit seiner Popularität förmlich alle anderen deutschen Spieler. Auch Westphal wird in den Schatten gedrängt.

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