Michael Stich auf dem Tennis-Olymp: Im rein deutschen Wimbledon-Finale schlug der Norddeutsche 1991 seinen Dauerrivalen Boris Becker mit 6:4, 7:6, 6:4.
Seit dem Triumph des gebürtigen Pinnebergers hat im Herren-Einzel kein deutscher Profi mehr den Titel auf dem "heiligen Rasen" gewinnen können.
Noch einmal stand Stich in Wimbledon ganz oben auf dem Treppchen: 1992 triumphierte er an der Seite von John McEnroe über das US-amerikanische Duo Richey Reneberg/Jim Grabb. Im historischen Endspiel setzten sich der Deutsche und der ehemalige Weltranglistenerste aus den USA mit 19:17 im entscheidenden fünften Satz durch.
Freunde wurden sie nie. Von gegenseitigem Respekt in ihrem Sport sprachen Boris Becker und Michael Stich aber gerne, wenn es um ihr Verhältnis ging. Dass das für manch hochgestecktes Ziel ausreicht, zeigten die deutschen Ausnahmekönner 1992 in Barcelona.
Das Duo startete bei den Olympischen Sommerspielen in der katalanischen Metropole im Doppel - und holte Gold.
1993 spielte Stich ein ganz starkes Jahr. Bei der ATP-Weltmeisterschaft in Frankfurt/Main bezwang er im vielleicht besten Match seiner Karriere im Finale Pete Sampras in vier Sätzen. Er krönte damit eine Saison, in der er sechs Turniere gewann und die er als Weltranglistenzweiter abschloss.
Ebenfalls 1993 führte der Hamburger das deutsche Davis-Cup-Team zum Sieg. Im Finale in Düsseldorf bezwangen Stich & Co. Australien mit 4:1. Stich ist der herausragende Mann im deutschen Team, steuert drei der vier Punkte zum Sieg bei. Er gewinnt seine beiden Einzel und auch das Doppel zusammen mit Patrick Kühnen (Bild).
1994 erreichte Stich bei den US Open sein zweites Grand-Slam-Finale und scheiterte am späteren Weltranglistenersten Andre Agassi.
Zu den Stärken des Serve-and-Volley-Spielers zählten sein harter, präziser Aufschlag, sein gefühlvolles Volleyspiel und seine technisch perfekte einhändige Rückhand. Sein enormes Ballgefühl zeigte sich auch bei seinen effektiven Stoppbällen. An guten Tagen konnte der Norddeutsche jeden schlagen. Insgesamt gewann er 18 Einzeltitel. Gleich zweimal gelangen ihm Turniersiege auf vier verschiedenen Bodenbelägen innerhalb eines Kalenderjahres (1991 und 1993).
1996 schaffte es Stich ins Finale der French Open. Dort unterlag er dem Russen Jewgeni Kafelnikow in drei Sätzen, war allerdings 94 Tage nach einer Knöcheloperation selbst überrascht, so weit gekommen zu sein.
Immer wieder machten ihm jedoch Verletzungen zu schaffen. Bereits 1997 - im Alter von gerade einmal 29 Jahren - beendete Stich nach einer dramatischen Fünfsatz-Niederlage im Wimbledon-Halbfinale gegen den Franzosen Cedric Pioline seine erfolgreiche Profi-Laufbahn.
Vom Hamburger Publikum verabschiedete sich Michael Stich im Mai 1997. Das Traditionsturnier am Rothenbaum hatte der Lokalmatador 1993 gewinnen können und sich damit einen Kindheitstraum erfüllt. Im Vorjahr hatte Stich noch das Finale verloren.
Das Turnier in Hamburg wartet immer noch auf einen deutschen Sieger nach Stich. Der im schleswig-holsteinischen Elmshorn aufgewachsene Athlet - hier mit seiner ersten Ehefrau Jessica Stockmann, die er 1992 heiratete - hat als einziger deutscher Profi alle in Deutschland stattfindenden Tennis-Turniere im Laufe seiner Karriere gewinnen können.
1994 und damit schon während seiner aktiven Karriere gründete Stich eine nach ihm benannte gemeinnützige Stiftung, die sich für HIV-infizierte und an AIDS erkrankte Kinder einsetzt.
Für seine ehrenamtliche Arbeit wurde Stich 2008 mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet.
2002 übernahm Stich für ein Jahr die Funktion des Davis-Cup-Teamchefs. Er beerbete Carl-Uwe Steeb.
Auch am Rothenbaum folgte Stich "Charly" Steeb als Turnierdirektor nach. Das 2009 von der ATP zurückgestufte 500er-Turnier soll unter seiner Regie trotz aller Widrigkeiten eine Zukunft haben.
Um die Attraktivität des finanziell notorisch klammen Events in der Hansestadt zu erhöhen, gab Stich 2009 sogar ein kurzes Comeback: Zwölf Jahre nach seinem letzten Profimatch trat er mit dem 19 Jahre jüngeren Lokalmatador Mischa Zverev in der Doppelkonkurrenz des ATP-Turniers an. Das Duo scheiterte aber gleich zum Auftakt klar.
Privates Glück: Am 10. Juni 2005 heiratete Stich in Keitum auf Sylt Alexandra Rikowski.
Auf dem Court macht der HSV-Fan weiterhin eine gute Figur. Regelmäßig ist er bei der Seniors Tour am Start.