Der am 18. April 1947 in Lüssow (Kreis Greifswald) geborene Fritz Sdunek ist - gemessen an der Zahl der Erfolge - der erfolgreichste deutsche Boxtrainer. Er selbst kam mit 17 Jahren zum Boxen, schaffte es bis in den olympischen Perspektivkader der DDR. Am Ende seiner aktiven Karriere standen 129 Kämpfe, von denen er 99 gewann.
In der DDR führte er im Amateurbereich zahlreiche Boxer des SC Traktor Schwerin zu Titeln. 19 Titel und Medaillen erkämpften seine Schützlinge bei Olympia und internationalen Meisterschaften. Krönung war der Olympiasieg durch Andreas Zülow 1988 in Seoul. Nach der Wiedervereinigung arbeitete er anfangs im Amateurbereich und war zwischen 1993 und 1994 Bundestrainer.
1991 führte der Diplomsportlehrer Dariusz Michalczewski als Leverkusen-Trainer zum EM-Titelgewinn. Dennoch suchte er eine neue Herausforderung und trainierte schließlich parallel die holländische Nationalmannschaft, bevor er sich für eine vollkommen neue Aufgabe entschied: Er wechselte ins Profilager und wurde Cheftrainer bei Universum, wo er den "Tiger" wiedertraf und ab Herbst 1994 coachte.
"Hier ist Spitzensport möglich, wie ich ihn kannte und wollte", war der Mecklenburger bei Universum zufrieden. Bis zu acht Boxer standen täglich in der Zeit zwischen 7.30 Uhr und 19.30 Uhr bei ihm im Training. In den ersten vier Jahren bei Universum als Profi-Coach bewohnte er mit seiner Frau die Hausmeister-Wohnung neben dem Gym.
Zu Sduneks Schützlingen zählten ab 1997 auch die Brüder Vitali (Bild) und Wladimir Klitschko. Seine Fähigkeit, sich in jeden seiner Boxer hineinversetzen zu können, die individuellen Stärken herauszufinden und daran besonders zu arbeiten, wurde sehr schnell publik. Bald wurde er zum Cheftrainer befördert.
Sdunek galt immer als Trainer mit zwei Herzen in der Brust. Zum einen stand er für ein umfassendes, konsequentes, hartes Training und absolute Disziplin, andererseits aber zeigte er häufig eine fast väterliche Fürsorge für seine Boxer.
1995 holte Sdunek mit Ralf Rocchigiani (Cruisergewicht, im Bild links) sensationell den Profi-Weltmeistertitel zu Universum. Danach formte er in regelmäßigen Abständen neue Titelträger. Michalczewski (Halbschwergewicht) verteidigte seinen WM-Titel (WBO) neun Jahre lang erfolgreich, ehe er ihn gegen Julio González aus Mexiko verlor.
Auch den Usbeken Artur Grigorian (Leichtgewicht) führte der Trainer über viele Jahre zu zahlreichen Titelverteidigungen. Im Januar 2004 wurde der von Sdunek betreute Ungar Zsolt Erdei (Bild) im Halbschwergewicht neuer WBO-Weltmeister. Bevor der Ungar 2009 ins Cruisergewicht wechselte, konnte er den Titel neunmal verteidigen.
Acht Jahre dauerte die Zusammenarbeit mit den Klitschkos bereits, da entschied sich Wladimir Klitschko (Bild) für einen neuen Coach. Sdunek war enttäuscht, respektierte die Entscheidung aber.
Die Zusammenarbeit mit Vitali Klitschko ging erfolgreich weiter - und dauert bis heute an. "Das größte Talent, das ich je hatte", sagt Sdunek über den Ukrainer.
Über Jahre hatte Sdunek Raubbau an seinem Körper betrieben. Im Frühjahr 2007 erhielt er die Diagnose Hautkrebs. Nach einer sechswöchigen Bestrahlungstherapie wurde er als geheilt geltend entlassen. Rund ein Jahr später folgte ein Herzinfarkt. Die nachfolgende Operation hatte er kaum überstanden, da war er bereits wieder in seinem Trainingscamp.
Bei Universum waren die finanziellen Hochzeiten vorbei, die Sdunek-Ära beim Hamburger Boxstall endete wegen "Sparmaßnahmen", aber auch angeblich wegen seiner Gesundheit. Er fungierte dort zunächst weiterhin als freier Trainer, nach einer Hüftoperation im Frühjahr 2010 beendete Universum die Zusammenarbeit. Er betreute fortan Felix Sturm (Bild) und Vitali Klitschko.
Als Sdunek (im Bild mit Alexander Dimitrenko) Universum verließ, konnte er auf 117 WM-Kämpfe zurückblicken, davon 99 Siege.
Zwölf Profi-Weltmeister gingen durch seine Schule. Die bekanntesten waren die Klitschkos, Juan Carlos Gomez, Zsolt Erdei und Sturm.
Bei all diesen Erfolgen blieb der ausgebildete Ingenieur für Landwirtschafts- und Traktorentechnik (im Bild mit Sebastian Zbik) ein bescheidener Mensch, für den das Wohl seiner Boxer immer an vorderster Stelle stand.