Willi Schulz ist bereits ein etablierter Nationalspieler, als er 1965 von Schalke 04 zum Hamburger SV wechselt. Beim HSV ist Schulz in den folgenden acht Jahren der unumstrittene Abwehrchef.
Sein erstes Länderspiel bestreitet der Defensiv-Spezialist am 20. Dezember 1959 in Hannover gegen Jugoslawien. 1962 gehört er bei der Weltmeisterschaft in Chile zum deutschen Team.
Der internationale Durchbruch gelingt Schulz 1966 bei der WM in England. Als knallharter "Ausputzer" hat er großen Anteil am Final-Einzug der DFB-Elf. In Anlehung an das offizielle Maskottchen erhält Schulz den Spitznamen "World-Cup-Willi".
Im Finale gegen England gehört Schulz natürlich zur Startelf. Hier klärt der HSV-Verteidiger gegen Roger Hunt.
Tor oder kein Tor? Auf jeden Fall die wohl bekannteste Szene der Fußball-Geschichte. Es steht 2:2, als Geoff Hurst in der Verlängerung den Ball an die Latte schießt.
Schulz signalisiert, dass der Ball nicht im Tor war. Die Engländer sehen das anders und jubeln über den vermeintlichen Treffer. Nach langen Diskussionen entscheidet Schiedsrichter Gottfried Dienst aus der Schweiz auf Tor. Hurst erzielt kurz vor dem Ende seinen dritten Treffer, England ist Weltmeister.
Schulz wird in seiner Karriere zweimal in die Weltauswahl berufen und führt die deutsche Nationalmannschaft 20 Mal als Kapitän an.
Trotzdem hat er seinen Platz in der deutschen Auswahl bei der WM 1970 nicht mehr sicher. In Mexiko spielt Schulz in der Vorrunde gegen Marokko, kommt dann aber erst im Viertelfinale gegen England wieder zum Einsatz.
Die Partie wird wie das Finale vier Jahre zuvor ein Klassiker. Deutschland siegt nach 0:2-Rückstand noch mit 3:2 nach Verlängerung. Uwe Seeler erzielt seinen berühmten Hinterkopf-Treffer, Gerd Müller sorgt für die Entscheidung. Bundestrainer Helmut Schön freut sich mit Keeper Sepp Maier und Schulz.
Doch es gibt noch eine Steigerung. Das Halbfinale gegen Italien geht als "Jahrhundertspiel" in die Geschichte ein. In der 90. Minute gleicht Karl-Heinz Schnellinger zum 1:1 aus, die Verlängerung ist ein aberwitziger Schlagabtausch. Deutschland muss sich mit 3:4 geschlagen geben. Für Schulz ist das 66. auch das letzte Länderspiel. Drei Jahre später beendet er seine aktive Karriere.
Wiedersehen mit Pele: Bei einer Gala in Berlin posieren Schulz und Schlagersänger Tony Marshall mit Brasiliens Superstar. "Das Leben könnte so schön sein, wenn es diesen säbelbeinigen Schulz nicht gäbe", soll Pele einst über seinen hartnäckigen Gegenspieler gesagt haben.
Seit 1964 ist Schulz mit seiner Frau Ingrid verheiratet. Das Paar hat zwei Kinder.
Zur Ruhe kommt Schulz nach seinem Karriere-Ende nicht. Als selbstständiger Versicherungskaufmann hat er auch außerhalb des Fußballs beruflichen Erfolg. Beim HSV sitzt er zwischen 2004 und 2009 im Aufsichtsrat.