Sport-Idole des Nordens - Legenden
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Seit 1972 Mitglied bei Werder Bremen: Thomas Schaaf.
Das Aus für Thomas Schaaf nach 14 Jahren als Cheftrainer bei Werder Bremen markiert das Ende einer Ära: Seit seinem elften Lebensjahr ist er Mitglied im SV Werder Bremen - erst als Spieler, dann als Trainer, inzwischen sind es mehr als 40 Jahre. Viele Bremer hielten seinen Abschied für nicht vorstellbar - jetzt ist er Realität. Dabei ist Schaaf kein typischer Norddeutscher, geboren wurde er in Mannheim. Bis er 18 Jahre alt war, spielte Schaaf in der Bremer Jugend, anschließend schaffte er den Sprung in die Profimannschaft. Er war ein Allroundtalent, konnte in der Abwehr auf allen Positionen spielen und auch im Mittelfeld eingesetzt werden. Innerhalb der Mannschaft übernahm er den Posten des Antreibers, des ehrgeizigen "Arbeitstiers". Seine Bilanz kann sich sehen lassen: Insgesamt absolvierte er im Werder-Trikot 262 Bundesligaspiele und 19 Einsätze in der Zweiten Liga. Zwei Mal gewann er jeweils die deutsche Meisterschaft und den DFB-Pokal und er holte mit Werder 1992 den Europapokal der Pokalsieger.
Schaaf, der im Jahr 1993 eine Ausbildung zum Fußballlehrer an der Deutschen Sporthochschule in Köln absolvierte, trainierte während seiner Zeit als Profispieler auch sieben Jahre lang eine Bremer Jugendmannschaft, bevor er zum Trainer der Amateurmannschaft aufstieg. Seit 1999 coachte Schaaf die Profimannschaft und war damit lange der dienstälteste Coach der Bundesliga, auch wenn er die Bestmarke von Otto Rehagel verfehlte. "Ich kann mich sehr gut mit Werder Bremen identifizieren und die Dinge deshalb auch gut angehen", beschrieb Schaaf seine Motivation.
Trainerwechsel, mangelnde Motivation, sportlich erfolglos - im Jahr 1999 drohte Werder Bremen drei Spieltage vor Saisonende der Abstieg. Nachdem Felix Magath als Trainer zurückgetreten war, übernahm Schaaf den Posten. Seine Aufgabe: Die Werder-Elf vor dem Absturz in die Zweite Liga retten. Vor allem die Medien waren skeptisch, ob der bis dato unerfahrene Jungtrainer sein Ziel erreichen würde. "Kann der Neue noch was retten?", titelte die "Bild"-Zeitung. Doch der damals 38-Jährige legte einen Traumstart hin. Er sicherte mit der Mannschaft nach drei Siegen in Serie nicht nur die Klasse, sondern holte einen Monat später auch den DFB-Pokal an die Weser. Durch diesen Sieg wurde Schaaf der erste Trainer, der den Pokal auch schon als Spieler gewonnen hatte.
Die Unterzeichnung eines langfristigen Vertrags im Juli 1999 war nach dieser Erfolgsserie nicht verwunderlich. Um Schaaf zur Seite zu stehen, wurde Klaus Allofs als neuer Sportdirektor verpflichtet. Von da an schrieb der Verein eine Erfolgsgeschichte, nicht zuletzt wegen des guten Verhältnisses zwischen Allofs und Schaaf: "Bei Thomas war mir von Anfang an klar, dass wir uns nicht in die Quere kommen", erzählte Allofs einmal der "FAS".
Trainer und Sportdirektor bauten an der Weser kontinuierlich eine Bundesliga-Spitzenmannschaft auf. 2004 war Werder auf dem Höhepunkt. Das Team wurde Meister und später auch DFB-Pokalsieger. In der Champions League sind die Hanseaten anschließend Dauergast. Ewig hielt die Erfolgsserie jedoch nicht. 2011 geriet Werder in Abstiegsgefahr, auch ein Jahr später war die Mannschaft nur Mittelmaß. Und im Oktober desselben Jahres war das Erfolgsduo Schaaf/Allofs Geschichte. Der Manager verließ Bremen und ging zum VfL Wolfsburg. Seit dem 15. Mai 2013 ist auch die Ära Schaaf in Bremen zu Ende.