Stand: 03.02.2013 15:26 Uhr
Benno Möhlmann: Spieler, Trainer, Funktionär
von Florian Neuhauss, NDR.de
Benno Möhlmann (M.) gab bei Werder neun Jahre lang den Takt im Mittelfeld an.
Die Statistik weist Benno Möhlmann als deutschen Meister aus - und doch blieb die Spielerkarriere des Niedersachsen unvollendet. "Ich fühle mich nicht als Meister", sagt der Ex-Profi von Werder Bremen und heutige Trainer des FSV Frankfurt NDR.de. "Schließlich habe ich in der Saison nur eine gute halbe Stunde für Werder gespielt." Seit dem Bundesliga-Aufstieg 1981 gehörten die Hanseaten zur Spitzengruppe. Zweimal belegten die Bremer um Kapitän Benno Möhlmann Rang fünf, gleich dreimal holten sie die Vizemeisterschaft. Den größten Erfolg der Vereinsgeschichte seit 1965 erlebte Möhlmann aber nur aus der Distanz: Ab dem 13. Spieltag der Saison 1987/1988 kickte der Mittelfeldspieler, zuvor unter Otto Rehhagel kaum noch eingesetzt, nämlich für den Nordrivalen HSV. Und während die "Rothosen" am Ende Sechster wurden, feierte Werder die zweite Meisterschaft der Vereinsgeschichte, an der Möhlmann eben mit ein paar Minuten Spielzeit beteiligt war. Ein halbes Jahr später beendete er seine aktive Karriere. Möhlmann blieb dem Fußball aber stets erhalten und feierte am Sonntag ein beeindruckendes Jubiläum. Der heutige Coach des FSV Frankfurt wurde mit seinem 420. Einsatz Zweitliga-Rekordtrainer und absolvierte zugleich nach der Statistik des "kicker" sein 1000. Spiel im Profi-Fußball. Seine Mannschaft trübte das Jubiläum jedoch mit einer 0:2-Niederlage gegen Ingolstadt.
Benno Möhlmanns Karriere in Bildern
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Die Bilanz von Benno Möhlmann ist beeindruckend: Insgesamt knapp 1.000 Spiele hat er als Profi-Fußballer und Trainer in der Ersten und Zweiten Liga absolviert. Am 3. Februar wird er als Coach des FSV Frankfurt mit seinem 420. Spiel als Trainer in Liga zwei neuer Rekordhalter.
Möhlmann wird am 1. August 1954 im niedersächsischen Lohne geboren. Seine ersten Schritte im Profi-Fußball macht er bei Preußen Münster. Für die Münsteraner absolviert der Jungspund 150 Zweitliga-Partien und erzielt 27 Tore.
Der Mittelfeldspieler überzeugt mit starken Leistungen und wechselt im Sommer 1978 in die Bundesliga zu Werder Bremen. An der Weser fasst der Neuzugang schnell Fuß und erlebt Tiefen (Abstieg 1980) und Höhen (Aufstieg 1981, Vizemeisterschaft 1983, 1985, 1986).
Doch den seit langem größten Erfolg der Vereinsgeschichte bekommt Möhlmann (r.) nur aus der Entfernung mit. Nach einem Saisonspiel wechselt der mittlerweile 33-Jährige zum Nordrivalen nach Hamburg. Während Werder die Meisterschaft feiert, wird der Möhlmann mit dem HSV Sechster.
Nach 267 Bundesliga-Spielen für die Grün-Weißen kommen an der Elbe allerdings nur noch 25 hinzu. Am 3. Oktober 1988 absolviert der Mittelfeldmotor unter Willi Reimann sein letztes Spiel.
Möhlmann schlägt nach der aktiven Karriere die Trainerlaufbahn ein. Im Sommer 1990 steigt er als Co-Trainer beim HSV ein und übernimmt die Amateure für zwei Jahre, bis ...
... in der Anfangsphase der Saison 1992/1993 seine große Stunde schlägt. Egon Coordes muss seinen Hut nehmen und Möhlmann (r.) übernimmt den Cheftrainerposten bei den Profis. Nach drei Jahren im Tabellenmittelfeld muss der Coach allerdings in der Spielzeit 1995/1996 nach dem achten Spieltag als Tabellenvorletzter gehen.
Zunächst wechselt Möhlmann in die Regionalliga Nord zu Eintracht Braunschweig. Mit den "Löwen" verpasst er jedoch zweimal als Vizemeister den direkten Aufstieg in die Zweite Liga.
Mit seinem Wechsel 1997 zur SpVgg Greuther Fürth verlässt der Trainer Möhlmann erstmals den Norden. Beim "ewigen Zweitligisten" Fürth heuert er insgesamt dreimal an, der "ewige Zweitliga-Trainer" schafft mit den Fürthern jedoch nicht den Sprung in die Bundesliga.
Möhlmanns vierter Verein ist Arminia Bielefeld - und was dem Coach zuvor nirgends gelang, schafft er auf der Bielefelder Alm: In seinem zweiten Jahr als Coach der Ostwestfalen steigt die Arminia in die Bundesliga auf.
Der Höhenflug ist allerdings nur ein kurzer. Auf die ausgiebige Feier folgt der harte Fall, im Sommer 2003 ist der direkte Wiederabstieg besiegelt. Im Februar 2004 verlässt Möhlmann Bielefeld.
Nach erneuten Jobs in Fürth, Braunschweig und noch einmal Fürth folgt die erste längere Auszeit seiner Karriere. Zehneinhalb Monate vergehen, bevor Möhlmann im November 2010 Cheftrainer in Ingolstadt wird. Bei den Bayern läuft es aber nicht rund. Nach genau einem Jahr muss er wieder gehen.
Doch keine zwei Monate später hat Möhlmann einen neuen Job. Den FSV Frankfurt führt er 2012 souverän zum Klassenerhalt.
FSV und Möhlmann - das passt. In Frankfurt macht er an der Seitenlinie und abseits des Platzes eine gute Figur (hier beim FSV-Mannschaftskochen mit Stargast Reiner Calmund). Der Lohn ist im Dezember 2012 die Vertragsverlängerung bis 2014.
FSV und Möhlmann - das passt. In Frankfurt macht er an der Seitenlinie und abseits des Platzes eine gute Figur (hier beim FSV-Mannschaftskochen mit Stargast Reiner Calmund). Der Lohn ist im Dezember 2012 die Vertragsverlängerung bis 2014.
Möhlmann führt Werder zurück in die Bundesliga
Möhlmann stammt aus Lohne und begann seine Karriere im nahen Münster. In der Saison 1994/1975 gelang ihm in der Zweiten Liga der Durchbruch und er verpasste in den folgenden drei Spielzeiten kein einziges Spiel der Westfalen. "Ich war es gewohnt, zu kämpfen. Ich musste immer um meinen Platz kämpfen", erinnert sich Möhlmann, der sich so auch nach seinem Wechsel zu Werder im Sommer 1978 schnell durchsetzte, "ab der dritten Saison trug ich die Kapitänsbinde". Die Bremer waren aus der Bundesliga abgestiegen, aber der mittlerweile 26-Jährige stellte sich der Verantwortung und führte die Hanseaten zum direkten Wiederaufstieg. Und damit auch direkt in den Kampf um die internationalen Startplätze und die Meisterschaft.
"Dieser verpasste Titel hat mich sehr geärgert"
Enttäuscht verlässt Michael Kutzop nach dem 0:0 gegen die Bayern das Spielfeld.
Besonders knapp ging es in der Saison 1985/1986 zu, als die Bremer erst am letzten Spieltag den ersten Platz für Bayern München räumen mussten. Eine Woche zuvor hatte Michael Kutzop mit seinem berühmten Elfmeter-Fehlschuss im direkten Duell gegen die Bayern das Unheil heraufbeschworen. "Dieser verpasste Titel hat mich schon sehr geärgert. In der Saison war ich lange Stammspieler, habe mich dann aber verletzt", berichtet Möhlmann. "Im Saisonendspurt habe ich mich dann wieder fit gefühlt, aber Rehhagel hat mich trotzdem nicht mehr eingesetzt. Ich habe noch oft gedacht, dass wir den Titel hätten holen können, wenn ich doch bloß noch gespielt hätte."