Hansa Rostock: Traditionsclub von der Ostsee
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Gerd Kische (l.) für die DDR im Länderspiel gegen Australien.
Bei Hansa Rostock ist Gerd Kische eine Legende. Der Rechtsverteidiger war überall, wo es brannte. Auf 181 Oberliga-Begegnungen brachte es der gebürtige Teterower, der 1970 nach Rostock delegiert wurde. Er stieg mit Hansa dreimal ab und dreimal wieder auf. Zudem absolvierte er 63 Länderspiele, so viele wie kein anderer der Hanseaten, wurde mit der DDR 1976 Olympiasieger und gehörte 1974 bei der Weltmeisterschaft zu den Bezwingern der Bundesrepublik. "Es hat unheimlich gut getan, dennen zu zeigen, dass wir auch Fußball spielen können", blickt der am 23. Oktober 1951 geborene Kische zurück. "Aber als Klassenkampf haben wir das Spiel nicht empfunden." 1981 endete die große sportliche Karriere des Mecklenburgers im Unfrieden mit Verband und Verein. Danach fungierte er als Vize-Präsident, Vereinsvorsitzender und Manager der Rostocker - in seine Amtszeit fällt der Bundesliga-Aufstieg im Jahr 1991.
Präsident Kische: Nach dem Aufstieg in die Bundesliga wurde er zum starken Mann bei Hansa.
Kische war nie ein pflegeleichter Typ. Wann immer die Möglichkeit bestand, versuchte er seinen Dickkopf durchzusetzen. Besonders die Streitereien als Präsident mit Trainer Uwe Reinders erreichten nahezu Kultstatus. "Irgendwann war mir klar: Wir haben sportlichen Erfolg - und einen Vollidioten als Präsident", erzählte Reinders später dem "kicker". "Jedes Mal, wenn die Presse von der 'Reinders-Elf' schrieb, hat er sich beschwert bei mir, als ob ich die Texte verfasst hätte." Als Kische später als Manager fungierte, warf er seinem Präsidenten-Nachfolger, Peter-Michael Diestel, in einem Fernseh-Interview vor, "überhaupt keine Ahnung" zu haben. Kurz darauf endete im März 1995 die Ära Kische bei Hansa. Rücktritt oder Rauswurf? Wochenlang füllten die Spekulationen darüber die Zeitungen.
Doch um den streitbaren Verteidiger, der die 100 Meter in 10,7 Sekunden lief, ist es schon lange ruhig geworden. Der Lautsprecher von einst hat sich aus der Fußball-Glamourwelt zurückgezogen und schlägt mittlerweile leisere Töne an. "Die Ruhe der Jagd ist für mich ein wunderbarer Ausgleich zur Arbeit im Büro oder auf dem Bau. Es ist für mich heute auch viel wichtiger als Fußball", sagt Kische, der nach dem Karriereende unter anderem im Wohnungsbau arbeitete. "Ich muss auch nicht mehr unbedingt ins Stadion rennen." Im Mai 2011 ließ es sich das Hansa-Ehrenmitglied aber nicht nehmen, gemeinsam mit den Helden von einst zu feiern. Zusammen stießen sie auf den 20. Jahrestag des Bundesliga-Aufstiegs an, der vom letzten DDR-Meistertitel und dem Pokalsieg eingerahmt war.