Stand: 25.10.2011 10:49 Uhr
Uwe Seeler - Beliebt, bescheiden, bodenständig
von Sebastian Ragoß, NDR.de
Uwe Seeler mit der HSV-Fahne.
Fast 20 Jahre lang ging Uwe Seeler für den Hamburger SV auf Torejagd. Vier Jahrzehnte nach seinem Karriere-Ende ist die Beliebtheit des ehemaligen Mittelstürmers, den die Hamburger einst "Uns Uwe" tauften, ungebrochen. Nur Franz Beckenbauer und Fritz Walter werden von den deutschen Fußball-Fans ähnlich verehrt.
Seelers Werdegang ist oft und ausführlich beschrieben worden. Mit 17 bestritt er 1953 sein erstes Ligaspiel für den HSV, ein Jahr später debütierte er in der Nationalmannschaft. "Ich war ein Fußball-Frühreifer", so Seeler. Fast zwei Jahrzehnte lang schoss er Tor um Tor, oftmals spektakulär im Fallen, Liegen oder - wie bei der WM 1970 gegen England - per Hinterkopf.
Uwe Seelers Leben in Bildern
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Spektakuläre Fallrückzieher und wichtige Tore: Uwe Seeler gilt in seiner aktiven Zeit als einer der besten Mittelstürmer der Welt.
1954: Im Wembley-Stadion bestreitet Uwe Seeler (l.) als 18-Jähriger sein zweites Länderspiel.
Familienglück: Im Februar 1959 heiratet Uwe Seeler seine Frau Ilka, damals Handballerin beim HSV.
Seit über 50 Jahren sind die Seelers verheiratet und haben drei erwachsene Töchter.
Uwe Seeler mit dem Foto der HSV-Meistermannschaft von 1960. Im Finale besiegten die Hamburger den 1. FC Köln mit 3:2.
Seeler wird 1960 zum ersten Fußballer des Jahres in Deutschland gewählt. Auch 1964, als er sich mit 30 Treffern die erste Bundesliga-Torjägerkanone sichert, und letztmals 1970 im Alter von 33 Jahren erhält er die Auszeichnung.
In typischer Haltung: Uwe Seeler 1961 beim Meisterschafts-Endrundenspiel im Volksparkstadion gegen Eintracht Frankfurt. In diesem Jahr schlägt er ein für damalige Verhältnisse fast unglaubliches Angebot von Inter Mailand aus, hält "seinem" HSV und Hamburg die Treue. Er avanciert endgültig zum Mythos.
1963: Der HSV gewinnt das DFB-Pokalfinale mit 3:2 gegen Borussia Dortmund. Seeler erzielt zwei Tore.
Auch in der Nationalmannschaft ist Seeler eine feste Größe. Ab 1961 ist der HSV-Stürmer Kapitän der DFB-Elf.
Im Februar 1965 scheint Seelers Karriere beendet. In Frankfurt zieht er sich ohne gegnerische Einwirkung einen Riss der Achillessehne zu.
Nach einem halben Jahr steht Seeler (2.v.l.) wieder auf dem Platz. In Stockholm schießt er das entscheidende Tor in der WM-Qualifikation. Das DFB-Team reist zur Endrunde 1966 in England.
Uwe Seeler beim Wimpeltausch mit Englands Kapitän Bobby Moore vor dem WM-Finale 1966. In der Mitte: Schiedsrichter Gottfried Dienst. Deutschland verliert das Endspiel 2:4.
Uwe Seeler (r.) vor dem WM-Halbfinale 1970 mit Italiens Kapitän Giacinto Facchetti. Die Partie geht als "Jahrhundertspiel" in die Geschichte ein - Italien gewinnt mit 4:3 nach Verlängerung.
Torjäger: Uwe Seeler und Gerd Müller - bei der WM 1970 ein kongeniales Duo.
Am 9. September 1970 bestreitet Seeler, der in 72 Einsätzen im Nationalteam 43 Tore schoss, sein letztes Länderspiel. Vor der Partie wird er als erster Sportler mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet und zum DFB-Ehrenspielführer ernannt.
Schon während seiner Karriere als Fußballer baut sich Seeler eine berufliche Existenz auf. Für adidas ist er als Generalvertreter und später Generalbevollmächtigter aktiv.
1. Mai 1972: Mit einem Spiel zwischen dem HSV und einer Weltauswahl nimmt Seeler Abschied vom aktiven Fußball.
Legenden unter sich: Uwe Seeler und Pele bei der WM-Eröffnung 1974.
Jahrelang lehnt es Seeler ab, beim HSV ein Amt zu bekleiden. Als sein Club in einer tiefen Führungskrise steckt, übernimmt er im Herbst 1995 aber doch den Posten des Vereinspräsidenten. Die Führungscrew macht jedoch durch Skandale Negativschlagzeilen. Auch die Reputation des Präsidenten leidet, wenngleich ihm eine persönliche Verfehlung nie angelastet wird. Mitte Juni 1998 tritt Seeler zurück.
Am 26. November 2003 wird Seeler zum Ehrenbürger seiner Heimatstadt ernannt. Hamburgs Erster Bürgermeister Ole von Beust überreicht die Urkunde.
April 2005: Der HSV ehrt Seeler mit einer überdimensionale Nachbildung seines rechten Fußes. Das Denkmal steht vor der Arena im Volkspark.
Für immer verbunden: Uwe Seeler und der Hamburger SV. Wie kaum ein anderer hat er es geschafft, trotz aller Erfolge und allen Wohlstandes der zu bleiben, der er schon immer war.
Für immer verbunden: Uwe Seeler und der Hamburger SV. Wie kaum ein anderer hat er es geschafft, trotz aller Erfolge und allen Wohlstandes der zu bleiben, der er schon immer war.
Andere schossen noch mehr Tore oder waren begabtere Fußballer, die Popularität von Seeler erreichte keiner. Was also machte den Hamburger so beliebt? "Seeler stand für den Aufschwung. Dafür, dass die Leute die Ärmel hochkrempelten", glaubt der Soziologe und Fußball-Kenner Norbert Seitz.
"Energie einer Kanonenkugel"
In typischer Haltung: Uwe Seeler im Volksparkstadion gegen Eintracht Frankfurt.
Während sein kongenialer Partner Charly Dörfel - laut "taz" der "Gegenentwurf zum Wirtschaftswunder-Protagonisten Uwe Seeler" - schon mal mit dem Publikum am Rothenbaum während des Spiels seine Späße trieb, ackerte Seeler unermüdlich über den Rasen. Nichts hasste er mehr als zu verlieren. Seeler (Kampfname: "Der Dicke") redete unentwegt auf seine Mannschaftskameraden ein und konnte recht ungemütlich werden, wenn sich das Spiel nicht so entwickelte wie erhofft. Trotzdem blieb er auch in der Niederlage immer ein fairer Sportsmann. "Man muss immer wieder hart arbeiten. Ich habe Fußball mit Leidenschaft, Spaß und Freude gespielt", beschreibt Seeler seine Einstellung. Mit der "gesammelten Energie einer Kanonenkugel" (Frankfurter Allgemeine Zeitung) warf er sich den größeren Verteidigern entgegen. "Er symbolisierte das typische Stehaufmännchen. Der kleine Uwe hechtet nach ganz oben", erklärt Seitz.
Comeback nach Achillessehnenriss
Audiobeiträge
20.02.2013 | 10:00 Uhr
NDR Info
Er ist eine Bundesliga-Legende: Uwe Seeler. Doch fast wäre seine Karriere zu Ende gewesen, bevor sie richtig begann. Martin Seidemann blickt auf die Karriere des Hamburger Idols zurück.
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Niemals wurde diese Charaktereigenschaft deutlicher als 1965. Nach einem Achillessehnenriss bescheinigten fast alle Experten Seeler das Karriere-Ende. Nicht einmal sechs Monate später stand er wieder auf dem Platz. Skandale abseits des grünen Rasens hat es bis heute nicht gegeben. Frauen-Affären? Fehlanzeige. Seeler ist seit 1959 mit seiner Frau Ilka verheiratet und hat drei Töchter. Gescheiterte Versuche, nach der aktiven Karriere Fuß zu fassen? Nicht bei Uwe Seeler, der sich während der Karriere ein zweites Standbein aufgebaut hat und viele Jahrzehnte Sportartikel der Marke mit den drei Streifen verkaufte. "Man muss aktiv blieben, damit die Birne nicht einrostet", so Seeler in seiner typischen Diktion.
Weitere Informationen
Vom 17-jährigen Talent zum DFB-Kapitän, das Hinterkopftor gegen England, das Ende der aktiven Karriere: Seelers Karriere-Stationen und markante Ereignisse in seinem Leben. mehr
Symbol für den ursprünglichen Fußball
Als "redlich", "ehrlich", "bescheiden" oder "bodenständig" wird Seeler allgemein beschrieben. "Man darf sich nicht zu wichtig nehmen", sagt er selbst. Uwe Seeler spielte zu einer Zeit, als Stadien noch nicht die Namen von Sponsoren trugen und Arena hießen, sondern Glückauf-Kampfbahn, Stadion Rote Erde und Bremer Brücke. Und so verkörpert er für zahlreiche Fans auch die Erinnerung an einen Fußball, der noch nicht von Sponsoren, Fernsehinteressen und Gewinn-Maximierung geprägt war. Dass er 1961 ein Millionen-Angebot von Inter Mailand ausschlug und in Hamburg blieb, rechnen ihm auch heute noch viele Fans hoch an.
Arena statt Uwe-Seeler-Stadion
Das HSV-Idol vor der Skulptur seines in Bronze gegossenen Fußes vor der HSV-Arena.
Nur einmal traf "Uns Uwe" eine offenkundige Fehlentscheidung, als er sich 1995 zum Präsidenten seines HSV wählen ließ. Von der Boulevardpresse ins Amt gedrängt und umgeben von falschen Freunden, wirkte Seeler überfordert. Zur Ruhe kam der Verein nicht, gute drei Jahre später trat Seeler entnervt als Präsident zurück. Sein guter Name half jedoch maßgeblich, den Stadion-Umbau auf den Weg zu bringen. Viele Fans forderten, dem Stadion den Namen des größten Vereinsidols zu geben. Die Clubführung entschied sich anders. Aus dem Stadion wurde eine Arena, die den Schriftzug eines Internetanbieters erhielt. An Uwe Seeler erinnert vor dem Stadion ein tonnenschweres Ungetüm in Form eines Fußes.