HSV: Der letzte Bundesliga-Dino
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Horst Hrubesch bei seiner Spezialität: dem Kopfballspiel.
"Manni Flanke, ich Kopf, Tor!" Horst Hrubesch trug sein Herz schon immer auf der Zunge. Ob auf dem Platz oder im Interview: Der Mittelstürmer gab sich nie aufgesetzt, sondern spielte unbekümmert und sprach ganz natürlich über das, was er dachte. Mehr gab es über die "Tor-Formel" des Hamburger SV in den 80er-Jahren auch nicht zu sagen. Manfred Kaltz flankte und Hrubesch köpfte den Ball in die Maschen, fertig. Für diese offene Art liebten ihn die Fans. In den Medien wurde Hrubesch jedoch wegen seiner einfachen Ausdrucksweise oft kritisch beurteilt und negativ dargestellt. Dass in dem "Kopfball-Ungeheuer" von einst mehr steckt, bewies der am 17. April 1951 in Hamm geborene ehemalige Angreifer als Juniorentrainer beim Deutschen Fußball-Bund (DFB). Auch als Coach bleibt sich die gradlinige und bodenständige HSV-Legende treu. Hrubesch ist kein Entertainer, der sich in der Öffentlichkeit präsentieren will. Er ist ein Kumpeltyp, der seine freie Zeit gerne in der Natur verbringt und Tiere liebt.
Die HSV-Profis Horst Hrubesch, Bernd Wehmeyer, Manfred Kaltz und Lars Bastrup (v.l.) jubeln 1982 mit der deutschen Meisterschale.
Vor seiner Profi-Karriere machte Hrubesch zunächst eine Ausbildung zum Fliesenleger, musste den Beruf jedoch wegen einer Zementallergie aufgeben. Daraufhin lernte der gebürtige Westfale Dachdecker. Sechs Jahre arbeitete er in diesem Beruf, ehe er doch noch den Sprung ins Profigeschäft schaffte. Nach mehreren Stationen in der Amateurliga wechselte Hrubesch im Alter von 24 Jahren in die Bundesliga zu Rot-Weiss Essen. Er machte sich schnell einen Namen als Mittelstürmer und wurde 1978 für rund eine Million Mark vom Hamburger SV abgeworben. In fünf Jahren avancierte der kopfballstarke Angreifer zum Torjäger Nummer eins der "Rothosen". Nicht zuletzt mit dem Kopf erzielte der Wahl-Hanseat in 159 Spielen insgesamt 96 Tore für den HSV. Hrubesch feierte mit den Hamburgern seine größten Erfolge: drei deutsche Meistertitel, Europapokalsieger der Landesmeister und Vize-UEFA-Cup-Sieger. Diese Leistungen machten den Stürmer auch für die Nationalmannschaft interessant. Mit 29 Jahren das erste Mal berufen, brachte es der "Spätzünder" noch zum Europameister und Vize-Weltmeister.
Nachdem Hrubeschs Vertrag beim HSV 1983 aus "Altersgründen" nicht verlängert wurde, spielte der leidenschaftliche Angler, der 1980 als Co-Autor sogar ein Angel-Fachbuch "Dorschangeln vom Boot und an den Küsten" herausbrachte, zunächst beim belgischen Erstligisten Standard Lüttich und wechselte dann zu Borussia Dortmund. Im Jahr 1985 musste Hrubesch, der immer mit vollem Einsatz spielte und sich nie schonte, seine Karriere als Spieler aufgrund einer Leistenoperation beenden. Als 35-Jähriger gelang ihm ein nahtloser Übergang vom Spieler zum Trainer: Er wurde Coach beim damaligen Zweitligisten Rot-Weiß-Essen, den er als Aufsteiger auf Platz zehn der Zweiten Bundesliga brachte.
Als DFB-Juniorentrainer hat Horst Hrubesch sein Glück gefunden.
Neben einigen erfolglosen internationalen Abstechern konnte er 1995 den Abstieg Hansa Rostocks in die Zweite Liga nicht verhindern und erlebte als Coach den Konkurs von Dynamo Dresden hautnah mit. Mit seinem Wechsel zum DFB gelang ihm ein Neustart. Die Kontinuität des Verbandes scheint dem Hundefreund, der als Züchter bereits Preise gewonnen hat, mehr zu liegen als das schnelllebige Bundesliga-Geschäft. Beim DFB feierte der einstige Stürmer auch seine ersten Erfolge als Trainer. 2008 führte er die U19 zum Europameistertitel, ein Jahr später gelang ihm dasselbe Kunststück mit der deutschen U21.
Die Zukunft des deutschen Fußballs sieht Hrubesch, der Spitzenspieler wie Sebastian Schweinsteiger, Mario Gomez oder Piotr Trochowski als DFB-Coach begleitet hat, optimistisch: "Wir haben viele junge Spieler, die bestens ausgebildet sind und in den Clubs ihr Potenzial abrufen. Wenn die Trainer den Jungs das Vertrauen schenken, zahlen sie es einem immer zurück." Über seinen eigenen Verdienst spricht der stets bescheiden gebliebene Hrubesch wenig. Einer seiner Leitsätze lautet: "Letztlich entscheidet nicht der Trainer über den Titelgewinn, das ist ausschließlich eine Sache des Willens der Mannschaft."
Horst Hrubesch verbringt seine private Zeit lieber abseits des Fußball-Geschäfts.
Privat ist der erklärte Atomkraftgegner ebenfalls bodenständig und verbringt die Zeit lieber abseits des Trubels. Mit seiner Frau Angelika, mit der er zwei Söhne hat, lebt er auf einem Resthof in der Lüneburger Heide. Hier widmet er sich seinem Hobby "Pferde und Reiten" und schwingt in seiner Freizeit gerne den Tennis- oder Golfschläger. Zeit zum Lachsangeln hat Hrubesch kaum noch. Ob Tagungen, Lehrgänge oder Training: In den vergangenen Jahren war er jeweils über 200 Tage für den DFB unterwegs. Der Juniorentrainer sei also alles andere, als der so oft verpönte "Rentnerjob", erklärte Hrubesch in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung". Für die vergangenen Jahre ist er jedoch nicht dem DFB, sondern seiner Frau Angelika dankbar. Sie hat für das Geheimnis von rund vier Jahrzehnten Ehe eine ganz einfache Erklärung: "Kein Wunder, der Horst war ja auch 20 Jahre nicht zuhause." So, sagt Hrubesch, "ist die Ehe immer frisch geblieben".