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Helmut Kronsbein - Alleinherrscher von Hannover 96

von Sebastian Ragoß, NDR.de

Helmut Kronsbein (Aufnahme aus dem Jahr 1971) © picture-alliance / dpa Detailansicht des Bildes Helmut Kronsbein führte Hannover 1954 sensationell zur Meisterschaft. Langjährige Trainererfahrung, geschweige denn Erfolge, hatte Helmut Kronsbein nicht vorzuweisen, als er 1952 im Alter von 37 Jahren vom SSV Ulm zu Hannover 96 wechselte. Seine Bewerbungsmappe bestand nur aus einem Stück Papier, das jedoch die Unterschrift des wichtigsten Mannes im deutschen Fußball trug. Bundestrainer Sepp Herberger, der Kronsbein als Coach ausgebildet hatte, empfahl 96 seinen ehemaligen Lehrling. Die Hannoveraner Clubführung folgte dem Urteil Herbergers und übergab Kronsbein, der von allen nur "Fiffi" genannt wurde, die Leitung der Oberliga-Mannschaft. Sein putziger Spitzname täuschte darüber hinweg, dass Kronsbein eine bis auf die Knochen autoritäre Persönlichkeit war. Der ehemalige Hauptfeldwebel, der mit einer gelähmten Hand aus dem Zweiten Weltkrieg zurückgekehrt war, überwachte seine Spieler auf Schritt und Tritt. Widerspruch duldete er nicht. Bei Auswärtsspielen durchforstete der Coach die Zimmer seiner Spieler nach alkoholischen Getränken. Das Mannschaftsessen begann erst, nachdem Kronsbein ein lautes "Guten Appetit" in den Raum geschmettert hatte.

5.000 Mark Prämie für die Nordmeisterschaft

Im Nachkriegsdeutschland - zumal im strukturkonservativen Fußball - galten Kronsbeins Charakterzüge allerdings nicht als Makel, sondern als Tugend. "Er war ein Komisskopp durch und durch. Aber wir brauchten damals so einen. Wir waren ja selbst alle aufgewachsen mit HJ, Wehrmacht und so", erinnerte sich Verteidiger Hannes Kirk. Dank Kronsbein war 96 anderen Mannschaften organisatorisch einen Schritt voraus. Auswärtsfahrten, Unterkünfte, Training: Der Coach kümmerte sich persönlich um perfekte Rahmenbedingungen. Darüber hinaus war Kronsbein ein geschickter Verhandlungsführer - nicht nur bei Neuverpflichtungen. In seinen Vertrag ließ er sich schon 1952 eine Prämie von 5.000 Mark für den Gewinn der Nordmeisterschaft festschreiben. Die Spieler erhielten für die deutsche Meisterschaft gerade einmal 1.000 Mark.  

Meisterhafte Taktik gegen Kaiserslautern

Endspiel 1954: Hannovers Mittelstürmer Hans Tkotz (M.) im Zweikampf mit Kaiserslauterns Abwehrspieler Werner Kohlmeyer (r.) © picture-alliance / dpa Detailansicht des Bildes Finale 1954: Hannovers Mittelstürmer Hans Tkotz (M.) setzt sich gegen Lauterns Werner Kohlmeyer durch. Der Endspielsieg 1954 war Kronsbeins Meisterstück. Wie sollte der technisch überlegene 1. FC Kaiserslautern besiegt werden? Kronsbein entschied sich für eine Taktik, die heute als "kontrollierte Offensive" bezeichnet werden würde. Hannover zog sich zurück, konterte und spielte in der zweiten Hälfte seine physische Überlegenheit aus. Auch die Maßnahme, Fritz Walter gemeinsam vom jungen Rolf Gehrcke und Werner Müller bewachen zu lassen, zahlte sich aus. Obwohl Kronsbein laut Selbsteinschätzung mit "Hochleistungsmotor" und "Düsengeschwindigkeit" weiteren Erfolgen hinterherjagte, blieb die Meisterschaft mit 96 sein einziger großer Titel. 1956 erreichten die Niedersachsen noch einmal die Endrunde, konnten sich aber gegen Kaiserslautern, Schalke und Karlsruhe nicht durchsetzen.

Entlassung wegen eines folgenschweren Geschenks

Ein Jahr später verließ Kronsbein den Club. Nachdem Hannover 1963 die Bundesliga-Qualifikation verpasst hatte, erinnerte man sich an der Leine seines Erfolgstrainers. Kronsbein wechselte vom VfR Mannheim nach Niedersachsen und stieg 1964 mit Hannover in die Bundesliga auf. Doch 1966 wurde der Trainer entlassen, nachdem er ein Geschenk eines Spielervermittlers angenommen haben soll. Trotzdem kehrt er in den folgenden Jahren noch zwei weitere Male zu 96 zurück. Nachdem er Hertha BSC 1968 in die Bundesliga und dort zweimal auf Rang drei geführt hatte, gelingt ihm 1975 mit den "Roten" noch einmal der Bundesliga-Aufstieg. Insgesamt ist Kronsbein viermal Hannover-Coach.

Anklage wegen Körperverletzung mit Todesfolge

Nach dem Freispruch für den ehemaligen Fußballtrainer Helmut Kronsbein (l.) reicht am 11.10.1984 im Landgericht Hannover Staatsanwalt Wolfgang Altenburg dem Freigesprochenen die Hand. © picture-alliance/ dpa Detailansicht des Bildes Helmut Kronsbein (l.) wird 1984 vom Verdacht der Körperverletzung mit Todesfolge freigesprochen. Seinem autoritären Führungsstil blieb Kronsbein Zeit seiner Karriere treu. Ein Blick in seine 1971 veröffentlichte Biografie gibt Aufschluss darüber, in welchen Kategorien der Trainer dachte. Kronsbein spricht in Erinnerung an die Meisterschaft 1954 von einem "blutvollen Leben, das wir Fußball nennen", bezeichnet die Fans als "unsere Streitmacht" und "Wand des Mutes". Ablegen konnte er die Rolle des Alleinherrschers auch in der Ehe mit seiner Frau Gerda nicht. Demütigungen und Schläge waren keine Seltenheit. Im Juli 1979 wurde Gerda von Helmut Kronsbein tot in der Badewanne gefunden, neben ihr lag ein unter Strom stehender Fön. Nachdem Zweifel an Gerdas Freitod aufgekommen waren, wurde Helmut Kronsbein vier Jahre später in Hannover wegen Körperverletzung mit Todesfolge angeklagt. Der große "Spiegel"-Gerichtsreporter Gerhard Mauz sah einen "kleinen, verbrauchten und verschlissenen" Mann auf der Anklagebank sitzen. Nach den ersten zwei Monaten des Verfahrens rechneten die meisten Prozess-Beobachter mit einer Verurteilung. Ein Sachverständigen-Gutachten entlastete schließlich den Fußball-Lehrer, Kronsbein wurde freigesprochen. Am 27. März 1991 starb Helmut Kronsbein in Berlin.

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Volkmar Schneider © NDR
 
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Gutachter Schneider über den Kronsbein-Prozess

30.09.2012 | 22:45 Uhr
NDR Fernsehen: Sportclub

Volkmar Schneider sorgte mit seiner Aussage dafür, dass Kronsbein als freier Mann aus dem Gerichtssaal gehen konnte.

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Die Spieler von Hannover 96 bejubeln den Sieg im Endspiel 1954 gegen den 1. FC Kaiserslautern. © picture-alliance / dpa
 

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VfV Hildesheim - Hannover 96: Bruch eines Torpfostens am 7.1.1962 auf der Johanniswiese in Hildesheim © picture-alliance / dpa
 
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