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Tennisbaron von Cramm: Triumph des Charakters

von Bettina Lenner, NDR.de

Gottfried von Cramm (l.) und Donald Budge © NDR Detailansicht des Bildes Konkurrenten und Freunde: Gottfried von Cramm (l.) und Donald Budge. Als Gottfried Freiherr von Cramm im Juli 1937 beim Davis-Cup-Interzonenfinale den legendären Centre Court in Wimbledon betritt, will er den Fluch endlich brechen. Dreimal hat er schon auf dem heiligen Rasen im Einzelendspiel der All England Championships gestanden, dreimal hintereinander (1935 bis 1937) hat er verloren. Nun ist der Tennisbaron ein Gentleman, der Niederlagen nicht nur außerordentlich gut verkraften, sondern die Leistung anderer auch neidlos anerkennen kann. Bei seiner Finalniederlage im Vorjahr war es nicht die erneute Pleite gegen den britischen Titelverteidiger Fred Perry, den er kurz zuvor im Endspiel von Paris noch geschlagen hatte, die ihn bekümmerte. Vielmehr bedauerte er, dem Publikum nicht mehr geboten zu haben.

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Gottfried Freiherr von Cramm in Wimbledon 1951 © picture-alliance / akg-images
 
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Er war der Inbegriff von Können, Eleganz und Fairness: Gottfried von Cramm. Dreimal verlor der Tennisbaron das Wimbledon-Finale - und gilt dennoch als einer der besten Spieler aller Zeiten.

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Drei Finalniederlagen in Wimbledon

Gleich im ersten Spiel des ersten Satzes hatte er sich im mit Spannung erwarteten Match eine Zerrung zugezogen, aber im Sinne des Fairplays zum Weiterspielen entschlossen. Nach 45 Minuten war alles vorbei, hatte von Cramm mit 1:6, 1:6, 0:6 verloren. Über den Schiedsrichter ließ er ausrichten, er bedaure zutiefst, dass er nicht habe besser spielen können. Eine Geste, für die ihn das Publikum feierte und liebt. Im Sommer 1937, sein großer Kontrahent Perry war nicht angetreten, zog von Cramm bei seiner dritten und letzten Finalteilnahme in Wimbledon auch gegen den Kalifornier Donald Budge den Kürzeren - und gratulierte artig: Er habe das beste Tennis seines Lebens gespielt. Es sei ihm eine Freude, gegen einen Besseren zu verlieren.

Neben Schmeling der populärste Sportler Deutschlands

Doch Fairplay und Anstand, das muss auch der noble Verlierer von Cramm lernen, sind in Deutschland zu dieser Zeit nicht unbedingt die Tugenden der Stunde. Als der Freiherr im Juli 1937 nur wenige Wochen nach der Endspiel-Niederlage erneut im englischen Tennis-Mekka gegen Budge antritt, ist der Druck erheblich. Das deutsche Davis-Cup-Team spielt gegen die USA, und das internationale Publikum zollt der Mannschaft unter dem Hakenkreuz noch Respekt. Für von Cramm, der als einer der elegantesten und anmutigsten Spieler aller Zeiten gilt, wohl eine zwiespältige Situation: Mit seiner Reputation als untadeliger Sportsmann und vorbildlicher Stilist ist er neben Max Schmeling der populärste Sportler Deutschlands, trägt somit entscheidend zur Anerkennung seines Teams bei.

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Gottfried Freiherr von Cramm 1952 bei einem Davis-Cup-Match © picture-alliance / dpa
 
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Klassiker von Cramm - Perry in Hamburg

14.08.2011 | 23:30 Uhr
NDR Fernsehen: Sportclub

Die Tennis-Virtuosen sind über 50, als sie noch einmal ein Showmatch am Rothenbaum bestreiten.

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Audios

Interview mit Gottfried von Cramm

NDR 90,3

Der Tennisbaron wird 1948 zum deutschen Sportler des Jahres gewählt.

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Daten und Fakten

Erfolge:

French Open: Sieger Einzel (1934, 1936), Sieger Doppel (mit Henner Henkel, 1937)
Wimbledon: Finalist Einzel (1935 - 1937), Sieger Mixed (mit Hilde Krahwinkel, 1933)
US Open: Sieger Doppel (mit Henner Henkel, 1937)
Hamburger Rothenbaum: Sechsmaliger Turniersieger (1932 - 1935, 1948 und 1949)
Davis Cup (1932 - 1937 und 1951 - 1953): 82 Siege in 102 Matches