Jürgen Brähmer, als Jugendlicher Bezirksmeister über 800 m sowie im Hochsprung, kam 1992 mit 13 Jahren zum Boxen und galt als "Jahrhundert-Talent". Michael Timm, damals Landestrainer in Mecklenburg-Vorpommern, holte den 15-Jährigen in das Sportinternat des SC Schwerin.
1994 wurde Brähmer deutscher Jugendmeister und sicherte sich danach dreimal die deutsche Juniorenmeisterschaft. Auch bei der Junioren-WM auf Kuba deutete er zwei Jahre später eindrucksvoll sein Potenzial an und holte den Titel im Weltergewicht.
Doch immer wieder geriet der Mecklenburger, der mit sechs Geschwistern in schwierigen Verhältnissen aufwuchs, mit dem Gesetz in Konflikt.
Im Frühjahr 1998 wurde der vorbestrafte Boxer zu einer dreieinhalbjährigen Jugend-Haftstrafe wegen schwerer Körperverletzung verurteilt.
Mit einem Profivertrag beim Universum-Boxstall im Jahr 1999 erhielt der am 5. Oktober 1978 in Stralsund geborenen Wahl-Schweriner (im Bild mit Trainer Michael Timm, der später auch sein Bewährungshelfer wurde) jedoch eine neue Chance.
Im Dezember 1999 feierte er in Hamburg ein erfolgreiches Profidebüt, als er im Supermittelgewicht Ramdane Kaouane bezwang. Als Freigänger konnte er nun täglich mit den Klitschkos und anderen Größen aus dem Team von Promoter Kohl trainieren. Auch nach seiner vorzeitigen Haftentlassung im September 2000 entschied er seine Kämpfe weiter im Vorwärtsgang.
Allerdings nur bis 2002: Da wurde der Mecklenburger erneut wegen Fahrens ohne Führerschein, der Unfallflucht und gefährlicher Körperverletzung zu einer zweieinhalbjährigen Haftstrafe verurteilt.
Nach Hinterlegung einer Kaution von 125.000 Euro durfte Brähmer noch vor seiner Verurteilung zum Kampf um den Internationalen WBC-Titel gegen den Argentinier Omar Eduardo Gonzalez antreten. Den Fight gegen Gonzalez gewann Brähmer trotz der belastenden Umstände einstimmig nach Punkten. Nach dem Kampf musste er zurück in Untersuchungshaft.
Der Ausnahmeboxer bekam bald Ausgang und konnte trainieren. Nach seiner vorzeitigen Haftentlassung im Spätsommer 2005 holte er sich der gelernte Schweißer am 5. Februar 2006 seinen durch die Haftstrafe verlorenen WBC-Intercontinental-Titel zurück, als er den Südafrikaner Andre Thysse klar nach Punkten besiegte.
Brähmers Wunsch, bald um den WM-Titel zu boxen, erhielt im Mai 2006 einen Dämpfer, als er seinem Stallgefährten Mario Veit unterlag - die erste Niederlage in seinem 28. Profikampf. Im September 2007 gelang ihm gegen Veit (Bild) durch K.o. in der vierten Runde die erfolgreiche Revanche. "Jetzt ist er reif für einen WM-Kampf", titelte das Fachblatt "Boxsport".
Anschließend wechselte Brähmer vom Supermittelgewicht ins Halbschwergewicht. Seinen ersten Kampf in der höheren Gewichtsklasse gewann er im April 2008 gegen den Franzosen Karim Bennama durch technischen K.o. in der neunten Runde.
Der Traum vom WM-Kampf erfüllte sich im November 2008, doch Brähmer konnte die Chance gegen den argentinischen WBA-Titelträger Hugo Hernan Garay (im Bild rechts) nicht nutzen. Er verlor klar nach Punkten.
Brähmer gab sich trotz der deprimierenden Niederlage schon bald wieder kämpferisch: "An meinem Ziel halte ich fest: Ich will Weltmeister werden."
Brähmer im Juni 2009 nach seinem Triumph über Antonio Brancalion: Der Mecklenburger benötigte lediglich 83 Sekunden, um den Italiener durch technischen K.o. zu bezwingen. Er verteidigte damit seinen im März desselben Jahres erkämpften EM-Titel erfolgreich. Später legte er ihn nieder, um gegen Aleksy Kuziemski um die Interims-WM boxen zu können.
Im August 2009 besiegte der Schweriner den Polen durch technischen K.o. in der elften Runde und wurde Interimsweltmeister der WBO.
Nach dem Wechsel von Zsolt Erdei ins Cruisergewicht im November 2009 wurde Brähmer als neuer Weltmeister der WBO im Halbschwergewicht geführt. Die erste Titelverteidigung des Rechtsauslegers, im Bild mit Universum-Chef Klaus-Peter Kohl, ...
... gegen den Russen Dimitri Suchozki endete mit einem glatten 3:0-Punktsieg.
Im Januar 2009 erhob die Staatsanwaltschaft Schwerin Anklage wegen zweier Körperverletzungsdelikte. Brähmer wurde schuldig gesprochen und zu einer Haftstrafe von einem Jahr und vier Monaten ohne Bewährung verurteilt.
Ende März 2011 sprach ihn das Landgericht Schwerin aber von den Vorwürfen der Körperverletzung und Beleidigung frei und hob damit das Urteil des Amtsgerichts Schwerin auf.
Im April 2010 hatte der Rechtsausleger, der als kompletter und variabler Boxer gilt, der auch die Defensive beherrscht, seinen WM-Titel gegen den Argentinier Nicolas Plotinski erfolgreich verteidigt. Nach drei Kampfabsagen in Folge nahm die WBO dem Mecklenburger jedoch im Mai 2011 seinen Weltmeistertitel.
Im Januar 2012 schlug er bei seinem Comeback nach 21-monatiger Pause den Spanier Jose Maria Guerrero durch technischen K.o. in der vierten Runde.
Auch seinen zweiten Aufbaukampf im April 2012 gewann der Box-Profi, der heute als erfolgreicher Geschäftsmann mit Sicherheitstechnik handelt. Vor heimischer Kulisse in Schwerin gewann Brähmer nach Punkten gegen Vikapita Meroro aus Namibia.
Am 2. Februar 2013 holt sich Jürgen Brähmer (r.) mit einem Punktsieg in einem Stallduell gegen den Gifhorner Eduard Gutknecht den EM-Titel. Nun darf der Schweriner sogar wieder auf einen WM-Kampf hoffen.