Stand: 04.04.2016 11:45 Uhr

Thomas Schaaf: Der Dauer-Bremer

Thomas Schaaf ist eine der Ikonen der Clubgeschichte Werder Bremens. Als Jugendlicher kam er in die Hansestadt, wurde als Spieler Meister, Pokalsieger und Europacup-Gewinner. Später führte er Werder als Trainer zu großen Erfolgen. Als Coach von Eintracht Frankfurt, wo er nach einem Jahr Auszeit in der Saison 2014/15 wirkte, hat er einen weitere Meilenstein seiner Karriere erreicht: Den 500. Einsatz auf der Trainerbank eines Bundesligisten.

Der 14. Mai 2013, der Tag, an dem sich Thomas Schaaf nach 14 Jahren als Cheftrainer bei Werder Bremen verabschiedete, markierte das Ende einer Ära - aber nicht das Ende von Schaafs Geschichte, die in Frankfurt ihre Fortsetzung fand. Seit seinem elften Lebensjahr ist er Mitglied im SV Werder Bremen; erst als Spieler, dann als Trainer - inzwischen mehr als 40 Jahre. Viele Bremer hielten seinen Abschied für nicht vorstellbar. Dabei ist Schaaf gar kein geborener Norddeutscher. Das Licht der Welt erblickte er in Mannheim, kam aber schon als kleiner Junge nach Bremen. Bis er 18 Jahre alt war, spielte Schaaf in der Jugend von Werder Bremen, anschließend schaffte er den Sprung in die Profimannschaft. Er war ein Allroundtalent, konnte in der Abwehr auf allen Positionen spielen und auch im Mittelfeld eingesetzt werden. Innerhalb der Mannschaft übernahm er den Posten des Antreibers, des ehrgeizigen "Arbeitstiers". Seine Bilanz kann sich sehen lassen: Insgesamt absolvierte er im Werder-Trikot 262 Bundesligaspiele und 19 Einsätze in der Zweiten Liga. Zwei Mal gewann er jeweils die deutsche Meisterschaft und den DFB-Pokal und er holte mit Werder 1992 den Europapokal der Pokalsieger.

Schaaf: Ein Musterbeispiel für Vereinstreue

Schaaf, der im Jahr 1993 eine Ausbildung zum Fußballlehrer an der Deutschen Sporthochschule in Köln absolvierte, trainierte während seiner Zeit als Profispieler auch sieben Jahre lang Jugendmannschaften der Bremer, bevor er zum Trainer der Amateurmannschaft aufstieg. Seit 1999 coachte Schaaf die Profimannschaft und war damit lange der dienstälteste Coach der Bundesliga, auch wenn er die Bestmarke von Otto Rehagel verfehlte. "Ich kann mich sehr gut mit Werder Bremen identifizieren und die Dinge deshalb auch gut angehen", beschrieb Schaaf sein Durchhaltevermögen.

Eigentlich sollte er Werder vor vor dem Abstieg retten

Trainerwechsel, mangelnde Motivation, sportlich erfolglos - im Jahr 1999 drohte Werder Bremen drei Spieltage vor Saisonende der Abstieg. Nachdem Felix Magath als Trainer zurückgetreten war, übernahm Schaaf den Posten. Seine Aufgabe: Die Werder-Elf vor dem Absturz in die Zweite Liga retten. Vor allem die Medien waren skeptisch, ob der bis dato unerfahrene Jungtrainer sein Ziel erreichen würde. "Kann der Neue noch was retten?", titelte die "Bild"-Zeitung. Doch der damals 38-Jährige legte einen Traumstart hin. Er sicherte mit der Mannschaft nach drei Siegen in Serie nicht nur die Klasse, sondern holte einen Monat später auch den DFB-Pokal an die Weser. Durch diesen Sieg wurde Schaaf der erste Trainer, der den Pokal auch schon als Spieler gewonnen hatte.

Thomas Schaaf - Stationen seiner Karriere

Als Spieler
- 262 Bundesligaspiele
- 19 Einsätze in der Zweiten Liga
- Deutscher Meister: 1988, 1993
- DFB-Pokal-Sieger: 1991, 1994
- Deutscher Supercup-Sieger: 1988, 1993, 1994
- Europapokal der Pokalsieger: 1992

Als Trainer
- 1988 -1995 Werder Bremen (Jugend)
- 1995 -1999 Werder Bremen (Amateure)
- 1999 - 2013 Werder Bremen (Profis)
- 2014 - 2015 Eintracht Frankfurt
- Ende 2015 - April 2016 Hannover 96
- Deutscher Meister: 2004
- DFB-Pokal: 1999, 2004, 2009
- Deutschlands Trainer des Jahres 2004

Dass er danach im Juli 1999 einen langfristigen Vertrag bei Werder unterzeichnete, war nach dieser Erfolgsserie nicht verwunderlich. Um Schaaf zur Seite zu stehen, wurde Klaus Allofs als neuer Sportdirektor verpflichtet. Von da an schrieb der Verein eine Erfolgsgeschichte, nicht zuletzt wegen des guten Verhältnisses zwischen Allofs und Schaaf, die sich schon als Spieler gut verstanden hatten: "Bei Thomas war mir von Anfang an klar, dass wir uns nicht in die Quere kommen", erzählte Allofs der "FAS".

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Erfolgsduo Schaaf/Allofs

Trainer und Sportdirektor bauten an der Weser kontinuierlich eine Bundesliga-Spitzenmannschaft auf. 2004 war Werder auf dem Höhepunkt. Das Team holte das "Double" aus Meisterschaft und DFB-Pokal. In der Champions League waren die Hanseaten in den folgenden Jahren Dauergast. Ewig hielt die Erfolgsserie jedoch nicht. 2011 geriet Werder in Abstiegsgefahr, auch ein Jahr später war die Mannschaft nurmehr Mittelmaß. Am 14. November 2012 war das Erfolgsduo Schaaf/Allofs Geschichte. Nach wochenlanger Kritik und Auseinandersetzungen mit Aufsichtsratschef Willi Lemke um die Finanzen für neue Transfers kehrte der Manager Bremen den Rücken und gab dem Werben des VfL Wolfsburg nach. Ein halbes Jahr später, am 15. Mai 2013, endete auch die Ära Schaaf in Bremen.

500. Bundesligaeinsatz als Coach

Ein Jahr Pause gönnte sich der "Dauer-Bremer", ehe er eine neue Aufgabe in der Liga annahm. Er unterschrieb im Sommer 2014 einen Vertrag bei Eintracht Frankfurt. Bei den Hessen feierte er im Februar 2015 seinen 500. Einsatz als Bundesligatrainer - nur Otto Rehhagel (832), Jupp Heynckes (642), Erich Ribbeck (569), und Udo Lattek (522) hatten zu diesem Zeitpunkt mehr. Dass der Gegner in seinem 500. Spiel wie in seiner ersten Begegnung wieder Schalke 04 heißt, sei natürlich "von langer Hand geplant gewesen", scherzte Schaaf, dessen Fazit rückblickend positiv ausfällt: "Dass ich damit rund 15 Spielzeiten als Chefcoach tätig bin, zeigt, dass ich auch einige Dinge richtig gemacht habe."

Erfolgloses 96-Intermezzo

Eine Erfolgsgeschichte wurde die Verbindung zwischen Schaaf und der Eintracht dennoch nicht. Nach nur einer Saison trat der Trainer von seinem Amt zurück, um Ende 2015 wieder in den Norden zurückzukehren. Am 28. Dezember unterschrieb Schaaf als neuer Chefcoach bei Hannover 96. Es sollte nur ein kurzes Intermezzo sein. Bereits Anfang April 2016 wird er bei den Niedersachsen, die in die Zweite Liga absteigen, wieder beurlaubt. Immerhin hat er sich durch das 96-Engagement in der ewigen Liste der Bundesliga-Trainer an Lattek vorbei auf Rang vier geschoben.

Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 04.04.2016 | 12:25 Uhr

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