Stand: 26.12.2016 09:05 Uhr

Blin: Adrenalin pur im Kampf gegen Ali

von Bettina Lenner, NDR.de, Andreas Tietje und Tim Tonder, NDR Fernsehen
Jürgen Blin (l.) 1971 im Kampf gegen Ali.

Er kam von ganz unten, steckte viele Rückschläge weg und durfte sogar gegen den "Größten" kämpfen. Das Hamburger Boxidol Jürgen Blin forderte am 26. Dezember 1971 den mächtigen Muhammad Ali heraus. Sieben Runden hielt er durch.

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Es steht nicht gerade zum Besten um Jürgen Blins Boxkarriere, als das Angebot seines Lebens ins Haus flattert. Zweimal hat er um die EM im Schwergewicht geboxt, beide Male hat er denkbar unglücklich verloren. Im Juni 1970 hatte er als krasser Außenseiter vor 20.000 Zuschauern in Barcelona den K.o.-König José Manuel "Urtain" Ibar gefordert - und den Basken, dem dennoch ein äußerst zweifelhafter Punktsieg zugesprochen wurde, über 15 Runden entzaubert. Ein Jahr später dominierte Blin in London auch den Kampf gegen den neuen Europameister Joe Bugner - und unterlag auf fremdem Terrain erneut knapp nach Punkten. Am 26. Dezember 1971 folgt in Zürich schließlich der Kampf, den Blin nicht als seinen wichtigsten einstuft; der ihn aber aus der Frustration reißt und berühmt macht.

Blins Karriere in Bildern

Mehr harter Arbeiter denn Weltklasseboxer

Blin tritt gegen Muhammad Ali an. Der Amerikaner hat wenige Monate zuvor gegen Joe Frazier verloren und muss wieder für einen WM-Kampf aufgebaut werden. Blin, der in Europa einigermaßen bekannt ist, Ali aber nicht wirklich gefährlich werden kann, ist ein geeigneter Kandidat. "Das war schon eine Überraschung. Das kann man nicht beschreiben, das war eine Riesensache. Ali war eine Ikone. Aber ich war keiner, der zurückschreckt", erzählt Blin dem Sportclub des NDR Fernsehens. Im Ring versteckt sich der flinke Deutsche nicht, teilt Schläge aus und zeigt keinerlei Angst. "Das war Adrenalin pur", beschreibt er: "Ich bin mit der Einstellung in den Kampf gegangen, gib' Gas und mach' Feuer, vielleicht triffst Du ihn hart. Angriff ist die beste Verteidigung." Dennoch ist der deutscher Meister im Schwergewicht von 1968, immer mehr harter Arbeiter denn ein Weltklasseboxer, Ali boxerisch und körperlich klar unterlegen. In der siebten Runde folgt der erste Knock-out seiner Karriere. "Ich bin ein zu hohes Tempo gegangen, war ausgehöhlt. Wenn ich ruhiger geboxt hätte, wäre es eventuell länger gegangen. Aber was soll's. Sieben Runden steht nicht jeder gegen Ali, der hat seine Gegner meistens in der zweiten oder dritten Runde ausgeknockt", schildert Blin.

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Jürgen Blin zeigt sich vor seinem Fight gegen Muhammad Ali 1971 professionell. Ali gibt sich gewohnt lässig und klopft Sprüche. Video (00:47 min)

"Der Traum, ihn zu schlagen, bestand nicht"

Enttäuscht über die Niederlage und den Niederschlag ist der Hamburger nicht: "Das war mehr Erlösung, schätze ich. Denn der Traum, ihn zu schlagen, bestand nicht. Ich wusste genau, dass ich keine Chance habe", erklärt er: "Er war größer, schwerer und hatte die bessere Technik. Aber ich wollte ihn unbedingt boxen." Während "The Greatest" seine sagenhafte Legende fortschreibt, erfreut sich Blin an seinen Erinnerungen und seiner größten Kampfbörse von 180.000 Mark: "Das war viel Geld damals und schon wieder ein halbes Haus", sagt er. Am nächsten Tag arbeitet er wieder als Schlachter im eigenen Geschäft: "Ich war ja Halbprofi, hatte vor wichtigen Kämpfen vier Wochen unbezahlten Urlaub. Aber wenn ich Freitag oder Sonnabend geboxt habe, war ich Montag wieder auf Arbeit und habe da meine Würstchen fabriziert."

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 07.08.2011 | 23:30 Uhr

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