Chronologie des Handballskandals
Dem THW Kiel war in mehreren Fällen vorgeworfen worden, Schiedsrichter gekauft und so Spiele zu seinen Gunsten entschieden zu haben - darunter das Champions-League-Finale 2007. Die Ereignisse im Überblick. mehr
Ex-THW-Manager Schwenker ist im Prozess um die Manipulationsvorwürfe unter Druck geraten. (Archivbild)
Überraschung am 14. Verhandlungstag im Prozess um die Manipulationsvorwürfe gegen den früheren Manager des THW Kiel, Uwe Schwenker, und Ex-Coach Zvonimir Serdarusic. Die Staatsanwaltschaft Kiel präsentierte am Freitag ein Fax, das Schwenker offenbar schwer belastet. Das Schreiben des THW Kiel vom 28. Februar 2003 ist an den mutmaßlichen Mittelsmann Nenad Volarevic gerichtet. Darin übermittelte der THW dem Kroaten die Kontaktdaten der Schiedsrichter für die bevorstehenden Champions League-Viertelfinalspiele der Kieler gegen den slowenischen Vertreter Prule 67 Ljubljana. Gezeichnet wurde das Schreiben von Schwenker, dem ehemaligen Manager des THW.
Damit sollen die Manipulationsvorwürfe gegen Schwenker untermauert werden. Die Staatsanwaltschaft will damit Betrugsabsichten bereits im Vorfeld des am Landgericht Kiel verhandelten Falles belegen. Schwenker soll zusammen mit Serdarusic die Schiedsrichter des Champions League-Finalrückspieles 2007 gegen die SG Flensburg-Handewitt bestochen haben. Alle vier bestreiten das.
Ob das Schreiben tatsächlich an Volarevic geschickt wurde, konnte vor Gericht nicht geklärt werden. Darauf konnte auch Sabine Holdorf-Schust, die heutige Geschäftsführerin des THW Kiel, keine Antwort geben. Sie hatte das Fax damals erstellt. An den Hintergrund des Schreibens kann sie nach eigenen Angaben aber nicht mehr erinnern. "Darauf kann ich Ihnen keine Antwort geben", sagte Holdorf-Schust vor Gericht.
Die Staatsanwaltschaft will mit dem Fax engere Kontakte zwischen Schwenker und Volarevic belegen, als die bislang bekannten. Die Verteidigung des Ex-Managers hatte stets erklärt, Volarevic habe ausschließlich als Spielerscout für den THW auf dem Balkan agiert. Holdorf-Schust erklärte, eine Scout-Tätigkeit Volarevics sei ihr als Geschäftsstellenleiterin bis 2009 nicht bekannt gewesen. Sollte das Fax tatsächlich Teil eines Manipulationsversuches gewesen, wäre er misslungen. Der THW Kiel war 2003 in der Champions League an dem slowenischen Klub gescheitert.