THW Kiel: Der Rekordmeister von der Förde
Volle Halle, Stars en masse, Titel im Abonnement - das ist der THW Kiel. mehr
Der Kieler Sieg gegen Madrid war Schwerstarbeit. Hier nehmen Christian Zeitz (r.) und Filip Jicha Atletico-Spielmacher Joan Canellas in die Zange.
Titelverteidiger THW Kiel hat sich mit einem Sieg im Verfolgerduell der Gruppe B in die Winterpause der Handball-Champions-League verabschiedet. Die "Zebras" gewannen auch die verbissen geführte Neuauflage des Champions-League-Finals am Sonntagabend gegen den spanischen Vizemeister Atletico Madrid mit 31:27 (15:15). Vor den letzten drei Vorrundenpartien im Februar lauert die Mannschaft von Trainer Alfred Gislason mit 10:4 Punkten hinter dem ungeschlagenen Spitzenreiter MKB Veszprem (14:0). Damit kann der THW mit dem Achtelfinale planen. Filip Jicha war mit 13 Toren der überragende Kieler Werfer. "Das Spiel war so hart, wie ich es erwartet hatte. Dass Madrid vier Spieler zuhause ließ, machte da keinen Unterschied, weil Madrid immer noch eine starke Mannschaft hat", sagte Gislason.
Omeyer und Palmarsson verletzt
Zuschauer: 9.800
Tore für Kiel: Jicha (13/2), Sprenger (3), Wiencek (3), Ekberg (3), Vujin (3), Zeitz (2), Narcisse (2), Ahlm (1), Klein (1)
Madrid: Markussen (8), Cañellas (4/2), Sánchez (3), Barachet (3), Jurkiewicz (2), Davis (2), Fernández (1), Romero (1), Parrondo (1), Gojun (1), Masachs (1)
Atletico-Trainer Talant Duschebajew hatte angesichts bevorstehender Spitzenspiele in spanischer Meisterschaft und im Pokal wichtige Spieler wie Kiril Lazarov und Ivano Balic geschont, doch Thierry Omeyer warnte seine Mitspieler: "Egal, wer auf der Platte steht: Wir wissen, dass sie stark sind." Der THW-Keeper musste gegen Madrid passen, weil er sich bei seiner Weltklassevorstellung gegen die Rhein-Neckar Löwen (28:17) am Fuß verletzt hatte. Also musste Andreas Palicka ran, und als Backup saß Moritz Krieter auf der Bank. Es war nicht der einzige Spieler aus der zweiten Mannschaft, der Champions-League-Luft schnuppern durfte. Für Aron Palmarsson, der im Training eine Zerrung erlitten hatte, nominierte Gislason Rune Dahmke nach.
Jicha als Alleinunterhalter in der Offensive
Filip Jicha zeigte eine Weltklasseleistung gegen Atletico. Der Tscheche ist für die Wahl zum Welthandballer nominiert.
Vom Anpfiff weg entwickelte sich das erwartet enge Spiel. Die Spanier demonstrierten eindrucksvoll, wie ausgeglichen sie besetzt sind. Sie variierten das Tempo fast nach Belieben und spielten im Angriff sehr effektiv. Und so musste der THW bis zur 15. Minute stets einem Rückstand hinterherlaufen. Mit dem 7:6 brachte Marko Vujin die Kieler erstmals in Führung, doch auch in der Folgezeit taten sich die Gastgeber schwer, die zweikampfstarke Atletico-Abwehr zu überwinden. Zu viel lastete in der Offensive auf den Schultern von Torjäger Jicha, der wie Daniel Narcisse zur Wahl für den Welthandballer des Jahres nominiert ist. Mit einem 15:15 ging es in die Kabine.
Nach Ferrers Verletzung fällt die Entscheidung
Auch in der zweiten Halbzeit konnte sich zunächst keine Mannschaft absetzen. Als Madrid auf 24:22 erhöhte (46.), kam Kiel postwendend zurück. Christian Zeitz brachte die Gastgeber zehn Minuten vor dem Ende wieder in Führung (26:25), doch es ging weiter hin und her. Ein Schlüsselmoment war dann die Verletzung von Alvaro Ferrer. Der Spanier trat auf den Ball, knickte böse um und musste raus (51.). Kurz darauf setzte sich der THW erstmals mit drei Toren ab (29:26/56.) - für zwei der drei Treffer sorgte natürlich Jicha. Der Tscheche beeindruckte aber nicht nur mit seiner überragenden Torausbeute, er ging auch in der Abwehr keinem Zweikampf aus dem Weg und führte seine Mannschaft zu einem an Ende noch klaren Sieg. "Es ist ziemlich eng in unserer Gruppe. Wir brauchten die zwei Punkte. Jetzt sieht es ganz gut aus", sagte THW-Torhüter Andreas Palicka.