Jörg Wilhelmy
Berichtet für die NDR 1 Welle Nord vom Prozess gegen den ehemaligen THW Kiel-Manager Uwe Schwenker. mehr
Hauptzeuge Thorsten Storm ist am elften
Verhandlungstag selbst unter Druck geraten. (Archivbild)
Einer der wichtigsten Zeugen im Handball-Bestechungsprozess ist am Dienstag vor dem Kieler Landgericht in Erklärungsnot geraten. Thorsten Storm, Geschäftsführer des Bundesligisten Rhein-Neckar, verwickelte sich in Widersprüche und geriet selbst unter Druck. Die Verteidigung des Ex-THW-Managers Uwe Schwenker konfrontierte Storm im Zeugenstand mit einer Aussage seines Vaters, die ihn sichtlich mitnahm.
Storm senior hatte bei der Polizei ausgesagt, sein Sohn habe ihm Mitte oder Ende Januar 2009 erzählt, der THW Kiel habe da "irgendwo eine Leiche im Keller". Man könne die Spieler Nikola Karabatic und Vid Kavticnik womöglich "für umsonst kriegen". Storm reagierte im Gerichtssaal 232 verblüfft. "Das glaube ich nicht", sagte der 47-Jährige kopfschüttelnd.
Diese Aussage würde die Version der Verteidigung stützen. Schwenkers Anwalt Michael Gubitz beschuldigt Storm, die Manipulationsvorwürfe zu einem Erpressungsversuch genutzt zu haben. Der Löwen-Geschäftsführer habe die Gerüchte als Druckmittel benutzen wollen, um die die Ablösesumme für zwei ehemalige THW-Profis zu drücken. Storm wies das erneut zurück. Schwenker und dem früheren Trainer Zvonimir Serdarusic werden vorgeworfen, für eine Schiedsrichterbestechung beim Champions-League-Finale 2007 gegen Flensburg verantwortlich zu sein.
Wann er erstmals von den Gerüchten um die Manipulation erfahren hat, blieb auch am Dienstag unklar. An viele Einzelheiten der Transfergespräche um Karabatic und Kavticnik konnte sich der 47-Jährige nicht erinnern. Die Kieler hatten damals 3,5 Millionen Euro gefordert, die "Löwen" wollten nur 1,3 Millionen zahlen. Am Ende scheiterten die Wechsel aber vor allem daran, dass die Mannheimer von einer Verpflichtung des ehemaligen THW-Trainers Serdarusic Abstand nahmen.
Seine Aussagen brachten das Gericht allerdings kaum voran. Der 47-Jährige hatte am Montag vor dem Landgericht erklärt, er habe bei Gesprächen mit Serdarusic und dessen Frau von der angeblichen Schiedsrichter-Bestechung gehört. Beide hätten ihm entsprechende Schriftstücke präsentiert, die Schwenker als Hauptinitiator der angeblichen Spielmanipulation ausweisen sollten. Storm bestätigte am Dienstag eine von ihm bereits abgegebene Aussage, nach der Schwenker ihm ebenfalls im Februar 2009 gesagt haben soll, dass "Serdarusic es gewesen" sei und er (Schwenker, d.Red.) "das alles belegen" könne. Offen blieb jedoch, was die Begrifflichkeiten "es" und "das alles" genau bedeuten. Eine Erklärung konnte Storm nicht liefern. Der Prozess wird am 30. November fortgesetzt.