Jörg Wilhelmy
Berichtet für die NDR 1 Welle Nord vom Prozess gegen den ehemaligen THW Kiel-Manager Uwe Schwenker. mehr
In einem Blitzlichtgewitter fuhr der ehemalige Manager des THW Kiel, Uwe Schwenker, am Mittwoch vor dem Landgericht Kiel vor. Er machte einen gelassenen Eindruck - ganz im Gegenteil zu Ex-Trainer Zvonimir Serdarusic, der deutlich angespannter wirkte. Ihnen werden Untreue und Betrug beziehungsweise gemeinschaftlich begangene Bestechung im geschäftlichen Verkehr vorgeworfen.
Konkret geht es um den Vorwurf, dass Schwenker die beiden bei dem Finalrückspiel 2007 eingesetzten polnischen Schiedsrichter bestochen und Serdarusic ihm dabei geholfen haben soll. Die Rede ist von einer fünfstelligen Summe, die durch einen kroatischen Mittelsmann überbracht worden sein soll.
Hat Serdarusic (r.) Schiedsrichter bestochen? Heute hat der Prozess in Kiel begonnen.
Zum Prozessauftakt würdigten sich die beiden früher befreundeten Angeklagten keines Blickes. Auf Anraten ihrer Verteidigung schwiegen sie zu den Vorwürfen. Es wurde allerdings eine Erklärung verlesen, in der sich Schwenker 2009 vor der Staatsanwaltschaft geäußert hatte.Schwenkers Rechtsanwalt Michael Gubitz zog eine positive Bilanz nach dem ersten Verhandlungstag: "Wir glauben, dass der Auftakt gut für uns verlaufen ist und gehen weiter davon aus, dass der Prozess nicht so lange dauert, wie von manchen erwartet", sagte er nach der rund vierstündigen Sitzung.
Es war damals das Spiel der Spiele, als der THW Kiel an jenem 29. April 2007 zum Rückspiel des Champions-League-Finales gegen die SG Flensburg-Handewitt antrat. Beide Rivalen wollten den Pokal, doch nur einer konnte ihn bekommen. Am Ende stand es 29:27 für den THW Kiel. Flensburg-Handewitt gab sich geschlagen und zeigte Größe. "Die bessere Mannschaft hat gewonnen", ließ sich Flensburgs Trainer Kent-Harry Andersson zitieren. Dass dieses Endspiel letztlich ein Nachspiel haben sollte, ahnte zu diesem Zeitpunkt noch niemand.
Der Prozess ist auch aus juristischer Sicht höchst interessant. Denn Staatsanwaltschaft und Gericht bewerten die Sache unterschiedlich. Während die Anklagevertreter von Betrug und Untreue sprechen, geht es für die 5. Große Strafkammer des Kieler Landgerichtes um gemeinschaftliche begangene Bestechung. Denn den Begriff Sportbetrug oder Schiedsrichterbestechung kennt das Gesetz nicht. Es dürfte interessant werden, welche Betrachtungsweise sich letztlich durchsetzen - und in jedem Fall die nächsten Instanzen beschäftigen - wird.
Jesper Nielsen (r.) von den Rhein-Neckar Löwen soll sich zum angeblichen Schwenker-Geständnis äußern. (Archivbild)
Mit Spannung erwartet wird der Auftritt vom Sponsor des Handball-Bundesligisten Rhein-Neckar Löwen, Jesper Nielsen. Ihm soll Schwenker angeblich die Bestechung der beiden Schiedsrichter gestanden haben. Es soll allerdings auch einen Zeugen geben, der eben dies bestreitet. Der ehemalige THW-Gesellschafter Hubertus Grothe soll dieses Gespräch seinerzeit in der kroatischen Hauptstadt Zagreb mitgehört und anders verstanden haben. Überraschenderweise werden die beiden beschuldigten polnischen Schiedsrichter als Zeugen im Prozess erwartet. Sie wollen dem Vernehmen nach aussagen und bestreiten jeden Bestechungsversuch. Wenn sie sich dabei aber selbst belasten würden, steht ihnen ein Aussageverweigerungsrecht zu. Ob der Mann kommt, der das Geld überbracht haben soll, ist noch völlig offen.
Die Verteidigung hat sich bislang gelassen gezeigt. Auch Schwenker selbst ist zuversichtlich, dass in einer möglichst kurzen Verhandlung seine Unschuld eindeutig bewiesen wird. Hinzu kommt, dass auch eine nachträgliche Bewertung des Spiels durch den europäischen Handballverband EHF offenbar keine Manipulationshinweise beim Handball-Champions-League-Finale 2007 sah. Laut Verteidigung wird sich die Unhaltbarkeit der Vorwürfe bereits nach den ersten Verhandlungstagen zeigen. Angesetzt sind vom Gericht erst einmal 21 Verhandlungstage bis Februar 2012.