Stand: 03.03.2009 13:00 Uhr  | Archiv

Kiel weist Vorwürfe zurück - HBL zunächst zufrieden

Der deutsche Rekordmeister THW Kiel hat die gegen ihn erhobenen Bestechungsvorwürfe zurückgewiesen und damit den Ligaverband HBL zufriedengestellt. "Uwe Schwenker hat erklärt, dass der THW Kiel keine Spiele manipuliert hat. Die von Dieter Matheis erbetene Erklärung hat Schwenker abgegeben. Damit sind die aufgeworfenen Fragen geklärt", sagte HBL-Präsident Reiner Witte nach einer gut zweistündigen Sondersitzung von Mitgliedern des Präsidiums und Aufsichtsrates der HBL am Montagabend in Hamburg: "Belastbare Tatsachen liegen nicht vor." Weitergehende Recherchen zu dem Fall seien nun den Verbandsgremien - Präsidium und Aufsichtsrat - bei ihren Treffen in dieser Woche vorbehalten. Am Montag war bei allen Beteiligten das Bemühen zu erkennen, die undurchsichtige Affäre möglichst schnell zu beenden und damit weiteren Schaden vom ohnehin krisengeschüttelten deutschen Handball fernzuhalten. "Um einen Imageschaden zu verhindern, hätte ich mir eine interne Aufarbeitung der Vorwürfe gewünscht", erklärte HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann vielsagend.

Schwenker: "Sache ist für mich geklärt"

Kiels Manager Schwenker hatte in der Sitzung alle Vorwürfe, der THW habe das Champions-League-Finale 2007 gegen den Bundesliga-Konkurrenten SG Flensburg-Handewitt und möglicherweise seit 2000 noch weitere Spiele manipuliert, zurückgewiesen. "Ich kann für den THW und mich selbst erklären, dass an den Manipulationsvorwürfen nichts dran ist. In der Sitzung hat es auch keine Anhaltspunkte dafür gegeben. Damit ist die Sache für mich geklärt", sagte Schwenker. Die Möglichkeit einer Verleumdungsklage durch den THW schloss der Ex-Nationalspieler aus: "Wir werden keine rechtlichen Schritte verfolgen." Er habe keine Hinweise darauf, wer die Verdächtigungen in Umlauf gebracht hat. "Das weiß ich nicht", versicherte der Geschäftsführer der Schleswig-Holsteiner.

Matheis reagiert auf Gerüchte

Auslöser dafür, dass die Vorwürfe aufgekommen sind, war ein Schreiben von HBL-Aufsichtsratsmitglied Dieter Matheis, zugleich Gesellschafter des Kieler Liga-Konkurrenten Rhein-Neckar Löwen, an Schwenker, in dem dieser um Aufklärung der Sache gebeten hatte. "Ich habe von diesen Gerüchten in einer Gesellschaftersitzung der Rhein-Neckar Löwen gehört und mich dazu entschlossen, Uwe Schwenker um Aufklärung zu bitten. Ich nehme das Wort von Uwe Schwenker zur Kenntnis und gehe davon aus, dass er mir die Wahrheit gesagt hat", sagte Matheis.

Spekulationen um Serdarusic' Vertragsauflösung

Hintergrund des Vorgangs soll eine Selbstanzeige des früheren THW-Trainers Noka Serdarusic sein. Dies stritt der Coach allerdings mit aller Deutlichkeit ab. "Dieses Gerücht entbehrt jeder Grundlage", so der gebürtige Bosnier, der im vergangenen Sommer nach privaten Differenzen mit Schwenker seinen Posten auf der Kieler Bank räumen musste. Bereits vergangene Woche hatte der 58-Jährige für Aufsehen gesorgt, als er überraschend um die Auflösung seines Trainervertrages zum 1. Juli bei den Rhein-Neckar Löwen gebeten hatte. Der Erfolgscoach führte gesundheitliche Gründe für seine Entscheidung an. Laut dem HBL-Aufsichtsratsvorsitzenden Manfred Werner haben Serdarusic jedoch die Manipulationsvorwürfe gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber aus Kiel den Job beim Bundesliga-Rivalen aus Mannheim gekostet. "Als die Löwen erfuhren, dass Kieler Spiele manipuliert gewesen sein sollen, haben sie sich gefragt, ob sie für die kommende Spielzeit den richtigen Trainer haben", berichtete Werner am Montagmittag. Die Konsequenz aus den Recherchen sei die Auflösung des Vertragsverhältnisses gewesen.

Flensburger befürchten keine Manipulation

Die Löwen behaupten hingegen, Serdarusic sei ihnen mit seinem Rückzug zuvorgekommen. "Diese Gerüchte über Manipulation sind massiv an uns herangetragen worden. Aber wir mussten diesen nicht nachgehen, weil Noka Serdarusic vorher um Auflösung des Vertrages gebeten hatte. Der Auflösung haben wir entsprochen, obwohl wir den weltbesten Trainer unter Vertrag hatten", erklärte Löwen-Geschäftsführer Thorsten Storm, 2007 noch Manager bei den Flensburgern. Diese befürchten keine Manipulation. Nicht zuletzt SG-Präsident Frerich Eilts kann sich "Bestechung einfach nicht vorstellen". Fynn Holpert, Manager beim deutschen Vizemeister, konstatierte: "Ich kann und mag mir nicht vorstellen, dass der THW damals in solch einer Weise operiert hat." Bei den Kielern hatte Torwart Thierry Omeyer schon vor dem Auftritt von Schwenker in Hamburg stellvertretend für die Mannschaft der "Zebras" erklärt: "Die Nachricht war ein Schock für uns. Aber ich denke, dass da nichts dran ist."

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