Stand: 17.03.2009 16:55 Uhr  | Archiv

THW Kiel: EHF sieht keine Anzeichen für Manipulation

Der Europäische Handball-Verband (EHF) sieht nach einer Analyse des Champions-League-Endspiels zwischen dem THW Kiel und der SG Flensburg-Handewitt aus dem Jahr 2007 keine Anzeichen für eine Manipulation der Partie. "Die Analyse liefert eine abgestimmte Ausführung des Spiels mit einer klaren Linie in den Entscheidungen. Diese wurde beständig während des gesamten Spiels gehalten", erklärte die EHF. "Dieses Ergebnis der EHF ist alles andere als überraschend für uns. Es bestätigt nur, was wir gesagt haben", erklärte ein THW-Sprecher am Dienstag. Die "Zebras" sollen die polnischen Schiedsrichter Miroslaw Baum/Marek Goralczyk mit 96.000 Euro bestochen und seit 2000 insgesamt zehn Spiele in der "Königsklasse" manipuliert haben. Seit vergangener Woche ermittelt die Kieler Staatsanwaltschaft gegen THW-Manager Uwe Schwenker wegen des Verdachts der Untreue. Gegen den ehemaligen Coach Noka Serdarusic ermittelt die Behörde wegen des Verdachts der Beihilfe zur Untreue. In der vergangenen Woche wurden Wohnungen und Büros durchsucht sowie Zeugen vernommen. Zu Ergebnissen der Ermittlungen hat sich die Staatsanwaltschaft noch nicht geäußert.   

Alle Kieler CL-Spiele seit 2000 im Fokus 

Laut EHF-Analyse, die vom früheren Schiedsrichter und Regelexperten des Weltverbandes IHF, Roland Bürgi aus der Schweiz, vorgenommen wurde, sind im Finale am 29. April 2007 sowohl kleinere als auch größere Entscheidungen ausgewogen zu beiden Seiten getroffen worden. Ab der 46. Minute seien sogar die Gäste aus Flensburg leicht bevorzugt worden. Zu keiner Zeit sei eine Befangenheit der Schiedsrichter zu erkennen gewesen. In mehreren Situationen hätten sie Entscheidungen auch zu Gunsten des THW auslegen können, dies aber nicht getan. Kiel hatte die Begegnung mit 29:27 für sich entschieden und erstmals die Champions League gewonnen. Eine zweite unabhängige Analyse werde in Auftrag gegeben, man gehe aber davon aus, dass diese zu demselben Schluss kommen werde. Des Weiteren untersuchte die EHF alle Europacup-Matches des THW seit 2000. Dabei ergebe sich ein sehr ausgeglichenes Bild bei den Schiedsrichter-Nominierungen. 53 Gespanne aus 27 Ländern hätten die insgesamt 83 Kieler Spiele geleitet.

EHF verschickt Fragebögen an Schiedsrichter

Auch die Europäische Handball-Föderation (EHF) ging in die Offensive. Der Verband verschickte am Dienstag an alle Unparteiischen und Delegierten aus den vergangenen vier Jahren Fragebögen. "Das sind fünf Fragen, in denen wir um präzise Aufklärung bitten, was den Einzelnen begegnet ist. Das machen wir in Rasterform und werden es dann verfeinern. Wir setzten das parallel zum DHB um", sagte EHF-Generalsekretär Michael Wiederer. Nach seiner Aussage werden etwa 4.000 Spiele überprüft, an denen 300 Schiedsrichter und 150 Delegierte beteiligt waren.

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