Stand: 05.06.2015 21:50 Uhr

THW Kiel holt Meistertitel Nummer 20

von Andreas Bellinger, NDR.de

Der THW Kiel ist wieder Meister - nach zweitägiger Durststrecke knallten die Sektkorken am Freitag ganz offiziell. Mit einem 33:29 (18:12)-Heimsieg gegen den TBV Lemgo brachten die Zebras ihre 20. deutsche Meisterschaft unter Dach und Fach und feierten anschließend bis spät in die Nacht mit ihren Fans. In Frack und Zylinder präsentierten sich die Handball-Profis. Während die Party auf dem Rathausplatz schon eine Stunde vor Spielbeginn losging, musste die Mannschaft von Caoch Alfred Gislason noch einmal 60 Minuten arbeiten. Was schließlich zu einem meisterlichen Schaulaufen mit besonderer Zugabe wurde: Gislason wurde als "Trainer der Saison" schon vor dem Spiel ausgezeichnet.

Erfolgs-Trainer Gislason: "Titel fühlt sich ganz gut an"

"Der Titel fühlt sich ganz gut an", sagte Gislason auch im Erfolg gewohnt kühl und nüchtern. "Wir hatten eine sehr schwierige Saison. Vor allem am Anfang hatten wir kein eingespieltes Team. Und es war ein toller Zweikampf mit den Rhein-Neckar Löwen, die auch eine tolle Saison gespielt haben", fügte der Coach hinzu und bekam noch während des Interviews die obligatorische Bierdusche über den Kopf. In der Stunde des Erfolgs dachte Geschäftsführer Thorsten Storm schon an die Zukunft. Nur zu gerne würde er den bis 2017 laufenden Vertrag mit Gislason vorzeitig verlängern. "Das wäre natürlich das Beste, was uns passieren könnte. Wir fahren morgen zusammen nach Sylt - mal sehen, was passiert."

Zebras revanchieren sich für Hinspiel-Niederlage

Kiel legte im im letzten Saisonspiel gleich los wie die Feuerwehr und ging prompt mit 3:0 in Führung. Dabei war Filip Jicha nicht einmal mit von der Partie. Der Kapitän wurde wegen einer Schambeinentzündung geschont. Nichts sollte die Meister-Party verderben, schon gar nicht eine Niederlage gegen den TBV, gegen den die Kieler ohnehin noch eine Rechnung offen hatten. Das Hinspiel hatte der Meister schließlich mit 21:27 verloren. Die klare Führung gaben die Kieler nicht mehr ab, hielten Lemgo ohne viel Mühe auf Distanz. Beste Torschützen waren mit jeweils fünf Toren der Kieler Marko Vujin sowie Lemgos Marcel Niemeyer und Jens Bechtloff.

Trostpflaster für Pleite in der Champions League

Die Fans auf dem Platz vor dem Kieler Rathaus, der nur einen Steinwurf entfernt ist von der Ostseehalle, verfolgten das finale Saisonspiel auf einer Leinwand und warteten geduldig auf ihre Helden. Denn zunächst wurde mit den 10.285 Zuschauern in der wie immer ausverkauften Handball-Arena auf den Titel angestoßen, der ein wenig auch das Trostpflaster ist für das verkorkste Final Four in der Champions League, das der THW am vergangenen Wochenende in Köln nur als Letzter abschließen konnte. Als HBL-Präsident Uwe Schwenker, der viele Jahre Manager des THW war, Kapitän Filip Jicha die Meisterschale überreichte war das Trauma dieser Niederlagen nicht das Thema, sondern die zehnte Meisterschaft in den vergangenen elf Jahren. "Das ist das Ergebnis konsequenter Arbeit. Davon können sich andere eine Scheibe abschneiden", sagte Frank Bohmann, Geschäftsführer des Ligaverbandes HBL.

Keeper Landin kommt von den Löwen

Ein bisschen Wehmut war am Freitag auch dabei - zumindest bei den Torhütern Johan Sjöstrand, Andreas Palicka und dem in der Kieler Verletzungsnot reaktivierten Steinar Ege, die wie die Rückraumspieler Aron Palmarsson und Rasmus Lauge verabschiedet wurden. Auch Linksaußen Henrik Lundström bestritt am Freitag sein letztes Spiel im THW-Trikot. Als namhafte Neuzugänge für die kommende Saison stehen bereits Keeper Niklas Landin und Torsten Jansen fest. Der Däne, der zurzeit als einer der besten Torhüter der Welt gilt, kommt vom Rivalen Rhein-Neckar Löwen. Jansen verlässt den HSV Hamburg, um in Kiel den verletzten Dominik Klein auf der Linksaußen-Position zu ersetzen.

"Zebras" mit Zylinder: Kiel feiert den THW

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