Stand: 18.04.2009 14:00 Uhr  | Archiv

Schwenker drohen angeblich Schadenersatzforderungen

In der Manipulationsaffäre um den deutschen Handball-Meister THW Kiel drohen dem zurückgetretenen THW-Manager Uwe Schwenker Schadenersatzforderungen. Das berichtet das Nachrichtenmagazin "Spiegel" in seiner neuesten Ausgabe. Demnach wollen die Gesellschafter des Clubs weiterhin Belege und Erklärungen für vier verdächtige Zahlungen in einer Gesamthöhe von 152.000 Euro. Selbst eine schriftliche Aufforderung ließ Schwenker bislang unbeantwortet. Sollten auch nach dem Ende der staatsanwaltlichen Ermittlungen wegen des Verdachtes auf Untreue keine Erklärungen kommen, drohen die Gesellschafter mit Schadenersatzansprüchen. Grund dafür sind Passagen im Gesellschaftervertrag des THW Kiel, wonach der Geschäftsführer für "Rechtsgeschäfte aller Art, deren Wert im Einzelfall 30.000 Mark übersteigt ... die vorherige Zustimmung der Gesellschafterversammlung" einzuholen hat.

Laxe Kontrollen

Allerdings scheinen die Aufsichtsgremien des Vereins die Kontrollen gegenüber Schwenker sehr lax gehalten zu haben. Sie hätten dem Manager wegen "seines jahrelangen zuverlässigen und erfolgreichen Wirkens" bei Spielerverpflichtungen und Transfers ungleich größere Vollmachten eingeräumt, so der "Spiegel". Schwenker hatte seinen Rücktritt erklärt, nachdem er nicht die geforderten Belege über die Summe beigebracht hatte. 

Neue Vorwürfe aus Flensburg

Unterdessen bereitet der renommierte Sportrechtler Thomas Summerer nach Informationen des Nachrichtenmagazins "Focus" Schadenersatzklagen für die SG Flensburg-Handewitt vor. Die Flensburger wollen demnach den THW, die möglicherweise bestochenen Schiedsrichter und den Europäischen Handball-Verband (EHF) verklagen. Dabei geht es um die Champions-League-Siegprämie in Höhe von 160.000 Euro. Der deutsche Vizemeister erhöhte noch einmal den Druck auf die EHF. Laut "Focus" reagierte der kontinentale Verband auf einen Hinweis der SG über Unregelmäßigkeiten im Spiel der Königsklasse bei HC Croatia Zagreb (25:29) am 24. Februar 2008 erst, als die Manipulationsvorwürfe gegen den THW Kiel Anfang März dieses Jahres bekannt wurden.

SG: Vier Ergebnisse nicht korrekt

"Wir fühlen uns sportlich betrogen", hieß es in einer Mitteilung der Flensburger an die EHF. Der Verband schickte angeblich erst nach mehr als einem Jahr eine unabhängige Analyse des Spiels. Dabei sei der dänische EHF-Delegierte, der die DVD-Aufnahme der Partie auswertete, zu dem Schluss gekommen, dass die Schiedsrichter in der letzten Viertelstunde immer wieder gegen die Schleswig-Holsteiner gepfiffen hätten. Die SG-Vereinsspitze geht nach internen Recherchen davon aus, dass bei vier entscheidenden internationalen Begegnungen das Ergebnis nicht korrekt zustande gekommen sei - darunter auch das Final-Rückspiel der Champions League 2007 beim THW. Die EHF hatte bereits zuvor angekündigt, nach Einsicht in die Ermittlungsakten der Kieler Staatsanwaltschaft bis zum 29. April ein Disziplinarverfahren gegen den THW einzuleiten.

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