Handball im Norden
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Auf dem Gipfel angekommen: Die Spieler des THW feiern den Champions-League-Sieg 2007.
Sie mussten lange warten, die Fans des Turnvereins Hassee-Winterbek - Handballfreunden in aller Welt besser bekannt als THW Kiel. Mehr als drei Jahrzehnte dauerte es, ehe der Traditionsverein aus dem hohen Norden seinen drei deutschen Meistertiteln von 1957, 1962 und 1963 einen weiteren hinzufügte. Doch dann wurde das Feiern zur Gewohnheit: Unter Ex-Trainer Zvonimir "Noka" Serdarusic, der nach dem Zerwürfnis mit dem damaligen Manager Uwe Schwenker im Juni 2008 gehen musste, holten die "Zebras" zwischen 1994 und 2008 gleich elfmal die Schale in die schleswig-holsteinische Landeshauptstadt. Der ganz große Wurf gelang dem Verein von der Förde allerdings in der Saison 2006/2007. Mit dem Sieg im DHB-Pokal, der 13. deutschen Meisterschaft, der den THW zum alleinigen deutschen Rekordmeister machte, und dem Triumph in der Champions League fuhr Kiel das Triple ein. Ein Erfolg, der 2012 wiederholt wurde. Und nicht nur das: Den "Zebras" gelang die perfekte Saison: Den 17. Meistertitel holten sie verlustpunktfrei - ein Novum! 2013 ging die Titelsammlung weiter: Dem neunten Pokalsieg folgte die 18. Meisterschaft.
Der Startschuss zu dieser Erfolgsstory fiel 1992, als die Profi-Mannschaft als THW Kiel Bundesliga GmbH und Co. KG vom Hauptverein THW abgekoppelt wurde. Seitdem geben sich unter den Augen von gut 10.000 Zuschauern in der regelmäßig ausverkauften Ostseehalle internationale Weltklassespieler wie Magnus Wislander (Schweden; "Welt-Handballer des Jahrhunderts"), Daniel Waskiewicz (Polen) oder Nikolaj Jacobsen (Dänemark) den Ball in die Hand. Auch in der aktuellen Mannschaft findet sich internationale Qualität, so weit das Auge reicht. Nachfolger von Serdarusic, der in 15 Jahren bei den "Zebras" 25 Titel holte, wurde Alfred Gislason. Mit dem Isländer, schon vor seinem Engagement in Kiel elf Jahre in der Bundesliga als Trainer erfolgreich, begann beim THW eine neue Zeitrechnung - geknüpft an bewährte Erfolge.
Supermänner aus Kiel: Die verkleideten THW-Spieler feiern auf dem Rathausbalkon.
2009 wurden die Schleswig-Holsteiner auch unter dem neuen Coach deutscher Meister. Zum fünften Mal in Folge, nach nur 29 Spieltagen vorzeitig - ein weiterer Rekord in der Bundesliga-Geschichte. Auch der DHB-Pokal ging an die Übermannschaft aus Schleswig-Holstein. Allerdings verpassten die Kieler den erneuten Gewinn des Triples. Wie bereits 2008 unterlag der THW im Champions-League-Finale Ciudad Real. Zudem musste der Serienmeister die Abgänge von Welthandballer Nikola Karabatic (Montpellier) sowie dem langjährigen Kapitän Stefan Lövgren (Karriereende) verkraften.
Die Saison 2008/2009 dürfte dennoch als eine der verlorenen in die Vereins-Historie eingehen, trotz überragender Leistungen der Mannschaft. Denn der einstige Vorzeigeclub stand monatelang am Pranger und kaum ein Tag verging, an dem nicht neue Vorwürfe gegen den THW laut wurden. Der Verein soll das Champions-League-Finale gegen Flensburg 2007 verschoben haben. Gegen Schwenker, der im Zuge des Skandals als Manager zurücktrat, und Serdarusic ermittelte die Staatsanwaltschaft wegen Betrugsverdachts.
Trotz aller Nebengeräusche schaffte es Gislason, sein Team auf das Sportliche zu fokussieren. So gelang in der Spielzeit 2009/2010 der zweite Erfolg in der Champions League. Beim erstmals ausgetragenen Final Four in Köln setzten sich die Schleswig-Holsteiner zunächst im Semifinale gegen Ciudad Real durch, anschließend wurde der FC Barcelona in die Knie gezwungen. Am letzten Bundesliga-Spieltag holten sich die "Zebras" zudem den 16. Meistertitel. Der perfekte Abschluss einer Spielzeit, die im Vorfeld durch zahlreiche Umbrüche im Mannschaftsgefüge eigentlich wenig Aussichten auf Erfolg zu haben schien. In der Saison 2010/2011 holte der THW neben dem DHB-Pokal auch erstmals den Titel des Vereinsweltmeisters mit einem Sieg über Ciudad Real in Doha.
Geschichte schrieben die Norddeutschen dann im Jahr darauf. Nach einem imposanten Alleingang sicherten sich die Schleswig-Holsteiner bereits am 29. Bundesliga-Spieltag die Meisterschaft. Am Ende stand die fast unglaubliche Bilanz von 68:0 Punkten. Außerdem holte der THW den DHB-Pokal und machte beim Final Four der Champions League im Endspiel gegen Atletico Madrid schließlich auch das Triple perfekt. In der Saison 2012/2013 schlagen das gewonnene Double aus Meisterschaft und Pokal zu Buche - die Champions League kann noch folgen.
| Vollständiger Vereinsname: | Turnverein Hassee-Winterbek Kiel v. 1904 e.V. |
| Gegründet: | 4. Februar 1904 |
| Gründung der Handballabteilung: | 1923 |
| Vereinsfarben: | schwarz-weiß |
| Größte Erfolge: | Champions-League-Sieger 2007, 2010, 2012, Vereinsweltmeister 2011, 18 x Deutscher Meister, 9 x Deutscher Pokalsieger, 3 x EHF-Pokalsieger, Champions-League-Finalist 2000, 2008 und 2009, Sieger Champions Trophy 2007, 4 x Super-Cup-Sieger, 2 x Deutscher Feldhandball-Meister |
| Halle: | Sparkassen Arena Kiel |
| Fassungsvermögen: | 10.250 Zuschauer |
| Anfahrt: | BAB 215 bis zum Ende, geradeaus Richtung Zentrum, beim Wegweiser "Fähren" rechts in den Ziegelteich abbiegen |
| Trainer: | Alfred Gislason |
| Co-Trainer: | - |
| Geschäftsführer: | Klaus Elwardt und Sabine Holdorf-Schust |