Stand: 20.03.2016 20:17 Uhr

Niederlage in Szeged - Enge Kiste für THW Kiel

von Ines Bellinger, NDR.de
Knallharter Kampf um jeden Ball: Christian Dissinger (r.) und Vladimir Vranjes.

Die Champions-League-Ambitionen des THW Kiel haben einen kräftigen Dämpfer erhalten. Der deutsche Handball-Rekordmeister verlor am Sonntag das Achtelfinal-Hinspiel beim ungarischen Vizemeister Pick Szeged mit 29:33 (14:16) und muss im Rückspiel am Mittwoch vor heimischem Publikum (18.30 Uhr) alles abrufen, um noch den Sprung ins Viertelfinale zu schaffen. In der Vorsaison hatten die "Zebras" im Viertelfinale ebenfalls in Ungarn verloren (29:31), zu Hause aber mit acht Toren Vorsprung gewonnen. Sollte das Team von Trainer Alfred Gislason erneut einen solchen Krafakt hinlegen, wartet in der Runde der letzten Acht ein ungleich dickerer Brocken. Im Viertelfinale träfen die Kieler auf Titelverteidiger FC Barcelona, der als Vorrundensieger das Achtelfinale überspringt. Eine höhere Hürde vor dem Final Four am 28. und 29. Mai in Köln gibt es wohl kaum.

Dissinger-Comeback weckt THW

Pick Szeged - THW Kiel 33:29 (16:14)

Tore Szeged: Ancsin 6, Vranjes 5, Bombac 4/3, Antonio Garcia 4, Balogh 4, Roberto Garcia 3, Prodanovic 3, Mindegia 3, Källman 1
THW Kiel: Marko Vujin 6/2, Cañellas 6, Brozovic 5, Duvnjak 4, Dissinger 3, Ekberg 3, Klein 2
Zuschauer: 3.200
Strafminuten: - / 4

Die Kieler kannten die heiße Atmosphäre in der Sporthalle "Varosi Sportcsamok" von der Niederlage im Viertelfinal-Hinspiel der Vorsaison. Trotzdem ließen sich die THW-Spieler in den Anfangsminuten regelrecht überrennen. Die Ungarn legten ein Höllentempo vor und waren sehr effizient vorm Tor - im Gegensatz zu den Kielern, deren fehlende Ordnung im Spielaufbau Mittelmann Domagoj Duvnjak beim Stand von 1:3 (3.) erstmals lautstark monierte. Doch erst mit der Hereinnahme von Christian Dissinger ging ein Ruck durch die Mannschaft. Der lange verletzte Europameister (Muskelbündelriss im Adduktorenbereich) feierte in der siebten Minute sein Comeback und führte sich gleich mit einer Rückraum-Rakete ein, die Szegeds spanischer Schlussmann José Manuel Sierra abprallen lassen musste - Kreisläufer Ilija Brozovic traf im Nachsetzen zum 4:4. Danach ging der THW dank zweier Duvnjak-Tore und zweier gehaltener Siebenmeter von Niklas Landin mit 6:4 in Führung (11.). Unverständlich viele technische Fehler und eine sehr schwache Wurfquote ließen die Gastgeber aber wieder vorbeiziehen. Zwei Minuten vor der Pause lag der THW mit vier Toren hinten (12:16). Die Außenspieler Dominik Klein und Niclas Ekberg brachten Kiel aber wieder in Schlagdistanz heran (14:16).

Schlendrian in der Schlussphase

In den ersten zehn Minuten nach Wiederbeginn agierten die THW-Profis konzentrierter. Angeführt vom jetzt stark verbesserten Vujin, kamen sie wieder heran. Als Zsolt Balogh einen Siebenmeter an die Latte donnerte und Szeged damit den dritten Strafwurf am Stück verballerte, nutzte Vujin auf der anderen Seite die Gelegenheit zur neuerlichen Führung (21:20/41.). Zwei Minuten später baute der Serbe sie zum 24:22 aus. Doch die Ungarn ließen sich nicht abschütteln. Auszeit Szeged (43.), Auszeit Kiel (46.) - Dissinger und Vujin blieben nach sehr robusten Abwehraktionen nur dank der großzügigen kroatischen Schiedsrichter auf dem Feld. Als Dissinger einen Siebenmeter herausholte, glich Vujin zum 26:26 aus (50.). Dissinger ging nun voran, brachte den THW wieder in Führung (27:26/51.), und die Kieler Abwehr ließ nun nicht mehr so viel zu wie in der ersten Hälfte.

Die Partie wogte hin und her. Als wiederum Szeged drei Minuten vor dem Ende mit zwei Toren Vorsprung führte (31:29), nahm Gislason noch einmal eine Auszeit. Es ging jetzt um jeden Treffer, um eine bessere Ausgangsposition für das Rückspiel zu erzielen. Doch statt selbst noch ein, zwei Tore zu werfen, kassierte Kiel zwei weitere Gegentreffer zum 29:33. "Das ist nicht unser Wunschergebnis. Jetzt gehen wir mit einem 4:0-Rückstand ins Rückspiel und müssen schauen, was wir daraus machen", sagte Dissinger bei "Sky".

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