Stand: 21.01.2016 13:10 Uhr

HSV-Torwart Bitter wechselt nach Stuttgart

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Verlässt nach acht Jahren Hamburg: Johannes Bitter.

Nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens gegen den HSV Hamburg und dem Lizenzentzug durch die HBL verlassen immer mehr Profis den Handball-Bundesligisten. Nach Adrian Pfahl (Göppingen), Torhüter Jens Vortmann (Leipzig) und Kreisläufer Ilija Brozovic (Kiel) hat in Stammkeeper Johannes Bitter der vierte Spieler einen neuen Verein gefunden. Der 33 Jahre alte Weltmeister von 2007, seit acht Jahren für die Hamburger aktiv, wechselt zum Aufsteiger TVB Stuttgart. Bei den Schwaben erhält Bitter einen Vertrag bis zum Juni diesen Jahres. "Ich wollte in Hamburg meine Karriere beenden. Wir hatten einen wunderbaren Stamm von Leuten, mit denen ich sehr eng befreundet bin. Das war meine handballerische Heimat", sagte der Routinier. Er habe den HSV "sehr traurig" verlassen und sei enttäuscht, da die Spieler viel dafür getan hätten, damit es in der nächsten Saison weitergeht: "Wir wollten dann etwas hinstellen, das auch langfristig funktioniert hätte."

Lindberg mit Berlin einig

Zudem steht Hans Lindberg vor einem Wechsel zu den Füchsen Berlin. Verabschiedet hatte sich der dänische Nationalspieler schon. Via Facebook bedankte sich der 34-Jährigue bei den Fans des HSV Hamburg am vergangenen Sonnabend für "neun unglaublich schöne Jahre" und zeigte sich "geschockt" über die ganze Dimension der HSV-Pleite. Wohin es ihn zieht, hatte Lindberg da allerdings nicht verraten. Es wird die Hauptstadt sein. Bob Hanning, Manager des Hamburger Bundesliga-Konkurrenten Füchse Berlin, bestätigte der ARD, dass der Wechsel des treffsicheren Dänen zum Tabellensechsten der HBL beschlossen sei. Unterschrieben sei allerdings noch nichts, sagte Hanning "handball-world.com".

Torgarant aus Dänemark

Lindberg, der seit 2007 die Raute trug und mit dem HSV den DHB-Pokal (2010), die Meisterschaft (2011) und die Champions League (2013) gewann, war einer der großen Leistungsträger für die Hanseaten. In den Torjägerlisten ohnehin immer vorne mit dabei, brachte der Rechtsaußen in der Saison 2012/2013 das Kunststück fertig, in allen drei Wettbewerben Torschützenkönig zu werden. Auch in der aktuellen Bundesliga-Serie liegt Lindberg mit bislang 148 Treffern auf Rang zwei, hinter Petar Nenadic von den Füchsen (151), mit dem er nun bald gemeinsam auf Torejagd gehen wird.

Lindberg: Fitzek hat uns direkt ins Gesicht gelogen

Dass dem Dänen das bevorstehende Bundesliga-Aus seines HSV nahegeht, ist offensichtlich. Lindberg kritisierte Geschäftsführer Christian Fitzek öffentlich hart. "Ich habe einen Geschäftsführer, der uns direkt ins Gesicht gelogen hat. Er hat gesagt, wir sollten nichts überstürzen. Und dann erfährt man, dass es stattdessen keinerlei Chance für das Überleben des Vereins gibt. Es ist schwer zu verstehen, was gerade passiert", hatte Lindberg der dänischen Zeitung "Extra Bladet" gesagt. Fitzek drohen rechtliche Konsequenzen. Es besteht der Verdacht der Insolvenzverschleppung. Zudem muss Fitzeks Rolle bei der ominösen Zusatzvereinbarung mit Mäzen Andreas Rudolph geklärt werden. Hier steht sogar der Vorwurf des Betrugs im Raum.

Alltag beim HSV "das reinste Chaos"

Lindberg spielt mit der dänischen Nationalmannschaft derzeit bei der EM in Polen. Es gefalle ihm dort wesentlich besser als beim HSV, wo der Alltag seiner Kollegen "das reinste Chaos" sei. Eine Rückkehr an die Elbe wird es für den zweimaligen Europameister und Vize-Weltmeister nun nur geben, um seinen Umzug nach Berlin zu organisieren. Wehmut wird sicherlich dabei sein. "Ich dachte, dass wir in dieser Stadt den Rest unseres Lebens bleiben", hatte Lindberg bei Facebook geschrieben.

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