HSV Hamburg: Ein "Projekt" auf Schlingerkurs
Erst Negativ-Schlagzeilen, dann Meister, dann wieder Sorgenkind: Das ist der HSV Hamburg. mehr
Es ging hoch her in der Campushalle: Michael Knudsen (2.v.l.) umringt von HSV-Spielern.
Die Handballer der SG Flensburg-Handewitt haben erfolgreich Revanche genommen und dem HSV Hamburg die erste Niederlage der Saison in der Champions League zugefügt. Die Mannschaft von Trainer Ljubomir Vranjes behauptete sich am Sonntag im kampfbetonten Nordderby vor heimischer Kulisse mit 29:26 (14:12) und schloss damit in der Gruppe A zu den bis dato ungeschlagenen Hamburgern auf. Beide Nordteams haben beste Chancen auf den Einzug ins Achtelfinale. Das Hinspiel vor einer Woche hatten die Schleswig-Holsteiner mit 28:31 verloren. Matchwinner der SG war Nationalspieler Holger Glandorf, der sieben Tore erzielte und in der dramatischen Schlussphase kühlen Kopf bewahrte. Auf Hamburger Seite war Domagoj Duvnjak ebenfalls mit sieben Treffern der beste Schütze. "Das war ein hammerharter Kampf", sagte der Flensburger Thomas Mogensen. "Am Ende waren die Batterien einfach leer." HSV-Trainer Martin Schwalb sah die Rivalen auf Augenhöhe: "Beide Teams hatten die Chance das Spiel zu gewinnen, aber wir haben zum Schluss ein paar Fehler zu viel gemacht."
Zuschauer: 5.466
Tore für Flensburg: Glandorf (7), Eggert (6/2), Knudsen (5), Mogensen (4), Svan Hansen (5), Weinhold (1), Heinl (1)
HSV: Duvnjak (7), Lijewski (5), Lindberg (4/1), Kraus (2), Petersen (2), Schröder (2), Hens (2), Flohr (1), Vori (1)
Die Hoffnung, den Hamburgern ein Bein stellen zu können, war bei Flensburg wegen der personellen Probleme im Rückraum getrübt. In Petar Djordjic (Kreuzbandriss), Lars Kaufmann (Knie-OP) und Arnor Atlasson, der sich im Hinspiel die Achillessehne gerissen hatte, beklagt die SG gleich drei langfristige Ausfälle. Zwar wurde in Olafur Gustafsson schnell Ersatz verpflichtet, doch der Isländer war gegen Hamburg noch nicht spielberechtigt und musste zuschauen. Aber auch die Hamburger sind vom Pech verfolgt. Bei der 26:34-Niederlage in Göppingen brach sich Blazenko Lackovic erneut den Zeigefinger seiner Wurfhand. Wie schon im Hinspiel kam Flensburg besser ins Spiel. Anders Eggert brachte die SG in der achten Minute erstmals in Führung (5:4), kurz darauf waren die Gastgeber schon auf drei Tore enteilt. Das 8:5 war das Signal für Schwalb, die erste Auszeit zu nehmen.
Flensburgs bester Schütze Holger Glandorf hatte kurz vor der Pause Glück, als die Schiedsrichter seinen Wurf im Tor sahen.
Schwalb monierte vor allem das Angriffsspiel seines Teams: Die Hamburger spielten am Kreis zu viel quer und zu wenig in die Tiefe. Und in der Defensive wollte der Trainer seine Mannschaft aggressiver sehen, vor allem wenn die im Rückraum geschwächten Flensburger mit zwei Kreisläufern ihr Glück versuchten. In der 24. Minute glich der HSV zum 10:10 aus. Doch beim nächsten Flensburger Angriff kassierte Michael Kraus zwei Minuten und einen Siebenmeter, als er Lasse Svan Hansen in den Wurfarm griff. Den Vorteil konnte die SG nicht lange auskosten, denn wenige Sekunden später gab es eine Doppel-Zeitstrafe gegen Svan Hansen und Jacob Heinl. Flensburg nahm schließlich einen 14:12 mit in die Pause - auch weil das Schiedsrichtergespann beim 13:11 von Glandorf übersehen hatte, dass HSV-Keeper Dan Beutler den Ball vor der Torlinie abgewehrt hatte.
Flensburgs Trainer Ljubomir Vranjes intervenierte zur rechten Zeit.
Mit Wut im Bauch kam der HSV aus der Kabine und nutzte ein kleines Zwischenhoch zum 15:15 (35.). Dann ging es hin und her: Flensburg schlug zurück und sorgte für ein Vier-Tore-Polster (19:15/42.). Die nächsten drei Minuten gehörten wieder den Hamburgern. Stefan Schröder zauberte einen Dreher von Rechtsaußen zum 19:19 in die Maschen (45.) und der nun starke Beutler parierte gegen Steffen Weinhold. Den folgenden Tempogegenstoß nutzte Lijewski zum 20:19 und der ersten HSV-Führung seit der sechsten Minute. SG-Trainer Vranjes war außer sich, sah er doch wie im Hinspiel trotz deutlicher Führung die Felle der Flensburger davonschwimmen. "Wer keine Eier hat, seine Nase da reinzustecken, der kann nach Hause gehen", stauchte er seine Spieler in der Auszeit zusammen. Diese deftige Ansage schien seine Männer zu beeindrucken. Angeführt vom überragenden Glandorf kämpften sie verbissen um jeden Ball und gingen diesmal verdient als Sieger vom Feld.