Das Final Four in Köln
Halbfinals:
KS Kielce - FC Barcelona 23:28 (10:13)
THW Kiel - HSV Hamburg 33:39 (16:19)
Spiel um Platz drei:
KS Kielce - THW Kiel 31:30 (19:12)
Finale:
FC Barcelona - HSV Hamburg 29:30 (25:25/11:9) n.V.
Marcin Lijewski (M.) und seine Kollegen rangen lange mit der bärenstarken Barca-Abwehr - und knackten sie.
Die Handballer des HSV Hamburg haben den größten Erfolg der Vereinsgeschichte perfekt gemacht und erstmals die Champions League gewonnen. Nach dem Halbfinal-Coup gegen Titelverteidiger THW Kiel wuchsen die Hamburger auch am Sonntag in Köln gegen Rekordsieger FC Barcelona über sich hinaus und entschieden ihr erstes Endspiel in der Königsklasse mit 30:29 (25:25, 9:11) nach Verlängerung für sich. 350.000 Euro Siegprämie kassierte der deutsche Meister von 2011, der im September mit einer Wildcard in die Gruppenphase gegangen war und nun mit der wichtigsten Trophäe im Vereinshandball nach Hause kommt. Als Champions-League-Sieger haben sich die Hamburger erneut für das Wildcard-Turnier qualifiziert, unter Umständen erhalten sie vom europäischen Verband sogar einen direkten Startplatz für die neue Saison in der Königsklasse.
Nach dem Abpfiff der Verlängerung gab es kein Halten mehr bei den Hamburgern, die nach dem Europacup der Pokalsieger vor sechs Jahren ihren zweiten internationalen Titel bejubelten. "Wir haben an unsere Chance geglaubt und das hat man gesehen", sagte Matchwinner Michael Kraus, der den HSV nach der Saison Richtung Göppingen verlässt. "Wir dürfen uns jetzt die Könige von Europa nennen, und das tut einfach gut." Kapitän Pascal Hens konnte sein Glück noch nicht fassen, als er um 20.26 Uhr die Trophäe in die Höhe stemmte: "Wir haben die Champions League. Wir sind Europas beste Mannschaft. Das ist der Wahnsinn", stammelte er. Der entthronte Titelverteidiger THW Kiel gratulierte den Hamburgern via Facebook: "Wer an einem Wochenende Barcelona und den THW Kiel schlägt, ist ein würdiger Champion!"
Zuschauer: 20.000
Tore für Barcelona: Rutenka (8/2), Tomas (7), Gurbindo (3), Garcia (3), Nöddesbo (3), Sarmiento (2), Sorhaindo (1), Stranovsky (1), Montoro (1)
HSV: Kraus (6), Lindberg (6/3), Petersen (5), Duvnjak (4), Lijewski (3), Vori (2), Jansen (2), Lackovic (2)
"Das ist eine Herkulesaufgabe: erst Kiel zu schlagen und dann den FC Barcelona", hatte HSV-Trainer Martin Schwalb vor dem Endspiel gesagt. "Aber wir werden alles in die Waagschale werfen." Schwalb hatte seine Mannschaft wie schon im Nordderby hervorragend eingestellt. Nach der kräftezehrenden Partie gegen Kiel präsentierte sich der HSV gut erholt und stemmte sich mit Leidenschaft dem technisch stärkeren Starensemble aus Spanien entgegen. Das Schwalb-Team ging in der ersten Hälfte zwar nie selbst in Führung, ließ Barca aber auch nie weiter als auf zwei Tore davonziehen. Die Abwehr leistete Schwerstarbeit, und Torwart Johannes Bitter war wie schon am Vortag ein starker Rückhalt. In der Offensive versuchten es die HSV-Spieler aber zu selten über ihre Außenspieler. Domagoj Duvnjak, gegen Kiel mit elf Treffern noch der überragende Werfer, rieb sich immer wieder in Scharmützeln am Kreis auf. Beim Stand von 9:11 zur Pause war noch alles offen.
HSV-Torwart Johannes Bitter wuchs einmal mehr über sich hinaus.
Mit Wiederanpfiff wechselte Schwalb Kraus ein, der noch sechs Tore erzielte und schließlich zum Matchwinner wurde. Die Hamburger gerieten nach wenigen Minuten zwar mit drei Toren in Rückstand (10:13/35.), doch dann legte der HSV einen Drei-Tore-Lauf hin. Hans Lindberg gelang nach einem Tempogegenstoß das 13:13 (35.). Spätestens als Igor Vori den HSV zum 16:15 erstmals in Front brachte (43.), sah Barca-Trainer Xavi Pascual seine Felle davonschwimmen. Er nahm eine Auszeit - acht Minuten später hatte Barcelona wieder zum 20:20 ausgeglichen. Nun entwickelte sich ein Krimi ganz nach dem Geschmack der 20.000 Zuschauer. Beim Stand von 25:25 wehrte Bitter einen Freiwurf ab - und es ging in die Verlängerung. Dort legte der HSV zweimal eine Zwei-Tore-Führung vor, doch Barca glich zum 29:29 aus (68.). Lindberg verwandelte im Gegenzug einen Siebenmeter zum 30:29. Die restlichen anderthalb Minuten überstand der HSV mit Glück und Geschick.
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