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"Angeklagte sind juristische Versuchskaninchen"

Ex-THW-Manager Uwe Schwenker spricht vor Journalisten. © dpa Detailansicht des Bildes Ex-THW-Manager Uwe Schwenker spricht vor Journalisten. Kurz vor Beginn des Strafprozesses am 21. September um die angebliche Manipulationsaffäre beim deutschen Handball-Rekordmeister THW Kiel hat sich Ex-Manager Uwe Schwenker auf NDR Info erstmals seit Monaten zu dem Fall geäußert. Er sei froh, dass der Prozess jetzt beginne. Endlich werde "auch zur Sprache kommen, was wirklich gelaufen ist". Der 52-Jährige ist wie der frühere THW-Trainer Zvonimir "Noka" Serdarusic vor dem Kieler Landgericht wegen Untreue beziehungsweise Beihilfe zur Untreue sowie Bestechung im geschäftlichen Verkehr angeklagt. Die beiden sollen die zwei polnischen Schiedsrichter des Champions-League-Final-Rückspiels 2007 bestochen haben. Damals setzte sich der THW Kiel nach dem Remis im Hinspiel mit 29:27 gegen die SG Flensburg-Handewitt durch. Auch die Rechtsanwälte der Angeklagten sind zuversichtlich: "Es wird sich schnell die Unschuld der Angeklagten erweisen", heißt es in einer Pressemitteilung.

"Sah keine andere Möglichkeit, als abzutauchen"

Sein Schweigen in den vergangenen Monaten begründete Schwenker im Gespräch mit dem Nachrichtenradio mit dem Druck der Öffentlichkeit. "Es ist - man kann schon sagen - ein Medien-Tsunami über mich hinübergegangen, dem man nur schwer standhalten kann. Ich sah keine andere Chance, als erst mal abzutauchen, abzuwarten und zu hoffen, dass die Dinge sich mit ein bisschen Abstand versachlichen." Auf die Vorwürfe gegen ihn wollte Schwenker allerdings nicht konkret eingehen. "Zu den inhaltlichen Fragen des Verfahrens kann und will ich keine Stellung nehmen", so der ehemalige THW-Manager. Er hoffe, dass der Prozess bis zum Jahresende abgeschlossen sein wird.

Nach wie vor enge Bindung zum THW-Kiel

Manager Uwe Schwenker (l.) und Trainer Zvonimir Serdarusic © livingsports Detailansicht des Bildes Kiels ehemaliger Manager Uwe Schwenker (l.) und Ex-Trainer Zvonimir Serdarusic beim Gespräch an der Seitenlinie. Schwenker hat wie Serdarusic bisher jegliche Schuld in der angeblichen Manipulationsaffäre bestritten. Zu seinem Ex-Verein hat der frühere Handball-Nationalspieler Schwenker nach eigenen Worten noch immer eine enge Beziehung. "Ich liebe diese Sportart und ich liebe den THW Kiel. Es gibt diese große Verbundenheit natürlich immer noch zu vielen Spielern und zu Alfred Gislason", dem aktuellen Trainer. Schwenker war fast 30 Jahre lang Spieler und Manager beim deutschen Handball-Rekordmeister. "Ich habe, glaube ich, auch eine große Lebensleistung für den THW vollbracht. Dass der Verein zu einem der Top-Clubs Europas aufgestiegen ist, ist sicherlich durch meine Mitwirkung geschehen. Und vor dem Hintergrund kann ich nicht einsehen, warum ich mich hier in Kiel verstecken sollte." Noch immer besucht Schwenker regelmäßig die Heimspiele der Kieler und hat seinen festen Sitzplatz.

"Zwei völlig unbescholtene Bürger"

Über 20 Verhandlungstage sind vor dem Landgereicht angesetzt. Eine Entscheidung fällt möglicherweise erst 2012. In dem Verfahren werden nach Informationen von NDR Info Ende Oktober und Anfang November auch die beiden polnischen Schiedsrichter vor dem Gericht erscheinen, die 2007 das betreffende Spiel gegen Flensburg leiteten. "Zwei bislang völlig unbescholtene Bürger, die es im Welthandball zu allerhöchsten Ehren und völlig unbestreitbaren Verdiensten gebracht haben, werden zu juristischen Versuchskaninchen", betont die Verteidigung. Derweil wird schon seit Monaten über eine Rückkehr Schwenkers zum THW Kiel spekuliert. Die wäre allerdings sicher nur dann möglich, wenn der Prozess mit Freispruch endet. "Ich habe erst mal diese Baustelle abzuarbeiten", meinte Schwenker selbst. Über die Zeit nach dem Prozess mache er sich im Moment noch keine Gedanken.

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