Kein Handballclub in Deutschland hat in den vergangenen Jahren so viele Trophäen einheimsen können wie der THW Kiel. Die Siegesfeiern auf dem Rathausplatz geraten schon fast zu einer Dauerveranstaltung.
2002 präsentieren Demetrio Lozano (l.) und Julio Fis (r.) den EHF-Pokal und die Meisterschale im Seemannsdress auf dem Rathausbalkon.
Schon 18 Mal sicherten sich die Schleswig-Holsteiner die deutsche Meisterschaft: 1957, 1962, 1963, 1994, 1995, 1996, 1998, 1999, 2000, 2002, 2005, 2006, 2007, 2008, 2009, 2010, 2012 und 2013. Damit sind sie Rekordmeister.
Er hatte lange Zeit großen Anteil an der Kieler Erfolgsstory: Ex-Trainer Zvonimir "Noka" Serdarusic. 1993 heuerte er als Übungsleiter beim THW an, fortan eilten die "Zebras" von Titel zu Titel. Im Juni 2008 muss er nach internen Querelen gehen.
Der Coach machte keine Kompromisse, verbannte sogar Weltmeister-Keeper Henning Fritz (Mitte) auf die Bank. Der Torwart verlässt nach der Saison 2006/07 genervt den Verein.
Dennoch: Die Ansprache stimmte. Elf Meisterschaften holte Serdarusic mit Kiel an die Förde. Weitere Erfolge mit dem THW: EHF-Pokalsieg 1998, 2002 und 2004; Supercup-Sieg 1995, 1998, 2005 und 2007; DHB-Pokalsieg 1998, 1999, 2000, 2007 und 2008; Champions-League-Finale 2000 und 2008. Und: Triumph in der Königsklasse 2007.
Kiels Geschäftsführer Uwe Schwenker zog bis zum Bestechungsskandal 2009 die Fäden. Der frühere Nationalspieler trug als Aktiver den Spitznamen "Mister Gegenstoß". Seit 1980 war das Urgestein beim THW.
Immer wieder beweist der Verein einen guten Riecher und verpflichtet Ausnahmespieler - wie zum Beispiel Nikola Karabatic. Der Serbe mit französischer Staatsbürgerschaft spielte von 2005 bis 2009 für die "Zebras".
Auch er gehörte zu den ganz Großen in Kiel: Klaus-Dieter Petersen, der 2005 nach zwölf Jahren im THW-Trikot mit einer Abschiedsgala seine Karriere als aktiver Spieler beendet.
Diese drei Akteure werden die Kieler Fans ebenfalls nicht vergessen: Piotr Przybecki (v.l.), Nikolaj Jacobsen und Demetrio Lozano geben 2004 ihren Abschied bekannt.
Doch einer überragt sie alle: Magnus Wislander, Handballer des Jahrhunderts. Von 1990 bis 2002 spielt der Schwede in Kiel. Nach seinem Karriereende vergibt der THW die Nummer zwei ihm zu Ehren an keinen anderen Spieler mehr.
Das Maskottchen der "Zebras": Hein Daddel, benannt nach dem früheren Nationalspieler Heinrich "Hein" Dahlinger.
Der zweimalige Weltmeister auf dem Feld, der mit Kiel in den Jahren 1948 und 1950 Meister auf dem Feld sowie 1957, 1962 und 1963 in der Halle wurde, stirbt am 31. Januar 2008 im Alter von 85 Jahren in einem Krankenhaus in Rendsburg an Nierenversagen. Eine ganze Handball-Region trauert.
2. Juni 2007, ein absoluter Glanzpunkt in der THW-Historie: Die "Zebras" feiern mit dem Triple aus Champions League, Meisterschaft und Pokalsieg eine grandiose Saison.
Der Club ist auf dem Höhepunkt angekommen - und belohnt auch die treuen Fans: Die Ostseehalle, die 10.250 Zuschauer fasst, ist fast immer ausverkauft.
Nach dem Gewinn der Meisterschaft lassen sich die Spieler in Königsmänteln mit Zebra-Kragen durch die Stadt kutschieren. Hier sind es Pelle Linders (v.l.), Kim Andersson, Nikola Karabatic und Thierry Omeyer.
Vollständig machen konnten die Kieler das Triple mit einem Sieg am letzten Bundesliga-Spieltag gegen Nordhorn. Bis dahin hatte sich die Mannschaft ein packendes Saisonrennen mit dem HSV und Flensburg geliefert.
Aber der größte Triumph ist der Sieg im Champions-League-Finale gegen den Dauerrivalen SG Flensburg-Handewitt.
2000 hatte der Däne Nikolaj Jacobsen noch vergeblich gefleht: Sein THW zieht im Endspiel der Königsklasse gegen den FC Barcelona knapp den Kürzeren.
Sieben Jahre später setzt sich Kiel zum ersten Mal die Krone des europäischen Handballs auf - und wird dafür mit einem angemessen großen Pokal belohnt.
Dagegen nimmt sich der DHB-Pokal ausgesprochen klein aus. Doch die Freude über den Cupgewinn ist bei Henrik Lundström (v.l.), Kim Andersson, Vid Kavticnik und Nikola Karabatic trotzdem groß.
2008 schreiben die Schleswig-Holsteiner die Erfolgsgeschichte nahtlos fort: Beim Final Four in Hamburg sichern sie sich mit einem Sieg über den HSV zum fünften Mal in der Clubgeschichte den DHB-Pokal.
Auch die deutsche Meisterschaft geht erneut nach Kiel. Und einmal mehr wird auf dem ehrwürdigen Rathausbalkon gefeiert.
Nur in der Champions League gelingt die Titelverteidigung nicht. Filip Jicha und Co. gewinnen zwar das Hinspiel beim spanischen Spitzenclub Ciudad Real knapp, ziehen aber vor heimischer Kulisse mit sechs Toren den Kürzeren.
2009 dasselbe Bild: Erneut scheitern die Kieler im Champions-League-Finale an Ciudad Real. Ein Fünf-Tore-Polster aus dem Hinspiel reicht nicht. In Spanien kassieren die Schleswig-Holsteiner eine bittere 27:33-Pleite und müssen sich wieder mit dem zweiten Platz in der Königsklasse zufrieden geben.
National ist an dem Team von Trainer Alfred Gislason allerdings kein Vorbeikommen. In Hamburg gewinnt der THW zum dritten Mal in Folge den DHB-Pokal.
Auch in der Bundesliga beherrschen die Kieler einmal mehr die Konkurrenz nach Belieben und sichern sich bereits fünf Spieltage vor Saisonschluss die 15. deutsche Meisterschaft.
Trotzdem steht dem Dauer-Champion ein Umbruch bevor. Rückraum-Star Nikola Karabatic bricht seine Zelte an der Kieler Förde ab und wechselt zu Montpellier HB in seine französische Heimat. Vid Kavticnik folgt seinem Freund und Teamkollegen.
Zudem müssen die Kieler in Zukunft ohne Kapitän Stefan Lövgren auskommen. Mit dem Abschied des 38-jährigen Schweden, der seine Karriere beendet, geht beim THW eine Ära zu Ende.
Doch auch ohne Lövgren setzt sich die Kieler Erfolgsgeschichte fort. Beim erstmals ausgetragenen Final-Four-Turnier um die Champions League in Köln steht der THW am 30. Mai 2010 gegen Barcelona im Finale.
Und nach dramatischen 60 Minuten steht es 36:34 für die Schleswig-Holsteiner. Der zweite Triumph in der europäischen Königsklasse ist perfekt.
Am letzten Bundesliga-Spieltag der Saison 2009/2010 feiern die Kieler zudem zum sechsten Mal in Folge die Meisterschaft. Das grandiose i-Tüpfelchen auf eine Saison, die alles andere als vielversprechend begonnen hatte.
In der Saison 2010/2011 werden die "Zebras" zwar nicht Meister, sichern sich aber zum siebten Mal den DHB-Pokal, ...
... zudem gelingt erstmals der Sieg bei der Vereins-WM: Im Finale in Doha in Katar siegt der THW gegen den spanischen Spitzenclub Ciudad Real.
In der Spielzeit 2011/2012 schreiben die "Zebras" Geschichte. Bereits am 29. Bundesliga-Spieltag sichern sich die Schleswig-Holsteiner die 17. Meisterschaft. Nach einem 32:27 gegen Magdeburg ist dem THW der Titel nicht mehr zu nehmen. Am Ende gelingt sogar eine perfekte Saison mit 68:0 Punkten.
Außerdem gewinnen die "Zebras" zum zweiten Mal in Folge den DHB-Pokal. Im Finale bezwingen die Schleswig-Holsteiner den Landesrivalen SG Flensburg-Handewitt.
Die Krönung der Gigantensaison 2011/2012 erfolgt Ende Mai mit dem Gewinn der Champions League. Der THW bezwingt im Finale Atletico Madrid und holt zum zweiten Mal in seiner Vereinsgeschichte das Triple.
Rund 20.000 Fans feiern die Überflieger auf dem Kieler Rathausmarkt, die alle drei Trophäen im Gepäck haben.
In der Saison 2012/2013 verteidigt der THW zunächst seinen Titel im DHB-Pokal: Im Finale bezwingen sie den ewigen Rivalen Flensburg-Handewitt mit 33:30 ...
... das gelingt ihnen auch in der Meisterschaft: Nach einem begeisternden 31:25-Sieg gegen die Rhein-Neckar Löwen steht der 18. Triumph fest.
Beim Final Four in der Champions League strecken sich Aron Palmarsson (M.) und seine Kollegen dann aber vergeblich. Nach einer 33:39-Niederlage gegen den Nordrivalen HSV im Halbfinale und einem 30:31 gegen KS Kielce im "kleinen Finale" belegt der große Favorit den letzten Platz. Der Traum von einer Wiederholung des Triples ist ausgeträumt.