Stand: 29.12.2011 21:00 Uhr
HSV-Handballer entlassen Trainer Carlén
Zu oft gab es beim HSV und Trainer Per Carlén in dieser Saison lange Gesichter.
Der 34:29-Sieg gegen Göppingen zum Jahresende änderte am Fazit auch nichts mehr. Zu enttäuschend verlief das Halbjahr für die Handballer des HSV Hamburg. Und so zogen die Verantwortlichen am Donnerstagabend die Reißleine: In einer kurzen Presseinformation teilten die Hanseaten mit, dass Trainer Per Carlén, der erst im Juni beim deutschen Meister angeheuert hatte, mit sofortiger Wirkung beurlaubt worden sei. Gründe nannte der HSV keine, nach Informationen von NDR 90,3 waren die Vorwürfe aus der Mannschaft aber schwerwiegend: Der 51-jährige Schwede habe kein schlüssiges taktisches Konzept, gebe widersprüchliche Anweisungen und sein Deutsch sei so schlecht, dass er insbesondere ausländischen Spielern überhaupt nicht klarmachen könne, was er wolle. Die Beschwerden landeten bei Präsident und Meistertrainer Martin Schwalb und der handelte. "Wir werden die für den HSV beste Lösung finden", sagte Schwalb NDR 90,3. "Wir haben jetzt genügend Zeit, um zu beraten." Anfang Januar soll die Trainersuche beginnen.
Das große Rätseln: Wer wird neuer HSV-Coach?
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Nach nur knapp sechs Monaten ist die Amtszeit von Per Carlén beim HSV Hamburg bereits wieder beendet. Der Verein zog mit der Entlassung des Schweden die Konsequenzen aus der schwachen Hinrunde. Wer aber folgt beim Meister auf Carlén?
Der frühere Weltklasse-Handballer Talant Duschebajew wartet angeblich sehnsüchtig auf seine Chance, Trainer in der Bundesliga zu werden. Derzeit arbeitet der Kirgise erfolgreich beim spanischen Top-Club Atletico Madrid. Bei den Hamburgern galt er als Wunschtrainer, nun ist der Wechsel aber offenbar geplatzt.
Als Kandidat wird in den Medien der frühere Meistertrainer des THW Kiel, Zvonimir "Noka" Serdarusic, gehandelt. Der 61-Jährige wurde im Handball-Manipulationsprozess freigesprochen, seinem Comeback in der Bundesliga stünde nichts im Wege.
Ebenfalls im Gespräch ist Michael Roth vom Bundesliga-Konkurrenten MT Melsungen. Der frühere Nationalspieler leistet bei den Hessen hervorragende Arbeit. Da er zudem als guter Freund von HSV-Präsident Martin Schwalb gilt, wird sein Name an der Elbe zwangsläufig gehandelt.
Markus Baur hat eine Verlängerung seines Kontrakts beim TuS Nettelstedt-Lübbecke abgelehnt. Nun könnte der Weltmeister von 2007 beim HSV anheuern. Allerdings soll Baur vor einem Engagement beim Deutschen Handballbund (DHB) stehen.
Ola Lindgren feierte mit der HSG Nordhorn von 2003 bis 2009 große Erfolge. Sein anschließendes Engagement bei den Rhein-Neckar Löwen verlief unglücklich. Dennoch genießt der frühere Kreisläufer einen ausgezeichneten Ruf in der deutschen Handball-Szene.
Bereits seit 2004 coacht Velimir Petković FA Göppingen. In der vergangenen Serie führte der Bosnier die Schwaben überraschend zum Erfolg im EHF-Cup der Pokalsieger. Petković gilt als "Taktik-Fuchs". Und eben einen solchen sucht der HSV.
Sead Hasanefendić musste vor einigen Wochen den Stuhl beim VfL Gummersbach räumen. Und das, obwohl der Serbe die Oberbergischen in den vergangenen beiden Jahren zu zwei Europapokal-Siegen geführt hatte. Hasanefendić gilt als exzellenter Taktiker. Zudem verfügt er über große internationale Erfahrung.
Eine naheliegende Lösung wäre, dass Carléns Vorgänger Martin Schwalb die Mannschaft übergangsweise wieder trainiert. Der Einfluss des Präsidenten auf das Team soll noch immer groß sein. Findet sich nicht schnell ein geeigneter neuer Coach, würde Schwalb wohl bis zum Saisonende auf die Bank zurückkehren.
Vielleicht entscheidet sich der HSV aber auch für eine Übergangslösung mit einem Spielertrainer. Routinier Guillaume Gille wäre dann ein aussichtsreicher Kandidat.
Vielleicht entscheidet sich der HSV aber auch für eine Übergangslösung mit einem Spielertrainer. Routinier Guillaume Gille wäre dann ein aussichtsreicher Kandidat.
Schwalb rechnet mit vielen Interessenten
Während Rekordmeister und Dauerrivale THW Kiel mit 36:0 Punkten an der Tabellenspitze einsam seine Bahnen zieht, ist der HSV mit bereits vier Niederlagen momentan lediglich auf Rang drei. Die Titelverteidigung als erklärtes Saisonziel ist bereits so gut wie abgeschrieben. Carlén war nur eine halbe Saison im Amt, sein Dreijahresvertrag dürfte ihm allerdings eine satte Abfindung bescheren. Einen Nachfolger wollen die HSV Handballer bis Ende Januar gefunden haben, so lange dauert die Spielpause in der Bundesliga. Schwalb wollte sich nicht dazu äußern, ob er selbst auf den Trainerposten zurückkehrt. Er gehe allerdings von vielen Interessenten für den Job aus. Als Kandidaten gelten die Bundesliga-Trainer Michael Roth aus Melsungen und Markus Baur, der beim TuS N-Lübbecke bereits seinen Abschied zum Saisonende verkündet hatte. Der langzeitverletzte Trainersohn Oscar Carlén, der als Rückraumspieler gemeinsam mit seinem Vater nach Hamburg gewechselt war, soll beim HSV bleiben.
Carlén: erst Abschied von Titelverteidigung, dann vom HSV
Rückblick: HSV-Coach Martin Schwalb (r.) und Vereinschef Andreas Rudolph beim Feiern.
Noch am Mittwoch hatte Carlén gesagt, er wolle "diesen Riesen-Fehlstart in Ruhe analysieren". Den Kielern gratulierte er zu ihrer Leistung: "Die haben super gespielt. Die haben jedes Spiel einhundert Prozent gegeben. Sie spielen clever und mit Emotionen." Die Leistung des eigenen Teams hatte er als "bis jetzt ganz okay" bezeichnet. An die Titelverteidigung verschwendete er aber keinen Gedanken mehr und meinte, der HSV müsse "vielleicht nach einem Champions-League-Platz schauen". Das war offenbar zu viel für Schwalb, der zur gleichen Zeit bereits anmahnte: "Zur Halbzeit sind noch nie irgendwelche Titel vergeben worden. Es ist nicht mehr so einfach, den Titel erfolgreich zu verteidigen, aber wir werden kämpfen bis zum letzten Atemzug." Allerdings ohne den Coach.
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1999 gegründet, 2005 fast insolvent und 2011 Meister: Die bewegendsten Momente in der Historie des HSV Hamburg in Bildern.
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Mit neuem Trainer und zwei neuen Spielern aus Flensburg geht der HSV Hamburg die Operation "Titelverteidigung" in der Bundesliga an. Das Aufgebot der Hanseaten in Bildern.
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