SG Flensburg-Handewitt - Der "ewige Zweite"
Nach langer Durststecke Europapokalsieger 2012: Das ist die SG Flensburg-Handewitt. mehr
Gab den Takt bei der Derbysieg-Feier vor: Flensburgs Spielmacher Thomas Mogensen
Ein junger Mann tickte Thomas Mogensen an. Der Spielmacher der SG Flensburg-Handewitt verstand sofort: Er war diesmal der Auserwählte, der sich durch die Massen auf die Nordtribüne der "Hölle Nord" drängen musste, um von dort aus mit einem Megaphon den Takt für die "Humba" vorzugeben. Ein Ritual, das Fans und Mannschaft des Handball-Bundesligisten nach großen Siegen gemeinsam pflegen. Und vielmehr als ein 35:29-Sieg im Schleswig-Holstein-Derby gegen den Erzrivalen THW Kiel geht in Flensburg nicht. Mogensen skandierte also, zwar total erschöpft, aber überglücklich. "Mit diesen Zuschauern im Rücken vergisst man alle Schmerzen", strahlte der Däne, der am 22. September 2007 sein Derby-Debüt gegeben hatte, damals mit einem Sieg. Doch seitdem hatte der 29-Jährige auf eine Wiederholung warten müssen. Bis zu diesem Mittwochabend. Nach 14 vergeblichen Anläufen in den vergangenen fünf Jahren besiegten die Flensburger den Rekordmeister. Nun wurde gemeinsam gejubelt, getanzt und gesungen.
Flensburgs Anders Eggert feiert mit den SG-Fans.
Die Flensburger Spieler waren voll des Lobes über die Gänsehaut-Atmosphäre. Viele sprachen von der besten Unterstützung, die ich es in der "Hölle Nord" je gegeben habe. "Weihnachten ist immer eine besondere Stimmung. Und gegen Kiel verdoppelt sich das", meinte Linksaußen Anders Eggert. "Wir mussten da einfach nur mitgehen." Und Rückraum-Ass Holger Glandorf staunte: "Die Zuschauer haben sogar geklatscht, als wir aus der Pause zurückkehrten." Das frenetische Publikum war das Eine, doch am erstaunlichsten war die mentale Stärke der Flensburger Handballer an diesem Abend. Drei Tage zuvor bei Schlusslicht Essen noch sehr fahrig in den Aktionen, stimmte nun fast alles. Und das mit knappen Bordmitteln. Während Rekordmeister Kiel im Rückraum permanent rotieren konnte und dennoch vergeblich nach dem Rhythmus suchte, mussten die Hausherren mit nur acht Feldspielern auskommen. "Vielleicht war unser überschaubarer Kader auch ein Vorteil", glaubte der SG-Däne Michael Knudsen. "Jeder von uns wusste, dass es auf ihn ankam und er bedingungslos kämpfen musste."
Nach dem neunten Bundesliga-Sieg in Serie liegen die Flensburger nur noch drei Zähler hinter Kiel und fünf hinter Spitzenreiter Rhein-Neckar Löwen auf Platz drei. Eine Kampfansage gen Meisterschaft war an diesem schillernden Abend aber nicht zu vernehmen. "Wenn man kontinuierlich arbeitet, kommt automatisch der Erfolg", freute sich Trainer Ljubomir Vranjes, gab aber zugleich zu bedenken: "Jetzt haben wir zwar einmal gegen den THW gewonnen. Das heißt aber noch lange nicht, dass wir das gleiche Niveau erreicht haben."
Unbändiger Jubel bei den Flensburgern, Enttäuschung bei den Kielern.
Den Kielern stand das Entsetzen in den Gesichtern geschrieben. Der ewige Titelkandidat ist in dieser Saison verwundbar. "Es ist bitter, dass wir so das Jahr beenden", stöhnte THW-Trainer Alfred Gislason. Seine Mannschaft blies derweil zur verbalen Gegen-Attacke. "Mit der Hinserie dürfen wir trotzdem zufrieden sein", stellte Leitwolf Filip Jicha klar. "Und abgerechnet wird zum Schluss. Wir haben die beste Ausgangsbasis, das wissen auch die anderen." In der Tat: Der THW empfängt bis zum Saisonfinale im Juni die vermeintlich stärksten Kontrahenten allesamt in der heimischen Arena. "Dann müssen wir zeigen, dass wir die beste Mannschaft in der Bundesliga sind", forderte Aron Palmarsson. Vielleicht ist dann der Isländer in der Kieler Halle der Mann mit dem Megaphon.