THW Kiel: Der Rekordmeister von der Förde
Volle Halle, Stars en masse, Titel im Abonnement - das ist der THW Kiel. mehr
Mait Patril (r.) und Frej Gustav Rydergard von der TSV Hannover-Burgdorf feiern.
In Hannover geraten alteingesessene Handball-Veteranen derzeit ins Schwärmen. Sie fühlen sich an die alten Zeiten erinnert, als die Stadionsporthalle am Maschsee noch ebenso jung war wie die zweigleisige Handball-Bundesliga. Es war in der Serie 1966/1967, als der PSV Hannover im Norden einen fünften Platz belegte. An dieser hannoveranischen Bestmarke kratzte nun die TSV Hannover-Burgdorf. Der Aufsteiger von 2009 mauserte sich zum Überraschungs-Team der Saison. Nach drei Spielzeiten Abstiegskampf schnupperten die "Recken" Höhenluft. Platz sechs schlägt am Ende zu Buche - und damit erstmals die Qualifikation für den EHF-Cup. Ab Herbst werden auch internationale Gegner wie Leon, Montpellier oder Bjerringbro-Silkeborg an der Leine vorstellig werden.
Es war der 10. November des vergangenen Jahres, als der Bundesliga-Szene erstmals bewusst wurde, dass die Niedersachsen dieses Mal mehr als ein Mitläufer sein würden. Mit dem Schlusspfiff hatte Mait Patrail den Ball zum 29:28-Sieg über den Favoriten aus Flensburg in die Maschen befördert. Der estnische Neuzugang war eine der Entdeckungen der Saison. Martin Ziemer, zeitweise deutscher Nationaltorhüter, war eine weitere wichtige Verstärkung. Haupttorschütze war indes einmal mehr Morten Olsen. "Die ersten Jahre wollten wir nur nicht absteigen", verriet der Däne. "Nun wollten wir ein gutes Stück nach oben." Dass es gleich für das obere Tabellendrittel reichte, überraschte die Burgdorfer selbst. Für Olsen war die 30:31-Niederlage gegen die Füchse Berlin am letzten Spieltag allerdings das letzte Spiel im TSV-Trikot. Der 28-Jährige sucht eine neue Herausforderung.
Akribischer Arbeiter und Erfolgscoach: Hannover-Burgdorfs Christopher Nordmeyer.
Um die Mannschaft herum rührten Trainer Christopher Nordmeyer, Manager Benjamin Chatton und ein wachsendes wirtschaftliches Umfeld die Erfolgssuppe an. Die Reputation der TSV ist deutlich gewachsen. Das signalisierte nun bereits die Verpflichtung des slowenischen Jung-Stars Borut Mackovsek, an dem auch namhaftere Clubs Interesse gezeigt hatten. "Ob wir uns mit diesem sportlichen Erfolg im Rücken auch wirtschaftlich weiterentwickeln können, werden erst die nächsten Tage und Wochen zeigen, in denen wir zahlreiche Gespräche führen werden", sagte Chatton. Für Platz im Kader sorgen die Abgänge von Olsen, Mario Clößner, Nenad Puljezevic, Aivis Jurdzs sowie Malte Semisch. Und fest steht auch: Überraschen lässt sich die Konkurrenz von Burgdorf in Zukunft nicht mehr.