THW Kiel: Der Rekordmeister von der Förde
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Flensburgs Mattias Andersson wurde zum besten Torhüter der Saison gewählt.
Der Glanz einer Trophäe fehlte in dieser Saison in Flensburg, kein Europapokal ging an die Förde. Unzufriedenheit herrscht aber keineswegs bei der SG Flensburg-Handewitt: Sie sieht sich auf einem guten Weg Richtung absolute Spitze, weil ein seit 2008 andauernder Trend durchbrochen wurde, der den Norddeutschen nicht gefallen konnte. Spielten die Flensburger in der Champions League, rutschten sie in der Bundesliga ab und qualifizierten sich nur für einen der kleineren Europacup-Wettbewerbe. Dadurch reduzierte sich die Belastung, sodass die SG im Folgejahr genug Ressourcen hatte, um in der Tabelle wieder nach oben zu klettern und in die europäische Königsklasse zurückzukehren.
SG-Coach Ljubomir Vranjes.
In dieser Saison war es endlich anders. Flensburg mischte international im Konzert der Großen mit, wiederholte zugleich auf nationalem Parkett die Vize-Meisterschaft und erreichte erneut das Pokalfinale. "Wir haben im zweiten Jahr eine große Kontinuität gezeigt", bilanzierte SG-Trainer Ljubomir Vranjes. "Das ist ein Fortschritt in unserer Entwicklung." Gerade aus der ersten Saisonhälfte sind einige Husarenritte bei den Fans in bester Erinnerung geblieben. Obwohl ein mysteriöses Verletzungspech grassierte: Zeitweise fielen fünf erprobte Halblinke aus, sodass manchmal nur noch drei etablierte Rückraum-Kräfte zur Verfügung standen. Dennoch siegte die SG beim französischen Spitzenclub Montpellier und manövrierte sich souverän durch die Vorrunde der Champions League. Und zu Weihnachten wurde in einer Mini-Besetzung sogar der THW Kiel mit einem überraschend deutlichen 35:29-Erfolg auf die Heimreise geschickt.
Als die Flensburger Ende Februar Herbstmeister Rhein-Neckar Löwen stürzten und nur noch zwei Zähler hinter dem Rivalen aus Kiel lagen, träumte manch einer schon von der Meisterschaft. Vranjes drückte auf die Euphoriebremse. "Ich bin ein Typ, der von Spiel zu Spiel denkt - und das werde ich beibehalten", sagte er. Er hatte wohl schon geahnt, dass in der Schlussphase der Saison dem einen oder anderen Leistungsträger die Puste ausgehen würde.