Stand: 11.01.2017 13:35 Uhr

THW-Legende Omeyer: 40 und kein bisschen müde

Keeper Thierry Omeyer verabschiedete sich 2013 mit dem Gewinn des Doubles vom THW Kiel.

Thierry Omeyer ist der erfolgreichste Spieler des Handball-Rekordmeisters THW Kiel aller Zeiten. Mit Frankreich hofft der Ausnahmekeeper, der inzwischen das Gehäuse von Paris Saint-Germain hütet, auf seinen zweiten Sieg nach 2001 bei einer Heim-WM.

Einige Stunden vor dem Endspiel der Handball-Weltmeisterschaft am 4. Februar 2001 in Paris nimmt sich Daniel Costantini Thierry Omeyer zur Seite. Der Trainer der französischen Nationalmannschaft teilt dem Keeper in einem persönlichen Gespräch mit, dass er im Finale gegen Schweden von Beginn an zwischen den Pfosten stehen wird. Omeyer ist überrascht. Denn am Vortag im Vorschlussrunden-Duell des Gastgebers mit Außenseiter Ägypten (24:21) war er nicht zum Einsatz gekommen. Costantini hatte im Tor auf das Duo Christian Gaudin/Bruno Martini vertraut. Nun also liegt eine große Last auf den Schultern des seinerzeit 24 Jahre alten Schlussmanns von HB Montpellier. "Ich werde mich immer an diesen Moment erinnern", berichtete Omeyer jüngst der Zeitung "Le Figaro". Er bestreitet damals das erste große Endspiel seiner Karriere und hält am Ende nach einem 28:25-Erfolg nach Verlängerung den Pokal in den Händen.

Gutes Essen als Erfolgsgeheimnis?

16 Jahre und etliche Triumphe mit dem Nationalteam und seinen Vereinsmannschaften später steht Omeyer noch immer im Gehäuse der Franzosen. Sein Haar ist ein wenig lichter geworden. Ansonsten aber hat die Zeit keine Kerben ins das Gesicht des Ausnahme-Torwarts geschlagen, der nun seine zweite Heimweltmeisterschaft bestreitet. Es scheint beinahe so, als habe er das Geheimnis der ewigen Jugend entdeckt. Oder ist es doch alles nur eine Frage der Ernährung, wie seine Ehefrau Laurence dem Radiosender "France Bleu" zu verstehen gab? "Das gute Essen, das ich ihm mache, hält ihn offenbar in Form", witzelte sie, um dann ernster anzufügen, dass ihrem Mann der Rückhalt der Familie sowie seine gesunde Lebensweise sehr zugute kommen würden. "Ich weiß, ich bin 40 - aber es ändert sich nichts", meinte der zweifache Familienvater angesprochen auf sein Alter lapidar.

THW Kiel: Der Rekordmeister in Bildern

Erfolgreichster "Zebra"-Profi aller Zeiten

Im handballverrückten Kiel erinnern sie sich noch gerne zurück an den überaus ehrgeizigen Mann mit dem zuweilen staubtrockenen Humor. "Titi", wie der aus Mülhausen stammende Torwart gerufen wird, prägte beim THW eine Ära. Von 2006 bis 2013 stand Omeyer beim deutschen Branchenprimus in Lohn und Brot. Je sechs Meisterschaften und Pokalsiege sowie drei Champions-League-Erfolge feierte der 40-Jährige mit den Schleswig-Holsteinern. Er ist der erfolgreichste Spieler, den der Kieler Club je in seinen Reihen hatte. "Merci, Thierry!" lautete die Überschrift im Clubmagazin "Zebra", als der Franzose 2013 aus familiären Gründen zu HB Montpellier in seine Heimat zurückkehrte. Sein Abgang hinterließ beim THW eine Lücke, die erst vor einem Jahr durch die Verpflichtung von Niklas Landin (Rhein-Neckar Löwen) einigermaßen geschlossen werden konnte. Die Aura und den Legenden-Status von Omeyer hat der Däne trotz seiner großen Klasse und seiner Erfolge freilich noch nicht.

"Bin motivierter denn je zuvor"

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Omeyer hofft auf seinen fünften WM-Titel mit Frankreich.

Vielleicht werden sich der aktuelle und der ehemalige Kieler Keeper in Frankreich ja im Endspiel wiedersehen. So wie bei den Olympischen Spielen im vergangenen Jahr in Rio de Janeiro, als Landins Dänen das bessere Ende für sich hatten. Beide Teams gehören zu den Top-Favoriten. Omeyer hat bereits vier WM-Titel gewonnen. Das zweite Turnier vor eigenem Publikum hat für ihn, der auch dreimal Europameister und zweimal Olympiasieger wurde, dennoch einen ganz besonderen Stellenwert. "Die vergangenen 16 Jahre waren voller schöner Momente und auch einiger Enttäuschungen. Ich bin nichtsdestotrotz motivierter denn je zuvor vor diesem Turnier in Frankreich", sagte der Routinier "France Bleu".

Karriere-Ende nicht in Sicht

Der zweite Sieg bei einer Heim-WM würde eigentlich ein nahezu perfekter Zeitpunkt sein, eine großartige internationale Laufbahn zu beenden. Dass Omeyer in diesem Fall aber aus Frankreichs Nationalteam zurücktreten würde, glaubt nicht einmal Daniel Narcisse, der wie der Keeper bereits 2001 im Kader stand. "Die Olympischen Spiele 2024 scheinen mir für ihn kein unmögliches Ziel zu sein", erklärte der ehemalige THW-Profi der "Le Républicain lorrain".

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein am Nachmittag | 11.01.2017 | 15:30 Uhr

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