Stand: 03.10.2014 09:42 Uhr

THW Kiel: Der Rekordmeister von der Förde

von Jan Kirschner, NDR.de
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Ein vertrautes Bild seit 20 Jahren: Der THW feiert auf dem Rathausmarkt mit den Fans.

Es ist in Kiel ein Ritual: Immer wenn die Handball-Saison ausklingt, strömen Tausende von Fans in die Innenstadt und jubeln den Spielern des THW Kiel zu, wenn diese den Rathausbalkon betreten und ihre frisch erbeuteten Trophäen präsentieren. Denn seit 1994 gewannen die "Zebras" bis auf drei Ausnahmen (1997, 2001, 2003) immer mindestens einen Titel. 1998, 2007 und 2012 glückte gar ein "Triple". Eine Erfolgsgeschichte, die den Club von der Ostsee zum Rekordmeister und zum Branchen-Primus in der Bundesliga machte. Die ruhmreiche Historie des schleswig-holsteinischen Aushängeschilds reicht aber über die vergangenen 20 Jahre hinaus. Das verdeutlicht ein Blick in die Arena, deren Innenwand mit den Konterfeis mehrerer Handball-Legenden verziert ist. Man sieht Magnus Wislander, Stefan Lövgren, Klaus-Dieter Petersen, Christian Zeitz und Marcus Ahlm, allesamt Leistungsträger der beiden glorreichen Dekaden.

THW Kiel: Der Rekordmeister in Bildern

Hein Dahlinger - erste THW-Ikone

Man blickt aber auch auf Hein Dahlinger, die Kieler Ikone der Nachkriegszeit. Er war der Kopf der Mannschaft, als sich der Turnverein Hassee-Winterbek zu einer Größe im Feldhandall mauserte. Ab 1951 florierte die winterliche Hallen-Version, da die Ostseehalle eröffnete. Schon damals weilten oft 6.000 Zuschauer im umgebauten und nach Kiel gebrachten ehemaligen Hangar eines Sylter Fliegerhorstes. 1957, 1962 und 1963 landeten die ersten Hallen-Meisterschaften auf dem Briefkopf. Danach war Dahlinger über seinen Zenit hinaus. Der THW konnte das hohe Niveau nicht halten. 1966 verpasste der THW überraschend sogar die Qualifikation zur neugegründeten zweigleisigen Bundesliga. Dahlinger wurde Trainer, und in der Ostseehalle gab es wieder erstklassigen Handball. Im November 1972 konnte das Idol in einer sportlichen Krise nicht weiterhelfen. Dahlinger trat zurück - für immer. Wenige Monate später verpasste sein Club den Klassenerhalt. Es war der einzige Abstieg in der Vereinshistorie.

80er-Jahre: "Ewiger Zweiter"

Nach dem sofortigen Wiederaufstieg etablierte sich der THW in der Bundesliga, bewegte sich auf das Mittelfeld zu. In den 80er Jahren entwickelte sich die Ostseehalle zur geschlossenen Gesellschaft: Alle Plätze waren mit Dauerkarten-Besitzern belegt. 1983 schalteten sich die Norddeutschen erstmals seit 20 Jahren wieder tatkräftig in den Kampf um die Meisterschale ein. Sie wurden Zweiter, knapp hinter dem VfL Gummersbach. Seitdem zählten die "Zebras" vor einer Serie stets zu den Titelkandidaten. Die Erwartungen stiegen - und auch die Ungeduld. Als 1985, 1989 und 1991 erneut "nur" der Vize-Platz heraussprang, spottete die Konkurrenz über den "ewigen Zweiten".

1992: Ausgliederung des Bundesligteams

Der THW ärgerte sich nicht, er arbeitete an seinen Strukturen. 1992 wurden die Weichen für den Profisport gestellt, nachdem die Bundesliga-Truppe als "THW Kiel Bundesliga GmbH und Co. KG" vom Hauptverein abgekoppelt wurde. Dennoch waren die Erwartungen im Sommer 1993 nicht glänzend. Eine unruhige Serie lag hinter den Kielern; mit Noka Serdarusic nahm ein neuer Trainer seine Arbeit auf, der bis dahin noch keinen Spitzenclub betreut hatte. Doch er formte aus Spielern wie Magnus Wislander, Klaus-Dieter Petersen, Thomas Knorr, Wolfgang Schwenke oder Michael Krieter ein Team, das im Mai 1994 die erste Meisterschaft seit 31 Jahren feierte. Damit war der Grundstein  für eine unglaubliche Zukunft gelegt.

Erfolgsgespann Serdarusic/Schwenker

Seitdem galoppieren die "Zebras" von Titel zu Titel - und blieben dabei stets im Einklang zur Professionalisierung des Handballs. Immer mehr Einnahmen wurden aus Sponsoring und aus dem Ticket-Verkauf generiert, die Saison-Etats stießen nun in siebenstellige Dimensionen vor. Die Ostseehalle fasst seit der Erweiterung im Jahr 2001 gut 10.000 Zuschauer. Serdarusic und Manager Uwe Schwenker galten als das Erfolgsgespann. Beide verband eine Männer-Freundschaft, die letztendlich aber abkühlte und zerbrach. 2008 musste der Trainer nach 25 Titeln in anderthalb Jahrzehnten gehen. Der Geschäftsführer folgte ein knappes Jahr später, als der THW nach Manipulationsvorwürfen, die sich um den Champions-League-Sieg 2007 rankten, in den Fokus juristischer Ermittlungen rückte. Serdarusic und Schwenker standen später vor Gericht, wurden aber mangels Beweisen freigesprochen.

Glänzende Perspektven

Das Glück des THW Kiel: Mit Filip Jicha, Marcus Ahlm, Thierry Omeyer oder Kim Andersson hatte er genug Spielerpersönlichkeiten in seinen Reihen. Und mit Alfred Gislason einen Trainer, der mit Akribie, Erfahrung und Disziplin der Mannschaft seinen Stempel aufdrückte. Trotz aller Nebengeräusche schaffte er es, sein Team auf das Sportliche zu fokussieren. Kiel blieb die erste Adresse für Meisterschalen und Pokalsiege. Die Saison 2011/2012 wurde nicht nur zur erfolgreichsten Saison in der Clubgeschichte, sondern brachte auch eine Bestmarke, die wohl für alle Zeiten als einzigartig stehen bleiben wird. Der THW dominierte die Bundesliga mit 68:0 Punkten und reicherte dies mit Triumphen in DHB-Pokal und Champions League an.

Dieses Thema im Programm:

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