Stand: 17.02.2016 16:54 Uhr

Schwalbs Mission: Hamburgs Handball retten

Martin Schwalb könnte eigentlich mächtig zornig auf den HSV Hamburg sein. Im Juli 2014 wurde er beim damaligen Handball-Bundesligisten entlassen und erlitt wenige Stunden später einen Herzinfarkt, der ihn beinahe das Leben gekostet hätte. Zudem schuldet ihm die inzwischen insolvente Spielbetriebsgesellschaft des Clubs noch einen sechsstelligen Betrag. Nichtsdestotrotz engagiert sich der 52 Jahre alte Ex-Trainer- und Präsident des Meisters von 2011 nun für den HSV Handball e.V., dem Basisverein des früheren Erstligisten, der aktuell in der Oberliga um Punkte kämpft. Es gehe ihm darum, "den Handball in Hamburg am Leben zu erhalten", erklärte Schwalb in einem Interview mit NDR Info. Dabei bringt der gebürtige Stuttgarter nicht nur sein Wissen und seine Kontakte mit ein. Der Ex-Profi hat mit einer Finanzspritze offenbar auch die Zahlungsunfähigkeit des e.V. verhindert.

Schwalb hilft HSV e.V. mit Finanzspritze

"Im Januar waren Rechnungen zu bezahlen, da habe ich ein Darlehen gegeben, um da ein bisschen zu helfen. Zu diesem Zeitpunkt war keiner anwesend, der dem HSV Handball auch nur irgendwie geholfen hätte", verriet Schwalb. Der Club hat eine Deckungslücke von cirka 200.000 Euro. "Das ist das Geld, was der e.V. von der GmbH bekommen sollte. Wir hoffen, dass wir das noch stopfen. Wir versuchen aktuell diese Saison zu retten, um eine Perspektive für die nächsten Jahre zu haben", führte der 52-Jährige aus. Er sei diesbezüglich optimistisch: "Ich glaube, wir schaffen das." Es würden sich inzwischen viele Menschen Gedanken machen, wie man den HSV Handball wieder auf die Beine helfen könnte, so Schwalb.

"Werde nicht Trainer oder Präsident"

Der 193-malige deutsche Nationalspieler, der den HSV mit einer kleinen Unterbrechung von 2005 bis 2014 in der Bundesliga betreute, hat keinen offiziellen Posten beim e.V. inne. "Ich strebe nicht nach irgendwelchen Rollen. Es sind jetzt Gesichter gefragt, die sich nicht zu schade sind, Zeit zu opfern und das tägliche Überleben zu sichern", sagte Schwalb. Zuletzt war im Hamburger Blätterwald spekuliert worden, dass der 52-Jährige den Verein als Vorstandschef oder Coach in die Zukunft führen könnte. Beides schloss der Ex-Profi aus: "Eins kann ich ganz sicher sagen: Ich werde nicht Trainer des HSV Handball. Ich habe auch keine Ambitionen, Präsident zu werden. Alles andere werden wir besprechen, wenn wir eine gesicherte Zukunft haben. Aber da geht es nur um den HSV Handball und nicht um Positionen oder Pöstchen."

Martin Schwalb - Erfolge als Spieler und Coach

Abkehr vom Mäzentum

Schwalb und seine Mitstreiter wollen ein Gegenmodell zum HSV Handball der Vergangenheit erschaffen. Die Zeiten, in denen der Club von einem Mäzen (Andreas Rudolph) abhängig war, sollen sich nicht wiederholen. "Wir versuchen jetzt ein neues Kapitel zu schreiben. Wir möchten Leistungs-Handball in Hamburg wieder etablieren, mit sehr, sehr viel Demut, sehr viel Zurückhaltung. Wir haben uns auf die Fahne geschrieben, sehr transparent zu sein", erklärte der 52-Jährige. Der HSV strebe die Zusammenarbeit mit möglichst vielen Partnern aus der Wirtschaft an: "Damit wir das auf breite Beine stellen können."

Mittelfristig zurück in die Bundesliga

Zunächst einmal stehe nun im Vordergrund, die Etatlücke zu schließen. Gelingt dies, würde der HSV in der kommenden Saison aller Voraussicht nach in Liga drei an den Start gehen. Das Team führt das Klassement der Oberliga Hamburg/Schleswig-Holstein souverän an. Mittelfristig soll es aber wieder auf die überregionale Bühne gehen. "Natürlich ist es unser Ansinnen, so schnell wie möglich in die Bundesliga zu kommen. Ob wir dafür ein, zwei oder drei Jahre brauchen, ist nicht entscheidend. Das Entscheidende ist, dass der HSV Handball lebt", erklärte Schwalb.

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