Stand: 02.02.2017 13:26 Uhr

Trainer Vranjes verlässt Flensburg im Sommer

von Jan Kirschner, NDR.de
Trainer Ljubomir Vranjes verlässt im Sommer die SG Flensburg-Handewitt.

Die wochenlangen Spekulationen haben ein Ende: Ljubomir Vranjes, langjähriger Trainer der SG Flensburg-Handewitt, wird den Handball-Bundesligisten im Sommer verlassen und die Offerte des wirtschaftlich sehr potenten ungarischen Top-Clubs Veszprém annehmen. Gleichtzeitig wird er auch ungarischer Nationaltrainer. Wie die SG am Mittwoch mitteilte, erhält der Schwede die Freigabe und darf aus seinem eigentlich bis 2020 laufenden Vertrag heraus. Bereits kurz vor der Jahreswende war bekannt geworden, dass der schwedische Übungsleiter großes Interesse am Angebot vom Plattensee hat. Wegen eines Urlaubs und der anschließenden Präsenz bei der WM in Frankreich - als Experte des schwedischen Fernsehens - kam es erst am Dienstag zu einem Austausch zwischen Vranjes und den SG-Offiziellen. "Es war ein intensives, von Respekt geprägtes Gespräch", sagte Geschäftsführer Dierk Schmäschke. "Nun haben wir Klarheit, die Diskussionen sind beendet, und eine Woche vor dem Landesderby gegen Kiel kann wieder Ruhe einkehren."

Angebot aus Paris 2014 abgelehnt

Nachdem Vranjes in Flensburg Spieler, Co-Trainer und Team-Manager gewesen war, übernahm er im November 2010 das Traineramt. Als Titel wie die Champions League (2014) oder der DHB-Pokal (2015) an der deutsch-dänischen Grenze landeten, häuften sich die Offerten für den 43-jährigen Schweden. Er war als Nationaltrainer von Serbien, Deutschland oder Schweden im Gespräch. Sein Absprung war im Sommer 2014 fast perfekt, als Paris Saint-Germain HB seine Fühler ausgestreckt hatte. Die SG hielt bereits nach Alternativen Ausschau. "Das macht man in einer solchen Situation ja immer, wir haben die Suche dann aber abgebrochen", hatte Schmäschke damals erklärt. Während Fans noch mit potenziellen Nachfolgern wie dem früheren HSV-Coach Martin Schwalb oder dem norwegischen Nationaltrainer Christian Berge liebäugelten, hatten sich SG und Vranjes auf die Ablehnung des Pariser Angebots geeinigt. "Ich habe immer betont, dass die SG eine Herzensangelegenheit für mich ist", ließ der Umworbene mitteilen.

Paris versuchte es Monate später nochmals. Die Flensburger legten nach: Vranjes verlängerte im September 2015 seinen ohnehin bis 2017 gültigen Kontrakt vorzeitig bis 2020 - zu verbesserten Bezügen. "Wir haben den besten Trainer der Welt", freute sich der Beiratsvorsitzende Boy Meesenburg. "Ich sehe eine riesige Zukunft für die SG, wir haben eine Mannschaft, mit der wir angreifen können", sagte Vranjes.

Vranjes: "Schwerste sportliche Entscheidung meines Lebens"

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Coach und Fotograf: Vranjes' Lieblingsfotos

Im Hauptberuf ist Ljubomir Vranjes Handballtrainer bei der SG Flensburg-Handewitt. Der Schwede ist aber auch ein ausgezeichneter Fotograf. Hier eine Auswahl seiner Lieblingsbilder. Bildergalerie

Nun scheint der Wechselwunsch des kleinen Schweden und der finanzielle Anreiz für den Verein zu groß geworden sein. Über die Höhe einer möglichen Ablösesumme wurde zwischen den Parteien zwar Stillschweigen vereinbart, sie soll sich aber im Bereich von einer Millionen Euro bewegen. "Nach Monaten reiflicher Überlegung bin ich zu der Erkenntnis gekommen, dass ich nach elf Jahren in der SG-Familie diese neue Herausforderung annehmen muss. Auch wenn es die bisher schwerste sportliche Entscheidung meines Lebens ist", so Vranjes. "Es gibt mehrere Gründe, warum ich um eine Freigabe gebeten habe, eine der wichtigsten ist mein Privatleben."

Der Schwede übernimmt auch Ungarns Nationalteam

Dabei geht es dem Coach um die Nähe zu Serbien, wo seine Eltern und seine Schwestern leben, die kürzeren Auswärtsfahrten und die günstiger gelegenen Schulferien in Ungarn. "Ich möchte im Sommer Urlaub mit meiner Familie machen, die Zeit mit meinen Kindern kriege ich nicht wieder", so Vranjes. "Aber natürlich ist es auch reizvoll eine Weltklasse-Mannschaft zu trainieren." Wie sein Vorgänger Javier Sabate wird der Welttrainer 2014 auch die ungarische Nationalmannschaft übernehmen. Der Verband des WM-Siebten einigte sich mit Vranjes auf einen Vertrag bis zum 31. August 2020.

Norweger Berge Nachfolge-Kandidat

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Wohl der Wunschkandidat in Flensburg: Norwegens Nationalcoach Christian Berge.

Vranjes war als Spielmacher 2006 aus Nordhorn in den hohen Norden gewechselt. Damals hatte die SG nach sieben gemeinsamen Jahren ein anderes Rückraum-Ass verabschiedet: Christian Berge. Der Norweger, ebenfalls 43 Jahre alt, scheint nun der Wunschkandidat für den vakanten Trainerposten in Flensburg zu sein. Eine Bestätigung von Vereinsseite gibt es nicht. "Über eine mögliche Nachfolge werden wir keinerlei Wasserstandsmeldungen oder Zeitpläne veröffentlichen", sagte Schmäschke. Derweil bestätigte der norwegische Verband, dass sich die SG und Berge, der die Norweger bei der jüngsten WM zur Silbermedaille führte, bereits im Austausch befinden würden. "Mit ihm haben wir immer mal wieder Kontakt", sagte Schmäschke dazu. "Zuletzt vor allem wegen Magnus Röd." Dabei handelt es sich um ein 19-jähriges Talent, das ab Sommer für die Flensburger auflaufen wird.

"Weiterhin für das Ziel Meisterschaft arbeiten"

Stellt sich die Frage: Wie wird die Mannschaft mit dem angekündigten Wechsel auf der Trainerbank umgehen, wird sie den Fokus auf die angepeilte Meisterschaft behalten? Die Personalie war in den vergangenen Wochen stets ein Thema bei den Spielern. "Es war gut, dass wir uns schon in den letzten Wochen mit den möglichen Veränderungen beschäftigen konnten", so SG-Kapitän Tobias Karlsson. "Wir sind es im Profi-Sport gewohnt, dass Trainer, Spieler oder Manager Angebote von anderen Vereinen erhalten und sie manchmal auch annehmen." Schmäschke glaubt, dass Trainer und Team "weiterhin mit Hochdruck für das Ziel Meisterschaft arbeiten werden". Auch Meesenburg hat keine Zweifel: "Ich bin zuversichtlich, dass wir nicht nur in dieser Saison, sondern auch in Zukunft Titel und Spitzenhandball in unserer Region erleben werden."

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