Stand: 30.05.2015 09:04 Uhr

Zeitz: Der Titelsammler vom Balaton

von Jan Kirschner, NDR.de
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Zeitz (l.) im Trikot von MKB Veszprem im Duell mit Ex-THW-Kollege Daniel Narcisse (PSG).

Warme Wellen schwappen an das Nordufer des Balatons, den größten See Mitteleuropas. Strände, Einkaufspromenaden und Weinhänge ziehen Touristen an. Christian Zeitz wohnt seit einem knappen Jahr dort, wo andere Urlaub machen. Er schätzt das Leben am Plattensee, gerade im Sommer. Doch er ist nicht zur Erholung in Ungarn. Der deutsche Handballer hat eine andere Mission: Er spielt im 15 Kilometer entfernten Veszprem für einen der besten Vereine des Kontinents und ist auf Titel-Jagd. In dieser Saison hat das bislang glänzend geklappt. MKB Veszprem hat in den vergangenen Wochen die ungarische Meisterschaft und den ungarischen Pokal gewonnen. Und auch die erste Teilnahme an der südosteuropäischen Seha-League krönte der Renommierclub sogleich mit Rang eins.

Am kommenden Wochenende hoffen Veszprem und Christian Zeitz, der aufgrund seiner bis zu 111 Stundenkilometer schnellen Würfe den Beinamen "Hammer" trägt, auf den vierten Streich: Die Ungarn gehören in Köln zu den vier Vereinen, die um den Sieg in der europäischen Champions League spielen. Im Halbfinale geht es heute (18 Uhr, im Live-Ticker bei NDR.de) gegen den THW Kiel - für Zeitz eine ganz besondere Begegnung.

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Von 2003 bis 2014 Profi beim THW Kiel

Denn Zeitz trifft auf den Verein, für den er von 2003 bis 2014 aktiv war. "Das ist eine außergewöhnliche, aber für einen Profi keine unübliche Situation", meint der 34-Jährige: "Immerhin habe ich ein Drittel meines Lebens im Trikot des THW gespielt." Die Anfeuerungs-Rufe der Fans ("Hey, Christian, hey!") hat er noch immer im Ohr. In der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt mochten ihn die Zuschauer. Der Ex-Nationalspieler sprühte zwar niemals vor Emotionen, aber mit seiner Coolness und Unberechenbarkeit auf dem Spielfeld war er ein Unikat, das überdies mit einer großen Treue zum Verein bestach. Elf Jahre lang verdiente Zeitz seine Brötchen an der Ostsee - eine sehr lange Zeit im kurzlebigen Profi-Sport.

Posse vor dem Wechsel schnell vergessen

Alle Sieger in der Champions League

2014 SG Flensburg-Handewitt
2013
HSV Hamburg
2012 THW Kiel
2011 FC Barcelona
2010 THW Kiel
2009 Ciudad Real/Spanien
2008 Ciudad Real
2007 THW Kiel
2006 Ciudad Real
2005 FC Barcelona
2004 RK Celje/Slowenien
2003 HB Montpellier
2002 SC Magdeburg
2001 San Antonio/Spanien
2000 FC Barcelona
1999 FC Barcelona
1998 FC Barcelona
1997 FC Barcelona
1996 FC Barcelona
1995 Bidasoa Irun/Spanien
1994 Cantabria Santander/Spanien

Im vergangenen Sommer brach das Rückraum-Ass seine Zelte in Kiel ab, im August kehrte es für ein emotionales Abschiedsspiel zurück. Die Posse, die den Wechsel eingeleitet hatte, war da weitgehend in Vergessenheit geraten. Es war im Juli 2013, als Zeitz nach Veszprem reiste, wo er einen bis 2017 gültigen Kontrakt unterschrieb und in einer Pressekonferenz als Neuzugang vorgestellt wurde. Der THW war über diese Stippvisite nicht informiert und reagierte überrascht. Ein sofortiger Abgang stand im Raum, aber auch die Erfüllung des bis 2014 laufenden Vertrags. Profi und Verein erhoben öffentlich Vorwürfe gegeneinander. Es entzündete sich ein Sommertheater, das letztlich durch ein klärendes Gespräch beendet wurde. Zeitz spielte eine solide letzte Saison für die "Zebras" und äußert sich heute diplomatisch über seine damaligen Beweggründe: "Ich habe viele großartige Erinnerungen an den THW, aber ich wollte neue Herausforderungen und eine neue Mannschaft." In Veszprem hat sich der Handballer nach eigenem Bekunden gut eingelebt, auch wenn es mit der ungarischen Sprache noch etwas hapert. "Gut, dass wir in der Mannschaft Englisch sprechen", schmunzelt Zeitz.

Rückkehr in die Bundesliga ist möglich

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Neun Meisterschaften gewann Zeitz in Kiel. Rechts: THW-Coach Alfred Gislason.

Der "Hammer" hat im rechten Rückraum seine Spielanteile, steht dort aber etwas im Schatten des ungarischen Handball-Idols Laszlo Nagy, der aufgrund seiner Größe von 2,08 Metern auch bestens als zentraler Verteidiger eingesetzt werden kann. Die häufige Reservisten-Rolle führte zuletzt in Deutschland zu Spekulationen über eine Rückkehr in die Bundesliga. "Das kann ich mir durchaus vorstellen", sagte Zeitz dem Fachmagazin "Handball Inside" und ergänzte: "Aus der Ferne kriegt man einen anderen Blick auf die Bundesliga und schätzt vieles, was vorher selbstverständlich war." Der "Mannheimer Morgen" brachte den Linkshänder sofort mit den Rhein-Neckar Löwen in Verbindung. Für die hatte er gespielt, als der Verein noch als SG Kronau-Östringen firmierte. Zeitz warf die SG mit seinen Toren in die Bundesliga. Das war 2003.

"Haben das Zeug, etwas Großes zu schaffen"

Danach begann die Kieler Zeit, in der der dynamische Spieler nicht weniger als neun Mal die Meisterschaft und sechs Mal den DHB-Pokal gewann. Auch an allen drei Champions-League-Triumphen des THW war Christian Zeitz beteiligt. Aber nun ist alles anders: Mit Veszprem will Zeitz den vierten Triumph der "Zebras" verhindern. "Der THW hat überragende Akteure auf jeder Position und wird als einziger deutscher Verein sicherlich die größte Fan-Unterstützung mobilisieren", glaubt Christian Zeitz. "Aber in den letzten beiden Jahren haben Hamburg und Flensburg bewiesen, dass auch Außenseiter in Köln gewinnen können. Wir haben in jedem Fall das Zeug, etwas Großartiges zu schaffen."

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