Stand: 10.04.2017 09:44 Uhr

Verletzter Duvnjak führt THW Kiel zum Pokalsieg

von Arne Helms
Kiels Domagoj Duvnjak leidet seit Monaten an einer schmerzhaften Überlastung der Patellasehne im linken Knie.

Als Domagoj Duvnjak zu "Cotton Eye Joe" ein paar schnelle Tanzschritte auf den Boden der Hamburger Handballarena setzt, sind die Schmerzen für kurze Zeit weg. Vor der Fankurve des THW Kiel, der soeben zum zehnten Mal den DHB-Pokal gewonnen hat, führt der Kapitän des Teams seinen Freudentanz auf. "Der Titel bedeutet für unsere Mannschaft und den ganzen Verein sehr viel", wird Duvnjak später am Sonntagabend sagen. Für den Rekordmeister und Rekordpokalsieger waren große Siege zuletzt nicht mehr normal. Zweifel kamen auf. Fast zwei Jahre mussten die "Zebras" warten. Nun genießt der Kroate, mit seinen Mitspielern feixend, die Jubelstürme der Fans. Diesen Moment dürfte sich der 28-Jährige erträumt haben, als er die dringend notwendige Knie-Operation für das Final Four verschob.

Chronische Entzündung schwächt ihn seit Monaten

Die Patellasehne in Duvnjaks linkem Knie ist seit Monaten überlastet. Eine chronische Entzündung. Wer Duvnjak nicht kennt, diesem Mann dann in Kiel auf der Straße begegnet und seinen Gang beobachtet, vermutet eher einen Sportinvaliden. Etwas Hüftsteif, behutsame Schritte, als ginge er barfuß über Schotter. Der Freudentanz vor der Fankurve sei nur möglich gewesen, "weil der Körper schon warm war", sagt Duvnjak lächelnd. Er ist der Welthandballer von 2013, Hirn und Motor im Spiel des THW Kiel. Der Club kann Duvnjak nicht ersetzen. Das zeigte auch das Finale im DHB-Pokal gegen die SG Flensburg-Handewitt, in dem der Spielmacher über sich hinauswuchs. Körperlich und mental.

Manager: Wir müssen Duvnjak irgendwann schützen

Trainer Alfred Gislason hatte vor dem Endspiel offen gelassen, wie viel Spielzeit seinem wichtigsten Spieler zuzutrauen ist. Dann steht Duvnjak beim Anwurf auf dem Feld. Der Kroate "ist ein Vollbluthandballer", sagt THW-Manager Thorsten Storm: "Ein echter Kapitän. Wenn er dabei ist, will er immer aufs Feld." Deswegen müsse man ihn wahrscheinlich irgendwann schützen, der Gesundheit wegen. Aber nicht an diesem Sonntagnachmittag im wohl wichtigsten Kieler Spiel der laufenden Saison. Duvnjak, ein ansonsten sehr zurückhaltender Kerl, heizt die eigenen Fans nach fast jedem gewonnenen Zweikampf an. Er kassiert Schläge der Flensburger im Wurf, trifft trotzdem ins Tor, knallt auf den Hallenboden und schleppt sich humpelnd zur Bank.

"Ich habe angekündigt, dass ich alles geben werde"

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Ein Kuss für den Pott: Duvnjak hatte großen Anteil am zehnten Triumph des THW Kiel im DHB-Pokal.

Am Spielfeldrand angekommen wirft "Dule", wie er im Team genannt wird, sich ein Handtuch über den Kopf, setzt sich, die Ellbogen auf die Knie gestützt. Sein Gesicht verrät die Schmerzen im Knie. Das schwarz-weiße Trikot klebt durchgeschwitzt am Oberkörper. Ein Klaps der Mitspieler auf den Rücken. Für eine Angriffsphase nimmt Gislason ihn aus dem Spiel. Dann kommt Duvnjak zurück. Und trifft wieder. Insgesamt sieben Mal. So viele Tore wirft an diesem Finaltag kein anderer Spieler. "Ich habe angekündigt, dass ich alles geben werde", sagt der 28-Jährige später. "Zum Glück hat mein Knie das geschafft. Ich bin überglücklich." Gislason adelt den Kroaten als überragend. Der Kapitän habe in wichtigen Situationen fast jedes Mal die richtige Entscheidung getroffen.

Spieler und Trainer: Der Einsatz war nicht fahrlässig

Ob es auch die richtige Entscheidung war, Duvnjaks Operation wochenlang hinauszuzögern? Von Fahrlässigkeit wollen Spieler und Trainer nach dem Finalsieg nichts wissen. Sein Knie fühle sich "zur Zeit besser an", berichtet Duvnjak, "aber morgen wird es schmerzen". Die Mannschaftsärzte hatten laut Gislason keine Einwände gegen einen Einsatz: "Dule muss nur die Schmerzen aushalten." Allerdings gehe es so nicht mehr weiter. "Er hat schon eine ganze Saison so gespielt", sagt Gislason, "wir können nicht eine komplette Meisterschaft auf seiner Gesundheit austragen." Duvnjak will sich vermutlich noch in dieser Woche operieren lassen. Beim THW Kiel rechnet man anschließend mit einer Zwangspause von sechs bis neun Monaten.

Gelingt den Kielern der Umbruch ohne den Leader?

Es ehrt den Kapitän des neuen deutschen Pokalsiegers, dass er nach dem Finalsieg die Abwehr um den ohne Frage wahnsinnig starken Torhüter Niklas Landin zum "Schlüssel des Erfolgs" macht. Aber dem THW Kiel wird in Duvnjak nun womöglich bis zum Jahresende eine Persönlichkeit fehlen, die viel mehr ausmacht als nur ihre 1,98 Meter Körpergröße. Duvnjak geht vorweg, opfert sich auf, gibt nie weniger als 100 Prozent. Der Kroate ist Vorbild. Die Vergangenheit zeigt: Läuft's bei ihm nicht, läuft's beim THW nicht. Ohne Duvnjak wird der Umbruch mit vielen jungen Spielern, den die Kieler eingeleitet haben, nicht einfacher. Und wer zeigt den 20-Jährigen im Kader jetzt die richtigen Schritte zu "Cotton Eye Joe"?

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 10.04.2017 | 15:30 Uhr

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