Stand: 13.07.2015 13:54 Uhr

Flensburg startet - "mit allen Möglichkeiten"

von Jan Kirschner, NDR.de

Sind das alle? Nur acht Spieler der SG Flensburg-Handewitt treten zum Trainings-Auftakt in die Pedalen der Ergometer. Eine überschaubare Zahl, die Erinnerungen an die letzte Rückrunde mit ihrer großen Verletzungsmisere weckt. Dann die Entwarnung: Es gibt noch eine zweite Spieler-Gruppe, die in einem anderen Raum Übungen absolviert. Diesmal klagen die Nordlichter über keinen personellen Engpass. Im Gegenteil: Der 18-Mann-Kader wird in der Handball-Szene als der ernsthafteste Herausforderer des Meisters THW Kiel angesehen. "Auf unsere Mannschaft kann man sich freuen", sagt SG-Geschäftsführer Dierk Schmäschke, während er mit einem entspannten Blick das schweißtreibende Training beobachtet. "Wir haben nun alle Möglichkeiten, auf alle sportlichen Situationen zu reagieren und gleichzeitig die Belastung zu dosieren."

Vier aktuelle Nationalspieler neu bei der SG

Ein wenig muss das Mammut-Aufgebot aber relativiert werden. So wird Jacob Heinl nicht zum Saisonstart fit sein. Der Kreisläufer registriert nach einer schweren winterlichen Virus-Infektion nur langsame Fortschritte und mischt in der Vorbereitung mit einem individuellen Programm mit. Und mit Michael Nicolaisen zählt ein Nachwuchsmann zum Profi-Team, der zumindest für die Spitzenspiele noch keine ernsthafte Alternative darstellen dürfte. Unter dem Strich bleibt aber immer noch ein Stamm von 16 international bewährten Kräften. Was die Konkurrenz zudem beeindruckt: Mit Kentin Mahé, Henrik Toft Hansen, Petar Djordjic (alle HSV Hamburg) und Rasmus Lauge (THW Kiel) lotste die SG gleich vier aktuelle Nationalspieler an die Flensburger Förde.

Große Auswahl auf der Spielmacher-Position

Ein Detail in der Aufstellung setzt sogar die Experten in Erstaunen: Thomas Mogensen, Jim Gottfridsson, Rasmus Lauge und Kentin Mahé - gleich vier Akteure können die Spielmacher-Position glänzend ausfüllen. "Ich spreche nicht über Positionen wie Rückraum-Mitte oder halblinks - das ist traditionelles Denken“, meint SG-Coach Ljubomir Vranjes und lächelt. "Ich plane im Rückraum mit fünf Rechtshändern und zwei Linkshändern." In der Sommerpause hat der Handball-Stratege gewiss schon an eine Rückraum-Rotation konzipiert, die nun in die Praxis umgesetzt werden soll. Der Däne Rasmus Lauge ist zuversichtlich: "Ich bin mir sicher, dass wir gegen offensiv orientierte Deckungen sehr gut eingestellt sein werden. Und gegen defensivere Abwehrreihen verfügen wir über gute Wurfkraft von beiden Halbpositionen."

Dringend benötigte Entlastung für Mogensen

Mit einer völlig veränderten Situation sieht sich Mogensen konfrontiert. Da in der vergangenen Saison Gottfridsson mit zwei Ermüdungsbrüchen am Fuß lange ausgefallen war, stand der routinierte Däne sieben Monate lang allein in der Angriffs-Schaltzentrale. Zeitweise geriet er dabei über sein körperliches Limit. "Als Spieler wird es einem nicht leichter gemacht", meint der 32-Jährige. "Man selbst wird älter, spürt die jahrelange Belastung, während es immer mehr Spiele werden." Allein bis Weihnachten warten auf die Flensburger voraussichtlich 35 Pflichtaufgaben. Auch deshalb kann sich Mogensen mit der neuen personellen Vielfalt anfreunden.

Elf Tage Trainingslager, nur drei Testspiele

Dagegen ist die diesjährige Vorbereitung so kurz wie lange nicht. Am Mittwoch startet der SG-Tross zu einem elftägigen Trainingslager in Schweden. Danach sind nur drei Testläufe angesetzt, ehe bereits am 15. August mit der ersten Runde im DHB-Pokal das Pflichtprogramm eröffnet wird. Kapitän Tobias Karlsson blickt dem Ernstfall bereits jetzt mit Vorfreude entgegen: "Wir haben eine gute Truppe beisammen und wollen näher an die Bundesliga-Spitze herankommen als in der letzten Saison."