Stand: 16.12.2015 19:32 Uhr

Nach Insolvenzantrag: HSV-Handballer spielen weiter

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Für Pascal Hens (M.) und Co. geht es erst einmal weiter.

Die HSV-Handballer wollen den Kampf ums Überleben noch nicht aufgeben. Trotz des Insolvenzantrags des schwer angeschlagenen Bundesligisten soll der Spielbetrieb bis auf Weiteres fortgesetzt werden. In einer Mitteilung vom Mittwochabend hieß es, der vorläufige Insolvenzverwalter Gideon Böhm sowie HSV-Geschäftsführer Christian Fitzek arbeiteten "in enger Abstimmung mit der Handball-Bundesliga (HBL) unter Hochdruck an einem Sanierungskonzept, das nicht nur den Spielbetrieb bis Saisonende ermöglichen sondern auch langfristig ein unabhängiges, professionelles Arbeiten zulassen soll".

Er sei zuversichtlich, dass die Saison trotz der komplexen Situation erfolgreich beendet werden könne, sagte Böhm. Eine Übergangslösung mit Arena-Geschäftsführer Uwe Frommhold sei bereits gefunden. Damit findet das Heimspiel gegen den SC Magdeburg, für das schon etwa 7.000 Karten verkauft worden sind, am kommenden Sonntag (15 Uhr) ebenso statt wie die Partie am 27. Dezember gegen Frisch Auf Göppingen. "Die Entscheidung, ob der Spielbetrieb darüber hinaus fortgeführt werden kann, treffen die Gläubiger im Rahmen des Insolvenzverfahrens", hieß es in einer Mitteilung der HBL.

Bohmann übt scharfe Kritik

Liga-Boss Frank Bohmann hält eine langfristige Rettung des Bundesliga-Handballs in Hamburg für möglich, fand im ARD-Interview aber auch klare und skeptische Worte: "Es entsteht nicht nur ein Schaden beim HSV Handball, sondern auch ein Schaden in der Bundesliga. Den hätten wir gerne vermieden, aber der HSV Hamburg hat seine wirtschaftlich gestellten Hausaufgaben nicht ordentlich gemacht." Die in der Vergangenheit begangenen Management-Fehler seien in der Zukunft sicherlich ausbesserbar, sagte der HBL-Geschäftsführer. Es sei aber ein unternehmerischer Kraftakt notwendig: "Da werden Gläubiger verzichten und neue Leute investieren müssen." Auch Böhm betonte: "Wer den Handball auf Erstliganiveau für die Sportstadt Hamburg erhalten möchte, muss jetzt helfen." Es sei eine Investition in die Zukunft und nicht eine Schadensminderung der Vergangenheit.

Maximal zwölf Punkte Abzug

Der hochverschuldete Erstligist hatte bis zuletzt auf eine Finanzspritze von Hauptsponsor und Mäzen Andreas Rudolph gehofft, doch die blieb aus. Die Verbindlichkeiten bis Saisonende sollen bei rund fünf Millionen Euro liegen. Warum Fitzek die Patronatserklärung von Rudolph über mehrere Millionen Euro nicht gezogen hat, bleibt unbekannt. Sie war Voraussetzung für die Lizenzerteilung gewesen. Nach den neuen Statuten der HBL würden dem Champions-League-Sieger von 2013 bei Eröffnung des Insolvenzverfahrens acht Punkte abgezogen. Wird bis zum Jahresende nicht eine Verringerung des negativen Eigenkapitals - die Schulden sind höher als das Vermögen - um 30 Prozent nachgewiesen, kommen vier weitere Zähler hinzu. Der Abstand des Tabellen-Fünften zu den Abstiegsplätzen beträgt derzeit 17 Punkte. Sollte der HSV dreimal nicht antreten, wird der Spielbetrieb endgültig eingestellt.

Pfahl zum 1. Januar nach Göppingen

Sollte die Sanierung des HSV bis zum 10. April kommenden Jahres gelingen, kann ein erneuter Antrag für eine Bundesliga-Lizenz gestellt werden - ein unwahrscheinliches Szenario. Denkbar wäre eher ein Neuanfang in der Dritten Liga, denn die zweite Mannschaft des HSV führt die Tabelle der Oberliga Hamburg/Schleswig-Holstein souverän an und steht vor dem Aufstieg. Die Profi-Mannschaft könnte schon vorher auseinanderbrechen. Da die Spieler auf die Zahlung von zwei Monatsgehältern warten, dürften sie ablösefrei wechseln. Der langjährige Nationalspieler Adrian Pfahl geht nun schon zum 1. Januar zum Bundesliga-Kontrahenten Frisch Auf Göppingen. Der 33 Jahre alte Linkshänder, der eigentlich erst zur nächsten Saison wechseln wollte, erhält einen Vertrag bis 30. Juni 2018. Für Torhüter Jens Vortmann und Hans Lindberg haben die Füchse Berlin angeblich Interesse angemeldet.

Neuer Geschäftsführer beim Basis-Verein

Wichtig wäre im Falle eines Neustarts, dass der Basis-Verein am Leben gehalten wird. Geht er pleite, ist auch die Lizenz weg. Die Verbindlichkeiten der Betriebsgesellschaft gegenüber dem e.V. betragen mittlerweile rund 200.000 Euro. Am Mittwochvormittag teilten die Hamburger mit, dass Gunnar Sadewater zum Geschäftsführer des Vereins berufen worden ist. Mit dieser Entscheidung wolle das Präsidium ein klares Zeichen nach außen geben, dass der HSV Hamburg e.V. weiterhin handlungsfähig ist und bleibt. Der Verein sei sich seiner Verantwortung sowohl als Lizenzträger als auch der Nachwuchsarbeit bewusst.

Im Nachwuchsbetrieb engagiert sich auch Jürgen Hunke. Er stehe nicht als Geldgeber für die Profi-Abteilung zur Verfügung, sagte der ehemalige Präsident des Hamburger Sport-Vereins am Mittwoch, der e.V. liege ihm aber am Herzen. Der 72-Jährige verfügt über die nötigen wirtschaftlichen Kontakte und könnte so dazu beitragen, dass der Verein die existenzbedrohende Krise übersteht.

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