Stand: 11.09.2017 12:03 Uhr

Hannovers Handballer stehlen allen die Show

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Jubel bei Torge Johannsen (l.) und Casper Mortensen: Die "Recken" sind Tabellenführer.

Malte Semisch kann es beim Blick auf die Tabelle der Handball-Bundesliga immer noch nicht fassen: "Das fühlt sich alles noch sehr surreal an", erklärte der Torwart der TSV Hannover-Burgdorf. Nicht Meister Rhein-Neckar Löwen, nicht der THW Kiel oder die SG Flensburg-Handewitt - nein, Semischs "Recken" grüßen nach vier Spieltagen als Spitzenreiter. Ungeschlagen und verlustpunktfrei. Die Niedersachsen, die zuvor im Kalenderjahr 2017 nicht eine einzige von 16 Ligapartien gewonnen hatten, spielen in dieser Saison groß auf und schlugen sogar die Nordrivalen Kiel und Flensburg. Die Titelfavoriten von der Förde hingegen haben ihren Saisonstart mit jeweils 4:4 Punkten verpatzt.

Ratlosigkeit beim THW Kiel

Vor allem der THW Kiel hinkt den eigenen Ansprüchen hinterher. "Wir haben eigentlich genügend Leute, eine gute Leistung auf die Platte zu bringen. Das ist uns heute nicht gelungen", schimpfte Steffen Weinhold nach der Niederlage in Melsungen. Von der breiten Brust, die in der Vergangenheit den THW ausmachte, ist nichts zu sehen. "Ich weiß nicht, was uns hemmt. Vielleicht haben wir alle im Kopf, dass wir jetzt was gewinnen müssen, nachdem wir die letzten zwei Jahre nicht so erfolgreich waren", versuchte Nationalspieler Rune Dahmke bei NDR 2 einen Erklärungsansatz zu finden. Auch Trainer Alfred Gislason ist ratlos: "Wir haben hinten viel gekämpft, haben auch viel ausprobiert, aber es hat nichts gefruchtet." Der Coach steht nicht in der Kritik: "Er bereitet die Mannschaft so gut vor wie immer", erklärte Geschäftsführer Torsten Storm.

Nur am fehlenden Spielmacher Domagoj Duvnjak lässt sich die sportliche Krise bei den "Zebras" nicht festmachen - der Kader ist immer noch qualitativ und quantitativ hochkarätig besetzt. Auch die ständigen Wechselgerüchte um Keeper Andreas Wolff sind laut Weinhold "kein Thema in der Mannschaft".

Vorerst noch Gelassenheit in Flensburg

Etwas anders sieht die Lage bei der SG Flensburg-Handewitt aus. Zwar hat auch der Vizemeister schon vier Minuspunkte auf dem Konto, zeigte aber auch schon starke Leistungen wie beim Heimsieg gegen die RN Löwen. Nach dem jüngsten 22:25 in Leipzig herrscht keineswegs Weltuntergangsstimmung: "Ich bin enttäuscht über das Ergebnis, nicht über die Leistung. Wir hatten die richtige Einstellung, machen aber die Dinger nicht rein", sagte Trainer Maik Machulla. Der 40-Jährige hat nach der erfolgreichen Ära von Ljubomir Vranjes, den Abgängen von Leistungsträgern wie Anders Eggert oder Johan Jakobsson sowie der Verletzung von Keeper Kevin Möller eine schwere Hypothek zu schultern. Dennoch wollen die SG-Verantwortlichen Ruhe bewahren: "Der Grunddruck ist immer da, aber wir müssen der neuen Mannschaft auch Zeit geben", hatte Geschäftsführer Dierk Schmäschke schon vor der Saison gesagt. Machulla gibt sich kampfeslustig: "Wir hören nicht auf, wir machen weiter und werden zurückkommen."

Ortega und Häfner Hannovers Erfolgsgaranten

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Der Spanier Carlos Ortega ist seit Sommer Trainer der "Recken".

Möglicherweise war dies auch das Motto der TSV Hannover-Burgdorf nach der desaströsen Rückrunde der vergangenen Saison. Im Sommer trennten sich die Niedersachsen von Trainer Jens Bürkle und haben in Carlos Ortega offenbar den perfekten Nachfolger gefunden. "Er hat eine klare Idee, wie man Handball spielt, und versucht, sie zu vermitteln", sagte Geschäftsführer Benjamin Chatton. Das gelingt bislang vorzüglich. Zusammen mit Co-Trainer Iker Romero brachte Ortega den Spaß am Handball nach Hannover zurück und verordnete dem Team eine zupackende Defensive. Vorne läuft aktuell vor allem der neue Kapitän Kai Häfner zur Höchstform auf. Der Nationalspieler bewies zudem im Februar Weitsicht, als er seinen Vertrag bei den "Recken" vorzeitig bis 2020 verlängerte und erklärte: "Ich sehe für uns noch weitere Entwicklungsmöglichkeiten. Wir haben in den nächsten Jahren eine spannende Mannschaft, mit der wir einiges erreichen können."

HBL freut sich über ausgeglichenes Titelrennen

Beim Ligaverband HBL wird das ähnlich gesehen: "Wir dürfen nicht vergessen: Hannover war nach der Hinrunde der Vorsaison Fünfter. Das ist ihr wahres Leistungsvermögen und nicht das, was wir in der letzten Rückrunde gesehen haben", sagte Geschäftsführer Frank Bohmann. Die Bundesliga profitiert von der neuen Lage. Es wird bunter, spannender. "Es tritt ein, was wir vorausgesagt haben: Das Titelrennen wird ausgeglichener. Es gibt Top-Mannschaften wie lange nicht. Ich halte es für möglich, dass wir am Saisonende einen anderen Meister haben als Kiel, Flensburg oder Rhein-Neckar Löwen", so Bohmann. Ob die TSV Hannover-Burgdorf diese Wachablösung vollziehen kann?

Dieses Thema im Programm:

NDR 2 Sport | 11.09.2017 | 22:40 Uhr

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