Stand: 25.06.2014 22:03 Uhr

Handball-Hammer: HSV erhält doch die Lizenz

Der HSV Hamburg hat die Bundesliga-Lizenz doch erhalten - unter Auflagen.

Damit hatten wohl die wenigsten gerechnet: Die Handballer des HSV spielen in der kommenden Saison doch in der Bundesliga. Das unabhängige Schiedsgericht der Handball-Bundesliga (HBL) hob am Mittwoch in Minden die zuvor in zwei Instanzen entschiedene Lizenzierungsverweigerung auf. "Die Lizenz wurde unter Bedingungen erteilt", sagte HBL-Geschäftsführer Holger Kaiser: "Der HSV muss bis zum 1. Juli, 17 Uhr, liquide Mittel in Millionenhöhe nachweisen." Für diese Entscheidung benötigte das HBL-Gremium knapp acht Stunden Beratungszeit. Der HSV hatte zuvor mitgeteilt, dass über die Bedingungen Stillschweigen vereinbart wurde. "Lizenz mit Bedingungen und Auflagen - aber der HSV ist in der 1. Liga. Wir sind happy. Wir hatten einen Berg von Arbeit vor uns, und nun ist da der nächste Berg Arbeit", sagte HSV-Geschäftsführer Holger Liekefett.

In den ersten beiden Instanzen gescheitert

Aus wirtschaftlichen Gründen war dem HSV sowohl in erster als auch nach Überarbeitung der Unterlagen in zweiter Instanz die Spielgenehmigung für die kommende Saison verweigert worden. Beim Schiedgerichtsverfahren ging es nur noch um mögliche Bewertungs- oder Formfehler bei den vorangegangenen Entscheidungen und nicht mehr um Inhalte des HSV-Lizenzantrags. Wie der HSV die Auflagen bewältigen und mit welcher Mannschaft er in die kommende Serie gehen will, blieb zunächst unklar. Im Laufe der nächsten Woche wollen sich die Hamburger zu zusätzlichen Schritten, die die kommende Saison betreffen, äußern.

Hamburgs Glück ist Balingens Pech

Mit dem Spruch des HBL-Schiedsgerichts geht auch die Hängepartie für drei weitere Clubs weiter. Erfüllt der HSV die Auflagen und bleibt in der Bundesliga, muss HBW Balingen-Weilstetten den Gang in die Zweitklassigkeit antreten. Kaiser: "Die Bundesliga wird auf jeden Fall nur mit 18 Vereinen spielen." Die HG Saarlouis würde in die dritte Liga absteigen, die MT Melsungen doch nicht anstelle der Hanseaten einen Platz im EHF-Pokal einnehmen.

Kompletter Neuanfang

Der HSV steht weiterhin vor einem kompletten Neuanfang. Nach dem überraschenden Rückzug von Präsident und Mäzen Andreas Rudolph, der über Jahre Millionen in den Club gesteckt hatte, belaufen sich die Verbindlichkeiten des Tabellenvierten der abgelaufenen Saison auf 2,75 Millionen Euro. Neben personellen Veränderungen - weniger teure Topstars, mehr junge Talente - stehen auch die Vereinsstrukturen auf dem Prüfstand. Im Gespräch ist die Gründung einer neuen Spielbetriebsgesellschaft, um sich von Ex-Präsident und Geldgeber Andreas Rudolph zu emanzipieren. Laut "Hamburger Abendblatt" haben Theaterbetreiber Jürgen Hunke und Unternehmer Alexander Otto Interesse an einem Engagement. Beide haben bereits im Aufsichtsrat der HSV-Fußballer zusammengearbeitet.

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